Manchmal gilt es einfach, das auszuhalten. Ich habe die Faxen dann dicke, gestrichen. Und das Wasser steht mir nicht unbedingt bis zum Hals, immerhin aber kurz davor. Diese Woche nun fragte ich Freunde auf Facebook, wie es ihnen damit geht: mit dem Winterblues. Sehr viele können damit etwas anfangen und viele haben freundlich und bereitwillig Auskunft gegeben.
Ich selbst bin da leider auch Fachmann bei dem Thema, kenne mich besser aus, als mir lieb ist. Das beginnt manchmal schon im November, ist der diesig, verregnet, grau und trist, geht’s los. Im Dezember nimmt das zu; Schnee, die weiße Pracht, könnte das lindern, aber wann schneit es schon richtig? Wann bleibt Schnee in der Stadt ein paar Tage liegen? Matsch, sehr viel davon. Alles grau stattdessen.
Ich werde traurig, antriebsarm, alles verengt und verlangsamt sich. Nicht immer, Gott sei Dank, aber immer ein paar Tage, und das reicht! „Seit November bin ich schwer depressiv und das ist alles sehr anstrengend“, schreibt Martin mir und ich spüre, das ist nochmal eine andere Liga. Viel Kraft, Martin!
Reset – und dann neu hochladen
Ist man lediglich von kleinen Stimmungen und Befindlichkeiten betroffen wie Oda, reicht es jetzt bereits, den Amseln zuzuhören. Gegönnt! Ich dagegen träume jede zweite Nacht von Kreta, der Sonne, dem Licht, der Hitze und wache ich auf, ist mir noch ganz heiß. Sich wegträumen, das macht Sven auch, landet neben Kreta aber in Symi oder in Costa Rica. Kleine Fluchten. Wo ist ihr Sehnsuchtsort, haben Sie einen „Traum“-Strand?
Ich habe nun für eine Woche Mallorca gebucht, bald geht es los, ich sehne mich nach der Mandelblüte, Spaziergängen, etwas Sonne. Dieses Jahr ist schon besonders, ich bin noch etwas angeschlagen von den ganzen Krankenhäusern im letzten Jahr. Ich möchte einfach, wie beim Computer, den Stecker ziehen. Reset. Und dann neu hochladen.
Das würde Jürgen gerne auch machen, leider fehlt ihm das Geld, wie leider anderen auch. Verdammt, auch Reisen ist nun auch richtig teuer geworden. Andere hätten zwar Geld, die Gesundheit aber spielt nicht mit. Oder das Alter setzt Grenzen. Fragen Sie mal meinen Freund Wolfram. Gerne erzählt er von La Palma und gerne höre ich zu.
Wie mache ich es mir erträglich in Berlin?
Mich freut übrigens sehr, dass niemand mir diesen Luxus neidet, diese Unvernunft. Die Flugkilometer halte ich mir schon selbst vor. Als Ausgleich überlege ich, übrigens aus vielen Gründen, ob ich Tiere zukünftig lieber streichele, statt sie zu essen.
Wie aber mache ich es mir erträglich in Berlin, gar schön, wenn das mit dem Flieger Richtung Süden nicht hinhaut? Einige Erfahrungen sind einfach und preiswert. Hella zum Beispiel zündet Kerzen an, „morgens zwei, abends dann mehr“. Michael setzt wie andere auf Bewegung („Lauf um dein Leben“). Zusätzlich übt er sich in Gelassenheit, arbeitet an der Akzeptanz, das Trübe zu anzunehmen.
Bei echten Depressionen hilft nur der Arzt
Guter Kaffee oder ein feiner Tee können helfen, ein Kinobesuch, eine Tageslichtlampe, Gespräche, Freunde überhaupt, Obst und Gemüse, der Saunabesuch, die Liste der Tipps ist lang. Blumen bewirken wohl Wunder, Tulpen liegen sehr weit vorn.
Drei Ratschläge werden aber sehr häufig genannt und erscheinen mir recht vielversprechend: Die Musik (hilft mir sehr), das Kuscheln (ich habe echt Glück) oder ein Hund. Da überlege ich noch, Paul! Zwei Ratschläge übrigens fand ich skurril: Eine Woche Auszeit im Haus der Stille. Und das Eisbaden. Punkt eins wäre ja sogar noch etwas für mich. Gespräche mit Gott, viele finden sich hier wieder, helfen auch. Abschließend: Eine handfeste Depression ist eine Krankheit und es wird nicht helfen zu stricken oder gute Schokolade zu essen. Aber kann das heilen - hin zum Arzt also!
Sehr schön aber ist es, wenn viele rein gar nichts mit dem Winterblues anfangen können, wie Christel zum Beispiel. Für sie ist der Winter einfach eine tolle Jahreszeit. So oder so: Machen Sie etwas daraus. Viel Freude dabei!


