Kohlendioxid-Einlagerung

In den Brandenburger Boden wird jetzt CO2 gepresst

Im brandenburgischen Ketzin wurde mit der unterirdischen Speicherung von CO2 begonnen. Von nun an kommen täglich drei Lkw mit flüssigem Kohlendioxid von Spremberg, um Material für den Praxisversuch zu liefern. Der BUND warnt vor Gefahren für Mensch und Natur.

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Das Geoforschungszentrum Potsdam (GFZ) hat am Mittwoch im brandenburgischen Ketzin einen Pilotversuch zur unterirdischen Einlagerung des klimaschädlichen Kohlendioxids gestartet. Ein Tanklastzug mit 23 Tonnen CO2 aus der Vattenfall-Pilotanlage im Spremberger Ortsteil Schwarze Pumpe traf am Nachmittag in Ketzin nordwestlich von Potsdam ein. In der dortigen Versuchsanlage soll in den kommenden vier Wochen erstmals CO2 aus einem Kraftwerk unterirdisch verpresst werden.

Täglich würden drei Lkw-Lieferungen mit flüssigem CO2 aus Spremberg erwartet, sagte der Leiter des GFZ-Zentrums für CO2-Speicherung, Michael Kühn. Insgesamt 2.000 Tonnen CO2 sollen in Ketzin verpresst werden. „Wir wollen beobachten, wie sich das CO2 unter der Erde ausbreitet und welche Wechselwirkung es mit dem unterirdischen Gestein eingeht“, sagte Kühn. Dazu werde der Boden „durchleuchtet“, und es würden mehrere Bohrungen durchgeführt.

Bislang wurde lediglich industriell gefertigtes Kohlendioxid, wie es auch in der Lebensmittelindustrie verwendet wird, in den 650 Meter tiefen Gesteinsschichten in Ketzin verpresst. Dieses unterschiede sich in seiner Zusammensetzung minimal von dem CO2 aus der Vattenfall-Pilotanlage, sagte Kühn.

Vattenfall investierte bislang 100 Millionen Euro

Bei dem CCS genannten Verfahren wird das Kohlendioxid bei der Verbrennung von Braunkohle herausgefiltert und kann somit nicht in die Atmosphäre gelangen. Bisher war es jedoch aufgrund fehlender politischer Rahmenbedingungen nicht möglich, die CCS-Technik für den größeren Betrieb einzusetzen, da es keine Genehmigung für eine Speicherung gab.

Vattenfall investierte nach eigenen Angaben in die Erforschung bislang 100 Millionen Euro und plant, im Jahr 2015 in Jänschwalde ein Demonstrationskraftwerk in Betrieb zu nehmen. Der Energiekonzern fordert jedoch Rechtssicherheit, um das 1,5-Milliarden-Euro-Projekt durchführen zu können. Gleichzeitig will Vattenfall ab dem Jahr 2015 mit der CO2-Einlagerung beginnen.

Kritiker warnen vor Gefahren durch CCS

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) forderte hingegen erneut den sofortigen Stopp der CCS-Technik und der unterirdischen CO2-Speicherung. „Das ist ein verantwortungsloses Vorgehen. Die Landesregierung spielt mit dem Leben der Bürger“, sagte BUND-Landesgeschäftsführer Axel Kruschat. Forschung und Wissenschaft verfügten längst noch nicht über genügend Erkenntnisse, welche Auswirkungen die unterirdische Speicherung von Kohlendioxid habe.

Mehrere Gutachten hätten diese Gefahren bestätigt, sagte Krutschat. Zu befürchten seien unter anderem eine Verseuchung des Grundwassers durch Salz, das bei der Verpressung von Kohlendioxid verdrängt wird. Proteste gegen die unterirdische Verpressung von CO2 gibt es auch in Beeskow (Oder-Spree) und Neutrebbin (Märkisch-Oderland). Lausitzer Umweltschützer kritisieren die CCS-Versuchsanlage des schwedischen Staatskonzerns zudem als einen Legitimierungsversuch für den Aufschluss weiterer Tagebaue und die Errichtung neuer Kohlekraftwerke in Brandenburg.