Guten Morgen, schenken Sie sich gerade einen Kaffee ein? Und zünden sich eine Zigarette an? Oder haben Sie, wie Claudia, über 40 Jahre geraucht, dreimal damit aufgehört, sind rückfällig geworden, um nun seit dreieinhalb ohne Zigaretten klarzukommen? Jutta und Heinz waren mehr als 50 Jahre lang Kampfraucher. Sie beendeten das urplötzlich von heute auf morgen. Fünf Jahre ist das her.
Mein Freund Tao ist seit dieser Woche dabei, mit dem Rauchen aufzuhören. Mit 16 griff er das erste Mal zur Zigarette, schnell rauchte er regelmäßig. Nun, mit 34 Jahren, war er bei eineinhalb Schachteln pro Tag. Gesundheit und Geld, das sind die Hauptgründe, die Tao in die Waagschale wirft, um mit dem Rauchen aufzuhören.
Und jeden Tag setze ich mich noch selbst mit diesen wunderbaren, dämonischen Glimmstängeln auseinander. Sie sind zwar Laster, aber erscheinen mir für kurze Momente immer noch als der Genuss pur. Seit Mai des letzten Jahres rauche ich nicht mehr. Über Jahre habe ich nach einem Grund dafür gesucht, aufzuhören. Meine Krebserkrankung im Frühjahr war dann ein überdeutliches Signal. Ich empfand den Eingriff als sehr radikal, als mir die Prostata entfernt wurde.
Schon mein Vater starb an Krebs
Nikotin und Krebs, die ursächlichen Zusammenhänge sind keineswegs eindeutig, starb doch bereits mein Vater an Prostatakrebs und er war Nichtraucher. Dass Zigaretten schädlich bis tödlich sind, die Erkenntnis ist nicht neu. Die Ärzte und alle anderen waren extrem professionell, ich bin dankbar dafür. Deshalb ging mein erster Weg nach der OP nicht zur Raucherecke im Krankenhaus.
„Mensch, Dieter, bist du radikal ehrlich und offen“, sagen jetzt etliche. Es geht doch aber auch um viel: Ums Leben und Sterben, Sinnlichkeit, Lebensqualität, auch Lebensfreude. Es geht um Tao, Sie und mich. Und fast jeden Tag möchte ich dennoch zur Zigarette greifen.
Ich habe das Zeug geliebt, so seit dem 16 Lebensjahr. Ernte 23, der besondere Geruch, Juno und die Tradition dieser Zigarette („Aus diesem Grund ist Juno rund“), Lux – weil diese Zigarette einfach anders war und die Chesterfield –, ich komme noch immer ins Schwärmen. Dann drehte ich übrigens zehn Jahre, mir wurde das zu teuer. Hilfsmittel wie zum Beispiel Nikotin-Kaugummis kenne ich auch, die habe ich über Jahre genommen. Nur nicht zur Entwöhnung, sondern zusätzlich! In der Dienstbesprechung, in Verkehrsmitteln, manchmal gar gleichzeitig zur Zigarette. Soll ich Ihnen mehr über Sucht und deren Abgründe erzählen? 30 Zigaretten, zehn Kaugummis, aber bitte die mit 4 Milligramm Nikotin. Ich stand ständig unter Strom.
Probieren Sie es einfach, immer wieder und wieder
Eine Anmerkung kurz noch zum Geld. Kürzlich habe ich mir zwei Jens für jeweils 139 Euro gekauft. Und ein Rasierwasser für 230 Euro. Verrückt und sündhaft teuer! Und habe dennoch Geld gespart, rechnen Sie doch mal nach. Wichtiger als der Konsum ist die Gesundheit. Das wird noch dauern, aber meine Kondition nimmt langsam wieder etwas zu. Ich erwarte keine Wunder, denn etliche Schäden sind doch irreparabel. Über Verbesserungen freue ich mich.
Kennen Sie übrigens Albträume? Meine, mit Rollstühlen und Raucherbeinen, haben aufgehört. „Das mit dem Nikotin ist schwieriger als der Entzug von Heroin“, lieber Tao. Weißt du, wer das sagte? Es war Keith Richards von den Rolling Stones und ihm nehme ich ab, sich damit auszukennen.
Ich vermisse die Zigaretten übrigens auch, weil die Emotionen nun anders auf mich einprasseln: Wut, Zorn, Traurigkeit, Freude, Frohsinn. Ich spüre das deutlicher, Zigaretten waren auch ein Filter. Verletzungen schmerzen mehr, auch da möchte ich manchmal zur Zigarette greifen.
Ich lasse es! Es gibt ja unzählige Methoden, mit dem Rauchen aufzuhören und Sie, geschätzte Leserinnen und Leser, sind auch sicher informiert. Du, lieber Tao, bist es auch. Probieren Sie es einfach. Immer wieder und wieder. Denn das Leben ist schön und wir leben doch gerne.


