Spende

Plattner schenkt Potsdamer Schloss ein Kupferdach

Software-Milliardär Hasso Plattner unterstützt den Aufbau des Potsdamer Landtagsschlosses erneut mit einer Geldspende. Damit kann das Gebäude sein historisch korrektes Kupferdach erhalten.

Nun ist es endgültig: Brandenburgs Finanzminister Helmuth Markov (Linke) hat am Freitag den Auftrag für ein Kupferdach auf dem Landtagsneubau in Potsdams Mitte erteilt. Grundlage für die jetzige Entscheidung sei eine Spende des Softwaremillionärs Hasso Plattner, wie das Ministerium mitteilte.

Plattner hatte seine erneute Zuwendung für den Wiederaufbau des Potsdamer Stadtschlosses in dieser Woche bekanntgegeben. Über die Höhe der neuen Summe machte er allerdings keine Angaben. Zuvor hatte der Unternehmer bereits 20 Millionen Euro für die Wiederherstellung der historischen Knobelsdorffschen Fassade des Schlosses gespendet.

Das Finanzministerium ist Bauherr für den neuen Landtag. Für das Projekt wurden bislang – ohne das Kupferdach – insgesamt etwa 120 Millionen Euro veranschlagt. 2013 sollen die Abgeordneten umziehen.

Angeblich soll es sich bei Plattners Spende um 1,6 Millionen Euro handeln. Genau das Geld, das fehlte, um das wieder entstehende Stadtschloss originalgetreu mit Kupfer- statt wie vorgesehen nur mit Zinkschindeln zu decken. Denn genau darum geht es dem Unternehmer. "Viele engagierte Potsdamer Bürgerinnen und Bürger und der Verein Potsdamer Stadtschloss haben sich nachdrücklich für ein originalgetreues Kupferdach eingesetzt", sagte ein Sprecher von Hasso Plattner: "Herr Plattner hat deshalb seinen Spendenbeitrag nochmals aufgestockt, damit das Stadtschloss sein ursprünglich geplantes Kupferdach erhalten kann."

Millionen für die Fassade

Schon 2006 listete das Manager Magazin den SAP-Mitbegründer Plattner als den spendabelsten Mäzen Deutschlands. Allein 39 Millionen Euro spendete er damals innerhalb eines Jahres. Den Löwenanteil widmet Plattner seit Jahren dem nach ihm benannten Institut für Softwareinformationstechnik an der Universität Potsdam. Auch für einen generösen Mäzen ist die Höhe seines Engagements dort beeindruckend: Plattner hat sich verpflichtet, in 20 Jahren rund 50 Millionen Euro an das Institut zu zahlen. Inzwischen soll sich die Summe vervierfacht haben.

Daneben findet der Milliardär immer noch andere Dinge, die er für förderungswürdig hält. So wie den Landtagsneubau in Potsdam. 2007 spendete er 20 Millionen Euro an den Förderverein - mit der Vorgabe, diese besonders für die Fassadenrekonstruktion und die Errichtung der Flügelbauten zu verwenden.

Plattner legt dabei Wert auf historische Originaltreue. Im Vertrag zwischen Hasso Plattner und dem Land Brandenburg stand festgeschrieben, dass das Geld "zur größtmöglichen Wiederannäherung des Landtagsgebäudes an Gliederung und Erscheinung der äußeren historischen Fassade des Potsdamer Stadtschlosses" zu verwenden sei.

Plattner ist damit zum entscheidenden Faktor geworden, wie der neue Landtag aussehen könnte. Erst diese Zahlung brachte die Wende im jahrelangen Streit zwischen Befürwortern eines möglichst historisch getreuen Wiederaufbaus und den Gegnern, die sich gegen den "Historizismus" einsetzen oder einen "abgespeckten" kostengünstigen Mittelweg befürworten. Eine Kompromissvariante, die Plattner nicht gefällt. Und die dank seiner Spende nicht mehr notwendig war. "Am Anfang wollte in der Landesregierung keiner das Schloss. Da tat man sich schon mit dem Begriff schwer. Bis heute sprechen ja alle nur von Landtagsneubau", erinnert sich Hans-Joachim Kuke, Mitglied im Verein "Potsdamer Stadtschloss" und in der Bürgerinitiative "Mitteschön". Letztere hatte sich gerade wegen des schwierigen Starts in der Landesregierung gegründet. Doch selbst jahrelange Spendenaktionen im Verein "Potsdamer Stadtschloss" bringen bei weitem nicht so einen Erfolg wie eine einmalige Zahlung von Hasso Plattner.

20 Jahre reparaturfrei

Dass der Mäzen nun erneut hilft, um die Finanzierungslücken zu füllen, begeistert den Kunsthistoriker Kuke. Denn wie das Dach des Schlosses aussieht, macht seiner Meinung nach sehr wohl einen Unterschied. "Der Hut gehört zum Gesicht, das Dach ist also Teil der Fassade und genauso wichtig." Früher hatten vor allem im Norden die wichtigen Gebäude Kupferdächer - eine schon damals kostspielige Variante. Doch ausschlaggebend war wohl nicht nur die Optik, sondern auch die Wetterresistenz von Kupfer. "20 Jahre reparaturfrei" prophezeit Kuke. "Das dürfte auch den Steuerzahler interessieren."

Nun gibt es nur noch eine Frage zu lösen, auf die man im Finanzministerium noch keine Antwort wusste: Was bedeutet eine solche Planänderung für den rasch voranschreitenden Bau? Beim ausführenden Unternehmen BAM Deutschland AG wollte man sich dazu nicht äußern. Ganz so begeistert wie bei der Bürgerinitiative "Mitteschön" und der Landesregierung ist man wohl nicht. Schon kommende Woche ist Richtfest an der Baustelle am Neuen Markt. 2012 soll das Schloss - beziehungsweise der neue Landtag - fertig sein. Verzögerungen sind da nicht gern gesehen.