Fast sah es so aus, als säßen die Potsdamer Freizeitschwimmer irgendwann auf dem Trockenen: Obwohl die Schwimmhalle am Brauhausberg längst in die Jahre gekommen ist, konnten sich die Stadtverordneten mehr als ein Jahrzehnt nicht auf einen Neubau einigen. Vorige Woche haben die Stadtwerke nun einen Generalplanvertrag für das neue Sport- und Freizeitbad unterschrieben.
Mit der „gmp Generalplanungsgesellschaft mbH“, dem Büro von Meinhard von Gerkan, das auch den Berliner Hauptbahnhof und den Hauptstadtflughafen BER geplant hat. Baubeginn für das moderne Sport- und Freizeitbad, das am alten Standort nahe des Bahnhofs entsteht, soll im Dezember 2014 sein, die Eröffnung Ende 2016. Doch kaum war die Tinte unter dem Vertrag getrocknet, setzte eine heftige Debatte über die Kosten ein.
Wirtschaftlich bestes Angebot
Für den Bau sind 31,5 Millionen Euro veranschlagt. Für mögliche Baukostensteigerungen und die noch nicht feststehenden Einnahmen aus geplanten Grundstücksverkäufen planen die Stadtwerke Potsdam zusätzlich einen Sicherheitspuffer von 15 Prozent ein. Somit rechnen die Stadtwerke mit Kosten von bis zu 36 Millionen Euro.
Stadtwerke-Geschäftsführer Wilfried Böhme zufolge unterbreiteten Gerkan, Marg und Partner „in der Gesamtschau aller Aspekte“ das wirtschaftlich beste Angebot. Sie gewannen damit den im März dieses Jahres ausgelobten Wettbewerb. Drei von 16 Planungsbüros waren in die engere Wahl gekommen. Die Potsdamer CDU-Chefin Katherina Reiche hingegen kritisiert: „Es kam der mit Abstand teuerste Entwurf zum Zuge.“ Die Stadtverordneten hätten eine Kostendeckelung von 23 Millionen Euro beschlossen. Die zusätzlichen Ausgaben würden an anderer Stelle dringend gebraucht. „Sie fehlen für andere Sportstätten, zum Beispiel für die Sanierung der Leichtathletikhalle am Luftschiffhafen“, sagt Reiche.
Die FDP in der Stadt fordert nun sogar eine Wiederholung der Bürgerbefragung von 2012. Um dem jahrelangen Hin und Her ein Ende zu setzen, hatte Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) damals die Bürger befragt. Sie entschieden sich mehrheitlich für einen Neubau am bisherigen Standort. Damit erteilten sie seinen Plänen eine Absage, das Bad im Norden Potsdams nahe der Biosphäre bauen zu lassen. Damals wurden für die Brauhausberg-Bad-Variante Baukosten von 23 Millionen Euro genannt.
Oberbürgermeister verteidigt Kosten
Der Sprecher des Oberbürgermeisters, Stefan Schulz, reagierte überrascht auf die Kritik der CDU und FDP an den Kosten. „Im nichtöffentlichen Teil des Hauptausschusses der Stadtverordnetenversammlung haben beide Fraktionen am Mittwoch dem Vertrag zugestimmt“, sagte Schulz der Berliner Morgenpost am Wochenende. „Die Entscheidung in dem Gremium fiel einstimmig.“ Es gebe keinen Grund, dass sich die Stadtverordneten noch einmal mit dem Vertrag beschäftigen. Am Freitag habe auch der Aufsichtsrat der Stadtwerke den Auftrag genehmigt.
In seiner wöchentlichen Rathaus-Kolumne auf www.potsdam.de verteidigt Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) die Kosten. „31,5 Millionen Euro sind jetzt für den Neubau eingeplant. Zugegeben, eine Menge Geld.“ Da Potsdam dieses Geld derzeit nicht habe, bauten die Stadtwerke das Bad. Die Stadt zahle einen jährlichen Zuschuss von 3,3 Millionen Euro an das städtische Unternehmen. Damit seien die Betriebskosten für alle Hallen- und Strandbäder in der Stadt sowie die Raten für die Baukredite abgedeckt. „Eine leistbare Konstellation“, so Jakobs.
Mit der „gmp Generalplanungsgesellschaft“ sei aus dem mehrstufigen Verfahren ein renommiertes Architektenteam erfolgreich hervorgegangen, betont Jakobs. Dessen Architektur sei weltweit anerkannt und sorge immer wieder für Bewunderung. Bereits in den ersten beiden Jahren seiner Berufstätigkeit hatte von Gerkan mit seinem Partner acht Architekturwettbewerbe gewonnen, darunter den für den Entwurf des Flughafen Berlin-Tegels. Dass das Planungsteam beim Bau des Hauptstadtflughafens BER in Schönefeld bislang mehr Kritik einstecken musste, als Bewunderung zu ernten, erwähnt Jakobs nicht. Die Eröffnung des Hauptstadtflughafens war wegen Baumängeln, insbesondere beim Brandschutz, mehrfach verschoben worden. Ein Termin für die Inbetriebnahme des BER steht aus.
50-Meter Sportbecken mit zehn Bahnen
„Endlich kann die Landeshauptstadt ein neues Bad bauen, das den Ansprüchen von Sportlern und Familien gleichermaßen gerecht wird“, so der Oberbürgermeister. „Jeder von Ihnen wird sich auf etwas anderes in dem neuen Bad freuen.“ Das Bad soll ein 50-Meter-Sportbecken mit zehn Bahnen erhalten, einen integrierten Sprungbereich mit einer Ein- und Drei-Meter-Sprunganlage. Außerdem wird es ein Lehrschwimmbecken und einen „familienfreundlichen Badebereich“ geben, zudem einen Wellnessbereich mit einem Sauna-Angebot. Auch ein Restaurant ist geplant.
Der erste Anlauf für ein Freizeitbad war an den Kosten gescheitert. Der inzwischen verstorbene brasilianische Star-Architekt Oskar Niemeyer hatte einen kühnen Entwurf für ein futuristisch wirkendes Freizeitbad auf dem Brauhausberg vorgelegt. Doch 2007 stuften die Wirtschaftsministerien des Bundes und des Landes das Vorhaben als nicht förderfähig ein.
Die Stadt rechnete damals mit einem 80-prozentigen Zuschuss für die 29,6 Millionen Euro. Als das Aus für das Niemeyer-Bad kam, hatte Potsdam bereits mehrere Millionen Euro in die Planungen investiert. In die Gutachten für das von Jakobs anschließend favorisiertes Bad nahe der Biosphäre flossen weit mehr als Hunderttausend Euro. Geld, von dem schon gar keiner mehr redet.





