Seit 30 Jahren mache ich Urlaub auf Kreta, und wenn Sie das lesen, dann liege ich schon am Strand. 32 Grad sollen es auf meiner Lieblingsinsel werden, nachts nicht kühler als 19. Tagsüber ist es ja auch in Berlin endlich sommerlich, aber nachts noch immer 9 Grad. Das ist kalt – nicht nur im Biergarten, sondern vor allem, wenn man auf der Straße lebt.

Umso dankbarer bin dafür, nun hier sein zu dürfen. Sie wissen, Kreta: Ich komme seit 30 Jahren. Im vergangenen Herbst bin ich ja sogar ein zweites Mal dort hingereist. Ich musste meine Seele abholen, die beim ersten Besuch irgendwie dageblieben war. Was darf ich mir eigentlich gönnen?, fragte ich mich damals. Nach der Reise wusste ich: Je älter man wird, desto wichtiger wird es, an die eigene Seele zu denken.

Der Komo Beach, sollte es Sie mal in die Gegend verschlagen, nahe Pitsidia gelegen, ist vermutlich einer der schönsten Strände in Europa. Obwohl ich in jedem Urlaub Neues auf der Insel entdecke, verbringe ich hier viel meiner Urlaubszeit. Nichts tun kann ich nämlich wunderbar. Und die 32 Grad sind hier deutlich erträglicher als in Berlin. Hier kocht kein Beton, das Meer bietet genügend Erfrischung.

Der Strand hat seine eigene Choreographie. Alles hat hier seine Zeit. Als Frühaufsteher zieht es mich schon oft um 7.30 Uhr hierher, es ist dann kühl, leer ist es meist auch. Verteilt auf 2,5 Kilometer Länge, machen um diese Zeit lediglich zwei Menschen ihre Yogaübungen und ein paar junge Griechen krabbeln verschlafen aus ihren Zelten. Es ist friedlich.

Neben meinem Balkon in Berlin ist der Strand wohl der wundervollste Ort, an dem ich morgens beten kann. Und über das Leben, meine Liebsten, die Arbeit und anderes nachdenken. Das alles passiert ohne Anstrengung, entspannt findet ein Gedanke den anderen, und das Ganze ist fast eine lange währende Meditation. Frühstücken kann man hier auch prima, und so langsam wird es von Minute zu Minute wärmer. Weg mit den Klamotten!

In früheren Jahren campte ich ja auch gelegentlich länger am Strand, schätze aber schon lange die Vorzüge eines kleinen Zimmers, einer Dusche und einer Gemeinschaftsküche. Ab zehn Uhr nimmt das Leben zu, erst verhalten, dann reger. Die absoluten Spätaufsteher kommen dann mittags um zwei. Oft bin ich da schon weg, mir wird es zu warm.

Ab elf Uhr kommt übrigens Kuchen-Uwe. Im Winter leben seine Frau und er in Deutschland, im Sommer aber zieht es auch ihn auf die Insel, und er bessert sein Einkommen durch den Verkauf von selbst gebackenem Kuchen und Kaffee auf. „Apfel-Streusel, Schoko-Kirsch und Käsekuchen“, hallt es dann über den Strand. Kein leichter Job, da durch den Sand zu stapfen. Und das lässt er sich dann auch bezahlen, zwei Euro für den Becher Kaffee, drei für den Kuchen. Ich bin gespannt, wann hier die Inflation zuschlägt? Uwe ist übrigens ein Kommunikationsgenie, nach zehn Minuten sind alle bestens informiert. Die Hälfte des Strandes ist FKK-Areal. Ich kann das wohl fast mehrheitlich sagen, wir Alten haben so unsere Probleme mit unseren Körpern, speziell die deutlichen Bäuche machen vielen Schwierigkeiten. Fett, Übergewicht, kleine Dellen, die Erdanziehungskraft – viele sind einfach keine 30 mehr.

Ich tue mich da auch schwer. Eine Diät im Urlaub zu starten, ist wohl kein guter Zeitpunkt, aber immerhin ist hier mal Zeit, meiner Ernährung mehr Aufmerksamkeit zu schenken. „Without potatoes,“ wissen auch etliche Restaurantbesitzer, wenn sie mich sehen. Immerhin, ich nehme hier nicht zu, Versuchungen gibt es ja genug und reduziere ich den Alkohol, nehme ich sogar etwas ab. Leider an den falschen Stellen!

Für einige ist das mit der Schönheit aber hart, sie trauen sich nicht mehr, sich unbefangen am Strand zu zeigen, bleiben weg. Ich aber fange morgen mit dem Sport an. Oder übermorgen. Versprochen!