Bergbau

Goldgräber setzen auf Lausitzer Milliarden-Schatz

In Süd-Brandenburg bricht Goldgräberstimmung aus: Bei Erkundungsbohrungen für ein Kupferbergwerk in der Lausitz wurden kostbare Edelmetalle im Wert von neun Milliarden Euro gefunden. Sie könnten die strukturschwache Region finanziell stärken.

Foto: ZB / ZB/DPA

Der Lausitzer Schatz lagert in einer Halle auf einem alten Industriegelände in Spremberg. Schwarze Klumpen, durchzogen von metallisch glänzenden Sprengseln in changierenden Farben. Ein Milliarden-Schatz, so viel ist sicher. Denn im Boden der Lausitz lagert so manches von dem, was auf den Weltmärkten begehrt und teuer ist: Kupfer zuallererst, aber auch andere wertvolle Metalle, darunter geschätzt 15 Tonnen Gold.

Die Bohrkerne der Erkundungsbohrungen, die in der alten Industriehalle untergebracht wurden, stammen aus der Erzlagerstätte Spremberg–Graustein–Schleife an der Landesgrenze von Brandenburg und Sachsen. Rund 200 Millionen Tonnen Kupferschiefer sollen dort im Boden lagern.

In weiteren 20 Prozent des Kupfererzes, das haben die Untersuchungen ergeben, sind Blei, Silber, Platin, Zink und eben das Edelmetall Gold enthalten. Und diese Vorkommen bringen nicht nur bei der Bergbaugesellschaft Minera S.A. die Augen zum Leuchten.

Hoffnung für die Lausitz

Wertschöpfung, Arbeitsplätze, Auftrieb für die demografische Entwicklung: Die Auflistung an Hoffnungen, die der Bürgermeister von Spremberg, Klaus-Peter Schulze (CDU), mit dem geplanten Untertagebergbau verbindet, ist lang. Gut 20.000 Einwohner hat die Gemeinde, mit rückläufiger Tendenz. Die Arbeitslosigkeit immerhin ging zurück, liegt aber noch immer bei elf Prozent. Eines der Hauptstandbeine der Region ist die Energiewirtschaft. Im Industriepark Schwarze Pumpe entstand eines der modernsten Braunkohlekraftwerke der Welt. Die „Perle der Lausitz“, wie Spremberg auch genannt wird, kann einen wirtschaftlichen Impuls dennoch dringend gebrauchen.

Da kam das Bergbauunternehmen Minera mit Hauptsitz in Panama gerade recht. Im Juni 2007 erhielt die international tätige Holding die Aufsuchungserlaubnis für das Feld Lausitzer Kupfervorkommen. Das Unternehmen gründete hierfür die Kupferschiefer Lausitz GmbH (KSL), eine hundertprozentige Tochter der Minera. 22 Millionen Euro stellte der Mutterkonzern allein für die Aufsuchung, eine Machbarkeits- und Wirtschaftlichkeitsstudie sowie die nötigen Genehmigungsverfahren bereit. Insgesamt wird mit einem Investitionsumfang von 700 bis 750 Millionen Euro gerechnet. Bis zu 1000 Arbeitsplätze sollen direkt im Bergbau entstehen. Noch einmal so viele könnten es bei Zulieferern und Dienstleistern sein.

Ein großer Teil der Gewinne, das habe KSL-Geschäftsführer Thomas Lautsch immer wieder betont, werde in der Region bleiben, sagt Bürgermeister Schulze. Und das, wenn alles gut geht, für lange Zeit: Könne der Erzabbau in Deutschlands erstem neuen Untertagebergwerk seit rund 50 Jahren wie derzeit terminiert 2017 losgehen, dann sei das der Start in „ein Projekt von Jahrzehnten“, sagt die Pressesprecherin des Unternehmens, Pia Verheyen. „Das ist nicht nur so eine Luftblase, wo erst haufenweise Fördermittel fließen, und dann wird doch nichts draus“, zeigt sich auch Wolfgang Wenzke, Kreisgeschäftsführer Brandenburg-Süd vom Bundesverband der mittelständischen Wirtschaft, optimistisch. Allein 300 Firmen seiner Regionalorganisation sowie der benachbarten Brandenburger und sächsischen Organisationen verbänden mit dem Projekt Kupferabbau auch eigene wirtschaftliche Interessen.

Folgen für die Umwelt

In Spremberg und Schleife, der im Gebiet der Lagerstätte liegenden Gemeinde auf sächsischer Seite, „ist man guter Hoffnung“, ist sich Schulze sicher. Offen bleibe allerdings die Frage, welche Probleme für die Umwelt noch auftreten könnten. „Bergbau“, sagt Schulze, „ist immer mit Umweltbelastung verbunden. Wer etwas anderes sagt, hat Unrecht.“ So müsse das salzhaltige Wasser, das bei der Förderung an die Oberfläche kommt, entsorgt werden. Auch für das taube Restgestein, das übrig bleibt, wenn die ebenfalls in Spremberg geplante Flotationsanlage die erzhaltigen Anteile extrahiert hat und diese zur Weiterverarbeitung abtransportiert wurden, muss eine Lösung gefunden werden.

Bisher allerdings stimmen die Erfahrungen mit dem Unternehmen in der Region optimistisch: Die versprochene Wiederherrichtung der für die Probebohrungen benötigten Forstflächen sei prompt erfolgt, sagt Oberforstrat Hans-Jürgen Volkland, Leiter des Regionalteams im der zuständigen Oberförsterei Drebkau. Auf die Ausgleichspflanzungen bei weiterem Flächenverbrauch werde seine Behörde auch künftig aber unerbittlich dringen, so Volkland. Naturschutzverbände hatten schon frühzeitig ebenfalls ihr Augenmerk auf die Bergbau-Pläne in der Lausitz gerichtet.

Letztlich aber sind sie alle froh, dass es für die strukturschwache Region eine Zukunft zu geben scheint. Ermöglicht hatten das nicht zuletzt die gestiegenen Weltmarktpreise für Kupfer, war doch das Kupfervorkommen in der Lausitz schon seit Beginn des 20. Jahrhunderts bekannt und zu DDR-Zeiten auch erstmals untersucht worden. Der Abbau schien Mitte der 80er-Jahre, bei Preisen von 2000 Dollar je Tonne Kupfer, allerdings nicht lukrativ genug. Dabei ist das unter anderem in der Elektronik- und der Autoindustrie benötigte Metall rar: Die Nachfrage ist heute größer als das Angebot, und Experten rechnen mit einer weiteren Verknappung der Versorgung. Innerhalb von zwei Jahren verdreifachten sich die Preise. Fast 9600 Dollar kostete eine Tonne des Buntmetalls am vergangenen Freitag.