Der Fund einer Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg zwingt an diesem Freitag rund 10.500 Einwohner in Brandenburgs Landeshauptstadt Potsdam zum Verlassen ihrer Wohnungen und Häuser. Der 250 Kilogramm schwere Blindgänger amerikanischer Herkunft war auf einem Privatgrundstück im Wohngebiet Am Stern entdeckt worden.
Weil er nach Angaben der Stadtverwaltung nicht transportfähig ist, muss er vor Ort entschärft werden. Sollten jedoch „alle Stricke reißen“, werde versucht, ihn doch wegzuschaffen, um ihn an einem sicheren Ort zu sprengen, sagte ein Stadtsprecher am Donnerstag.
Alle Bewohner wurden aufgefordert, das Wohngebiet bis 7.30 Uhr zu verlassen. Dort leben viele ältere Menschen. Auch Firmen, Geschäfte und andere Einrichtungen im Sperrkreis sind betroffen. Allein die Stadt werde 330 Kontrolleure entsenden, um die Evakuierung sicherzustellen, teilte der Sprecher Markus Klier mit. Dazu kämen Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr. Die Stadt Potsdam stellt für die Betroffenen Aufenthaltsmöglichkeiten in der Pierre-de-Coubertin-Oberschule zur Verfügung und hat ein Bürgertelefon eingerichtet.
Gehunfähige und bettlägerige Bewohner sollten sich am Donnerstag bei der Feuerwehr melden, um ihre Verlegung anzumelden. Bis zum Nachmittag hatten laut Klier gut 60 Interessierte dort angerufen. Wegen der Bombenentschärfung werden etliche Straßen im Wohngebiet Am Stern und im sogenannten Musikerviertel gesperrt. Die Stadt rechnet dennoch nicht mit einem Verkehrschaos. So bleibt beispielsweise die wichtige Nuthestraße als eine Hauptverkehrsader befahrbar.
Der Besitzer des Fundgrundstücks habe sich an Gerüchte in seiner Familie erinnert, wonach in der Nähe des Hauses im Krieg eine Bombe niedergegangen sein sollte, berichtete der Stadtsprecher. Nach dem Hinweis des Grundstücksbesitzers wurde der Kampfmittelräumdienst fündig. Auslöser sei die missglückte Entschärfung einer Weltkriegsbombe in München im August gewesen, bei der zahlreiche Gebäude beschädigt wurden und ein Millionenschaden entstand.
Es ist eine der größten Evakuierungsaktionen in der brandenburgischen Landeshauptstadt. Die Kommune stellt für Betroffene Aufenthaltsmöglichkeiten in der Pierre-de-Coubertin-Oberschule zur Verfügung und hat ein Bürgertelefon eingerichtet. Erst im Juli war eine sowjetische Fliegerbombe in Potsdam kontrolliert gesprengt worden, ohne Schäden anzurichten.
dpa/mim



