Matthias Platzeck will sich Zeit lassen mit einer Entscheidung: Macht er weiter – als Ministerpräsident und als BER-Aufsichtsratschef, oder steigt er ganz aus dem aufreibenden Politikgeschäft aus? Gott sei Dank hört er auf den Rat der Ärzte. Es ist viel zu früh, die Folgen seines Schlaganfalls abzuschätzen.

Eine Warnung ist der Schlaganfall allemal, kürzer zu treten. Doch der Druck ist groß. Deshalb nahm der Brandenburger Regierungschef seine Amtsgeschäfte nach nur zehn Tagen Auszeit erst einmal wieder auf.

Die unerwünschte Nachfolgedebatte konnte er damit nicht verhindern. Sie ist längst entbrannt und kommt denkbar ungelegen für die SPD: Bei den Bundestagswahlen im Herbst droht die bisher stets führende Platzeck-Partei erstmals hinter der CDU zu landen. Umfragen zufolge kann die Union von ihrer Oppositionsrolle in Potsdam und vom Merkel-Bonus profitieren.

Die Zeiten sind vorbei, als es hieß, in Brandenburg könne man auch einen Besenstiel mit dem Schriftzug SPD hinstellen – und er würde gewählt. Ein „Zugpferd“ wie Platzeck ist wichtiger denn je, auch bei den Landtagswahlen 2014.

Ganz unvorbereitet stünde die SPD im Falle von Platzecks Rückzug aber nicht mehr da. Dietmar Woidke, Innenminister und aus der Lausitz, trauen die Sozialdemokraten inzwischen die Ministerpräsidenten-Rolle durchaus zu. Eher unwahrscheinlich trotz heftiger Gerüchte: ein von Frank-Walter Steinmeier regiertes Land. Obwohl er seinen Bundestags-Wahlkreis in Brandenburg/Havel vor fünf Jahren souverän gewonnen hat, fehlt ihm als Bundespolitik-Import doch das „Märkische“.