Brandenburg

Preußische Schlösser - Wie Sie ein Stück Sanssouci mieten

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Gudrun Janicke

Foto: Ralf Hirschberger / ZB

Ob Hochzeit oder Lesung: Die Schlösserstiftung nimmt pro Jahr 500.000 Euro durch Vermietung ein. Die Schlossküche Sanssouci gibt es ab 500, die Orangerie kostet 16.000 Euro. Doch Rotwein ist tabu.

Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg bietet nicht nur Kunst- und Kulturgenuss, sondern vermietet auch ausgewählte Objekte.

Die Liste liest sich wie ein „Who is Who“ der herausragenden Denkmale Brandenburgs: Schloss Sanssouci, Neues Palais, Park Babelsberg oder die Schlösser Rheinsberg, Oranienburg oder Königs Wusterhausen. Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg bietet nicht nur Kunst- und Kulturgenuss, sondern vermietet auch ausgewählte Objekte. „Das ist ein sensibles Thema, gehört aber mit zu unseren Aufgaben“, sagte der Marketingdirektor der Stiftung, Heinz Buri. Rund 500.000 Euro werden dadurch im Jahr etwa eingenommen.

Etwa die Hälfte der Summe fließt direkt in Objekte in den Schlössern und Parkanlagen. In diesem Jahr konnte unter anderem die historische Mondbrücke im Park von Sanssouci restauriert werden. Die Erlöse durch Vermietungen sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. „Viel mehr ist aber kaum möglich, auch wenn die Eigeneinnahmen der Stiftung erhöht werden müssen“, sagte Buri.

Strenge Regeln für Vermietung von Sanssouci und Co.

Das Spektrum der Veranstaltungen, für die ausgewählte Schlösser und Parks zur Verfügung gestellt werden, ist breit. Größtes Ereignis sei in jedem Jahr die Potsdamer Schlössernacht mit mehreren tausend Besuchern, sagte Buri. Hier sei die Stiftung aber nur Vermieter und Kooperationspartner.

„Es gibt strenge Richtlinien, was machbar ist und welche Events sich verbieten“, sagte Buri. Privatleute, Unternehmen und Verbände, seien von dem Ambiente fasziniert und wollten ihren Gästen einen faszinierenden Ort bieten: Einmal dort feiern, wo Generationen preußischer Könige lebten. Organisiert werden Lesungen, Empfänge, festliche Abendessen oder Konzerte. Staatsgäste wie die britische Königin Elizabeth II. oder US-Präsident Barack Obama speisten bereits hier.

Rotwein ist in Brandenburgs Schlössern tabu

„Was möglich ist oder nicht, regeln Verträge“, sagte Buri. Weißwein dürfe ausgeschenkt werden, Rotwein sei dagegen oft tabu – wegen der möglichen Flecken im Parkett. In einigen Schlössern werden wegen der Essendünste nur kalte Speisen serviert; anderswo nur Getränke. Private Hochzeiten: Ja. Ein Tontauben-Schießen vor der Kulisse von Schloss Sanssouci: Nein. Nicht gestattet werden auch Werbeaufnahmen für Alkohol oder Zigaretten. „Das geht gar nicht“, betonte der Marketingdirektor.

Gemietet werden können unter anderem die Räume der Schlossküche im Schloss Sanssouci für 500 Euro; oder die originale Wohnung des Marquis d’Argens, eines Freundes von Friedrich II. (1712-1786), im Neuen Palais. Sie ist im Stile des Friderizianischen Rokoko ausgestattet und für 1000 Euro zu haben. Wer für Firmenempfang oder ein Essen im Familienkreis die Orangerie von Sanssouci buchen möchte, muss mehr Geld anlegen: 16.000 Euro kosten die Pflanzenhallen samt Außenbereich. Die Säle und Galerien der Neuen Kammern sind schon für 10.000 Euro zu habe.

Mieter sind selbst für Events verantwortlich

Die Veranstalter sind selbst für die Events verantwortlich. Sie müssen alles selbst organisieren: Vom Catering über das Servicepersonal bis zur Bereitstellung von Toiletten. „Zudem muss jeder Mieter eine Haftpflichtversicherung besitzen“, betonte Marketingchef Buri. Bei einem passenden Rahmenprogramm ist Stiftung Preußischer Schlösser allerdings auch behilflich. Ab 180 Euro unterhält der Hofkoch Tamanti Gäste mit Details über die preußische Küche, oder Marquis d’Argens begrüßt im historischen Gewand die Gäste im Neuen Palais. Besonders beliebt sind die romantischen Bauten der Berlin-Brandenburgischen Schlösserlandschaft bei Hochzeitspaaren. Standesamtliche Trauungen sind zum Beispiel in den Schlössern Glienicke oder Paretz, einst Sommerresidenz der Königin Luise, möglich.

Dabei hat die Schlösserstiftung mit der Vermietung historischer Räume kein neues Geschäftsfeld entdeckt. So nennt die private Website Burgen-und-Schloesser.net in Berlin zwölf und in Brandenburg 177 Adressen von Schlössern und Herrenhäusern, die man für private Anlässe kostenpflichtig nutzen kann. Und auch viele Kommunen bessern seit langem durch die Vermietung ihrer guten Adressen ihre Kassen auf. So kann man Schloss Ribbeck im Havelland ebenso für private Anlässe buchen wie Teile der Zitadelle im Berliner Bezirk Spandau.