Bei der Suche nach Erdöl im Süden Brandenburgs haben Experten möglicherweise eine außergewöhnlich große Lagerstätte entdeckt. „Nach Auswertung der Messprogramme erwarten wir in der Niederlausitz eine Ressourcenmenge von 15 Millionen Tonnen, von denen bis zu fünf Millionen Tonnen förderbar sein könnten“, sagte Projektleiter Thomas Schröter von der in Berlin ansässigen deutsch-kanadischen Central European Petroleum GmbH im Gespräch. „Das wäre eine Sensation!“, bemerkte er mit Blick auf sonst übliche Fundmengen.
"Im Durchschnitt sind in Europa die Größen von neugefundenen Ölfeldern in den vergangenen 30 Jahren auf nur etwa eine Million Tonnen und weltweit auf vier Millionen Tonnen zurückgegangen“, erläuterte Schröter. Allerdings schränkte er ein: „Im weltweiten Durchschnitt sind trotz aller Wissenschaft nur etwa 15 Prozent aller Suchbohrungen erfolgreich.“ Es gebe aber Gebiete, in denen die Erfolgsraten für eine wirtschaftliche Fündigkeit höher oder tiefer liegen.
Das neue Vorkommen solle durch eine Probebohrung westlich des Schwielochsees unweit von Goyatz (Dahme-Spreewald) erkundet werden. „Wir wollen im Herbst damit beginnen, dort eine Bohrung bis in 2800 Meter Tiefe niederzubringen“, kündigte der Projektchef an. Sie solle etwa zwölf Millionen Euro kosten und binnen 50 Tagen fertig gestellt sein. „Wir sind optimistisch, fündig zu werden, weil dort zwischen Mittweide und Trebatsch schon einmal, nämlich von den 1960er bis in die 1990er Jahre, Erdöl aus mehreren Bohrlöchern gefördert wurde.“
Bei dem neuen Projekt habe man sich auf Daten zur Erdölerkundung aus DDR-Zeiten stützen können, als es mehrere Förderstätten in der Region gab. Aktuell produziert in Brandenburg nur noch das Unternehmen Gaz de France etwa 20.000 Tonnen Erdöl aus einem Feld bei Küstrin-Kietz (Oder-Spree).
Die Central European Petroleum GmbH hatte im Jahr 2009 eine 600 Quadratkilometer große Fläche in Südbrandenburg mit Messwellen nach Erdöl erkundet. Das Unternehmen stellte nach Schröters Angaben zudem im letzten Jahr eine Erdölbohrung in Mecklenburg-Vorpommern am Saaler Bodden fertig. Auf der Insel Usedom wolle man in diesem Jahr eine zweite Bohrung nach dem Rohstoff abschließen.
Was ist Erdöl?
Erdöl ist ein in der Erdkruste eingelagertes Gemisch aus mehr als 17.000 Bestandteilen. Seine Farbe und Konsistenz variieren von transparent und dünnflüssig bis tiefschwarz und dickflüssig. Nach vorherrschender Meinung ist Erdöl aus abgestorbenen Meeresorganismen (Plankton) entstanden, die durch ein Massensterben - vermutlich durch einen Meteoriteneinschlag verursacht – auf den Meeresboden absanken.
Vor 260 Millionen Jahren waren große Teile der Nordhalbkugel von einem flachen Binnenmeer überflutet. Gleichzeitig herrschte jedoch ein extremes Wüstenklima. Durch die starke Hitze verdunstete das Wasser, und die im Meer gelösten Elemente lagerten sich meterdick als Karbonate (Kalkgesteine), Sulfate (Gipse) und Salze auf dem Boden ab. Unter dem hohen Druck und der hohen Temperatur dieser Salze und anderer Sedimente wandelten sich die abgestorbenen Meeresorganismen im Laufe der Jahrmillionen in Erdöl um.
Dieses Öl „wanderte“ durch die Kapillaren des Gesteins, bis es durch undurchlässige Erdschichten nach oben und den Seiten gestoppt wurde. Manchmal füllten sich solche „Erdölfallen“ zu Erdöllagerstätten.
Im Gegensatz zu dieser „biogenetischen Theorie“ vermuten einige wenige Wissenschaftler, dass das Erdöl noch aus der Entstehungszeit der Erde stammt und vom Erdinneren aus langsam in Richtung Erdoberfläche gepresst wird. Sie sind Anhänger der sogenannten abiogenetischen Theorie.
Als Deutschlands größtes Erdölfeld gilt die Lagerstätte Mittelplate im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Sie hat ein Ölvorkommen von mehr als 100 Millionen Tonnen. Das Feld liegt in Sandsteinen westlich des Büsumer Salzstocks in Tiefen zwischen 1900 und 3000 Metern.
dpa/nbo





