Die Niederlausitz entpuppt sich als das Dallas von Brandenburg. In die Rolle von TV-Ölbaron J. R. Ewing ist hier Thomas Schröter geschlüpft – wenn auch ohne Cowboyhut und Zigarre im Mundwinkel. 15 Millionen Tonnen Erdöl vermutet der 56-jährige Berliner, Geschäftsführer der auf die Suche nach Erdöl und -gas spezialisierten Central European Petroleum GmbH (CEP), im Landkreis Dahme-Spreewald. Im August vorigen Jahres setzte CEP 100 Kilometer südlich von Berlin den Bohrkopf an. Mit Erfolg.
Allein unter dem Örtchen Guhlen am Schwielochsee könnten bis zu 250 Millionen Barrel Öl - ein Barrel sind 159 Liter - im Gestein gespeichert sein. Die ersten Ergebnisse aus mehr als 2800 Metern Tiefe lassen Schröter jubilieren. Das gefundene Öl sei „süß, leicht, von bester Qualität“, wie es sie in Deutschland nur beim Öl in der Nordsee gebe.
Ein Stück weiter westlich von Guhlen, in der Nähe von Schlepzig, vermute man sogar noch einmal doppelt so viel Erdöl im Boden. Erste Untersuchungen bestätigen Schröters Erwartungen. Die sind hoch und orientieren sich am Weltmarkt: Mit bis zu 106 Dollar wird ein Barrel Erdöl aktuell gehandelt. Doch frühestens ab 2017 könnte mit Zustimmung des Landesamtes für Bergbau, Geologie und Rohstoffe (LBGR) gefördert werden.
55 Millionen müssen erst einmal noch investiert werden
Probebohrungen, 3D-Seismik und die Auswertung der Ergebnisse stehen in den nächsten zwei Jahren an. „Mindestens 55 Millionen Euro müssen wir dafür noch in die Hand nehmen“, schätzt Schröter. Erst dann will die CEP auch per Antrag beim Bergbauamt Nägel mit Köpfen machen. Bereits 19 Millionen Euro hat das Unternehmen für Suchbohrungen und seismische Untersuchungen am Standort Guhlen ausgegeben. Eine Summe, die Schröter kein Kopfzerbrechen bereitet. Fließe erst das Schwarze Gold, gliche das einem Sechser im Lotto, sagt er.
Gewinner wären neben CEP mit seinen 35 Mitarbeitern auch die auf dem unterirdischen Reservoir sitzenden Gemeinden Schwielochsee (1700 Einwohner) und Märkische Heide (4200 Einwohner). Ein Geschäft, das sich auch für das Land Brandenburg auszahlen würde, stünde diesem doch ein Förderanteil von zehn Prozent zu.
„Selbst wenn wir nur 15 Prozent des Erdölvorkommens in Guhlen aus dem Gestein herausbekommen, hätte das einen Wirtschaftsimpuls von mehr 2,25 Milliarden Euro über die nächsten 25 Jahre“, rechnet Schröter vor. Und zählt auf: 30 bis 40 neue Arbeitsplätze auf Lebenszeit, wirtschaftliche Synergieeffekte fürs regionale Handwerk, ein Bohrfeld als neuer Touristenmagnet, Steuern, die in den Ausbau der Infrastruktur investiert werden können.
So wirbt der CEP-Chef in der strukturschwachen Region – und das bereits seit 2007. Offensiv und transparent, wie das LBGR und Brandenburgs Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) unterstreichen. Das Unternehmen habe seine Hausaufgaben gemacht.
Umweltschützer lehnen das Projekt ab
Schwerer hat es die Konkurrenz, etwa die Firma Celtic Energy. Die hofft auf die Öl-Schätze im Untergrund nahe Mühlrose und Pillgram, stößt aber auf Widerstand im Naturschutzgebiet Schlaubetal. Das Ansinnen von Celtic Energy, den Boden seismographisch zu untersuchen, interpretieren sie als Vorstoß, das Erdreich auf eine mögliche Verpressung von Kohlendioxid hin zu testen.
„Davon kann keine Rede sein, eine unterirdische Speicherung von CO2 wird es in Brandenburg nicht geben“, ergreift Christoffers Partei fürs Unternehmen. Der Minister setzt auf die Erdölförderung. „Zwar ist Brandenburg nicht das typische Erdöl- und Erdgasland. Aber es gibt Potenziale.“ Die lägen in der Veredlung des Rohstoffs. Schröter springt ihm bei. „Keine Kleidung, keine Weihnachtskerzen, keine Rotorblätter für Windkraftanlagen ohne Erdöl.“
Die Informationspolitik von CEP trägt Früchte. „Bedenken der Anwohner wurden ausgeräumt“, bestätigt Wolfgang Gliese, Bürgermeister der Gemeinde Schwielochsee. Das habe anfangs anders ausgesehen. Schwarze Ölfontänen, die in die Höhe spritzen und das Grundwasser verschmutzen, ohrenbetäubender Lärm von Bohrern – das war das Szenario, das Anwohner fürchteten. Doch CEP sei auf die Betroffenen zugegangen, habe zu einem bereits existierenden Bohrfeld auf Usedom eingeladen. „Ich gehe davon aus, dass es keine negative Grundeinstellung gegenüber dem Projekt gibt“, sagt Dieter Freihoff, Bürgermeister der Gemeinde Märkische Heide.
Anders sehen das Umweltschützer. Sie lehnen den Abbau des fossilen Energieträgers ab. „Unfälle, ob beim Transport oder bei der Weiterverarbeitung, können nicht ausgeschlossen werden“, warnt Christoph Lieven, Energieexperte bei Greenpeace. Bei einer Bohrung müsse eine Gasblase angestochen werden. Eine risikoreiche Sache, bei der Öl und Gas unkontrolliert austreten könnten.
Allein zwischen März und April habe Greenpeace 13 Erdölförderunfälle weltweit gezählt. Trotz neuer Technologien. „Die Firma hat zu wenig Substanz, um für derartige Schäden aufzukommen“, sagt Lieven. CEP sei nach eigener Aussage 2010 finanziell überschuldet gewesen. Außerdem verhindere Erdölförderung den Ausbau regenerativer Energien.
dpa/ap



