Bauvorhaben

Berlin bleibt Deutschlands Baustelle Nummer eins

Nirgendwo gibt gibt es so viele Bauvorhaben wie in Berlin. Und der Trend hält an. Bis 2018 fließt die Rekordsumme von 23,6 Milliarden Euro in Projekte. Damit baut Berlin seinen Abstand aus.

Ganz Berlin ist eine Baustelle: Am Leipziger Platz steht eine riesige Shoppingmall mit Hotel sowie 270 Mietwohnungen kurz vor der Vollendung. Neben der Gedächtniskirche klafft die Baugrube für das Hochhaus „Upper West“ und an der Chausseestraße entsteht das Wohnquartier „The Garden“ mit 274 Miet- und Eigentumswohnungen. Die eindrucksvolle Liste privaten Bauengagements ließe sich noch endlos verlängern – denn die Baubranche in Berlin kleckert nicht, sondern klotzt. Das geht aus einer Studie hervor, die das unabhängige Analyse- und Beratungsunternehmen Bulwiengesa am Montag vorgelegt hat.

Zwischen 2011 und 2018 fertiggestellte, im Bau oder im konkreten Planungsstadium befindliche Vorhaben summierten sich laut der Studie zum Stichtag 31. Dezember 2013 auf die Rekordsumme von 23,6 Milliarden Euro. Das sind noch einmal 3,4 Milliarden Euro mehr als im ebenfalls sehr guten Vorjahr 2012. Zum achten Mal in Folge hat Bulwiengesa die Bauprojekte in den Metropolen Berlin, Düsseldorf, Frankfurt/Main, Hamburg, Köln, München und Stuttgart analysiert. Laut Bulwiengesa werden im gesamten Bundesgebiet Immobilien im Wert von insgesamt 100 Milliarden Euro errichtet, was ein Plus von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr darstellt. Auf Berlin entfällt mit 28,24 Prozent dabei der größte Bau-Brocken.

Mehr Eigentumswohnungen als Mietwohnungen

Analystin Julia Peters: „Insgesamt erstreckt sich das Projektvolumen über rund 24 Millionen Quadratmeter.“ Gegenüber 2013 sei das ein Plus von 719.000 Quadratmetern. Auch die geplanten Flächen würden mit 1,17 Millionen Quadratmetern deutlich zunehmen, so Peters weiter. Berlin sei dabei mit 6,8 Millionen Quadratmetern der mit Abstand größte Projektentwicklermarkt, gefolgt von Hamburg, München und Frankfurt. Mit einem Plus von 365.000 Quadratmetern gegenüber dem Vorjahr sei Berlin auch der am stärksten wachsende Markt für Projektentwicklungen.

Auch wenn aktuell in Berlin mit 4,37 Millionen Quadratmetern der privat finanzierte Wohnungsbau die Erstellung von Büroflächen (1,11 Millionen Quadratmeter), Einzelhandel (0,57 Millionen) und Büros (0,41 Millionen) weit hinter sich gelassen hat, könnte Berlin seine Anstrengungen im Wohnungssegment durchaus verstärken, so die Analysten. Interessant sei, dass auf die Einwohnerzahl bezogen in Frankfurt/Main fast doppelt so viele Wohnungen gebaut werden wie in Berlin. So entstehen in Berlin in dem siebenjährigen Betrachtungszeitraum 1,3 Quadratmeter Wohnfläche pro Einwohner (Frankfurt: 2,4m2). Zudem würden in Berlin, München und Köln kaum Miet-, sondern überwiegend Eigentumswohnungen erstellt. So entstehen in Berlin lediglich rund 1,4 Millionen Quadratmeter Mietwohnungsflächen (Eigentum: drei Millionen Quadratmeter). Neue Gesetze wie die sogenannte Mietpreisbremse könnten diesen Trend künftig noch verstärken, so Bulwiengesa-Vorstand Andreas Schulten.