Landtagsneubau

Abgeordnete fürchten Plenarsaal im DDR-Stil

Die überarbeiteten Entwürfe zur Innengestaltung des neuen Potsdamer Parlamentsgebäudes stoßen bei künftigen Nutzern auf Ablehnung. Architekt Kulka beklagt eine laienhafte Diskussion.

Die Diskussion um den Neubau des Brandenburger Landtags in Form des alten Potsdamer Stadtschlosses kommt nicht zur Ruhe. Hatten Politiker und engagiert Bürger zuvor vor allem über das historische Äußere des geplanten Parlamentes gestritten, so geht es jetzt um innere Gestaltungsfragen. Bevor der Bau richtig begonnen hat, fordert nun die brandenburgische CDU-Chefin Saskia Ludwig sogar einen Baustopp. Sie vermutet, dass die ausführende Baufirma BAM Deutschland AG mit verschiedenen Vorschlägen lediglich Geld sparen möchte.

Stein des Anstoßes sind überarbeitete Entwürfe des Architekten Peter Kulka zum Plenarsaal. Anfang des Monats hatte Kulka sie in einer internen Sitzung des Landtagspräsidiums vorgestellt. Über dem eigentlichen Herzstück des Parlamentes, dem Abgeordnetensaal, möchte der Architekt eine runde Tageslichtöffnung anstatt einer eckigen bauen lassen. Ein rundes Gewölbe soll eine bessere Akustik ermöglichen. Außerdem könnte laut Vorschlag die zuerst geplante helle Vertäfelung einem dunklen Nussbaumholz weichen.

Auf die neuen Ideen des Architekten reagierten mehrere Teilnehmer der Präsidiumssitzung skeptisch. SPD-Fraktionsgeschäftsführerin Klara Geywitz und Linke-Fraktionschefin Kerstin Kaiser wurden in der Presse zitiert, sie wollten "nicht in einer Sprelacart-Schrankwand“ sitzen. Sie fühlten sich an das in der DDR übliche dunkle Holzimitat erinnert. Für die CDU-Landes- und -Fraktionsvorsitzende Ludwig, die ebenfalls an der Präsidiumssitzung teilnahm, ist der neue Vorschlag Kulkas ein Anlass, um grundsätzliche Fragen zu klären. Zum Beispiel, welche Absprachen zu Materialien im Vertrag der BAM mit dem Landesfinanzministerium als Bauherren enthalten sind.

"Wir haben einmal eine größtmögliche Annäherung an das Stadtschloss beschlossen“, so die CDU-Abgeordnete. "Da dachte jeder, es wird mit Sandstein gebaut. Wird es aber nicht.“ Es gehe ihr um Transparenz und die Frage, was der Bau letztendlich kosten werde. Immer wieder genannt werden Kosten in Höhe von 120 Millionen Euro. Vom ehemaligen Finanz- und jetzigen Innenminister Rainer Speer (SPD) hörte man aber schon 130 Millionen Euro, so Ludwig. Die Mitinhaberin einer Tiefbaufirma vermutet bei einigen Varianten der BAM, dass sie vor allem die Kosten drücken sollen. Die Landesregierung solle über einen Baustopp nachdenken, um diese Fragen zu klären.

Vor rund einem Jahr hatten das Architektenbüro Peter Kulka und die BAM Deutschland AG den Zuschlag für den Entwurf und die Ausführung des Landtagsneubaus bekommen. Bauherr ist das Land Brandenburg, federführend das Finanzministerium unter Minister Helmuth Markov (Linke). Dessen Sprecherin, Ingrid Mattern, weist die Kritik zurück. "Die BAM arbeitet einen Vertrag ab, an Baumaterialien ist nichts geändert worden“, so die Sprecherin. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Linken, Christian Görke, hält Ludwigs Kritik für ein "Nebelgefecht“. Die vorgeschlagenen Änderungen seien schlüssig und gut begründet.

Architekt Kulka reagiert auf die Vermutungen der CDU-Abgeordneten empört. Mit seinem Vorschlag für den Plenarsaal würden keine Kosten gespart, vielmehr gebe es eine Aufwertung. Statt "schulmöbelartigen Holzes“ solle ein "edleres Holz“ der Nutzung durch den Landtag gerecht werden. Kulka weist den Vorwurf von sich, für die BAM die Kosten zu drücken. Dafür sei der Bau zu bedeutend. "Mit solch einem Prestige-Projekt können sie Kopf und Kragen verlieren.“ Die Änderungen begründet der Architekt mit einem Lernprozess. "Auch nach fünf Jahren Arbeit an diesem Projekt lerne ich immer noch viel über die Architektur von Knobelsdorff.“ Die Baugesellschaft BAM sei gegenüber seinen Vorschlägen sehr offen, das Kostenargument spiele dabei kaum eine Rolle.

Saskia Ludwig beklagt, dass dem Landtagspräsidium nur einzelne Fragen zur Beratung vorgelegt würden. Das Präsidium ist das einzige Gremium, in dem die Abgeordneten als zukünftige Nutzer architektonische Fragen diskutieren können. Architekt Peter Kulka dagegen ist enttäuscht über das mangelnde Vertrauen der Abgeordneten. Für Laien seien viele Detailfragen kaum zu überblicken. Das Präsidium wird am 1. September über Kulkas Vorschläge entscheiden.