Ich stand an der U-Bahn, als mich eine Dame höflich ansprach und etwas fragte – um sich dann aber über meine Antwort zu empören: „Entschuldigen Sie, fährt die nächste U-Bahn auch zum Hermannplatz?“ – „Ja, natürlich, alle Züge fahren dorthin“, antwortete ich verwundert. Wir standen an der Berliner Straße am Bahnsteig der U7. Die Frau, die mit süddeutschem Akzent sprach, glaubte mir aber nicht. Sie sei ganz sicher, an diesem Bahnsteig auch schon andere Linien gesehen zu haben. Nur würden die offenbar in den Fahrtrichtungsanzeigern nicht angegeben. Ob das dieses Berlin-Chaos sei?
Irgendwann stellte sich heraus: Die Frau war zuvor S-Bahn gefahren. Oder möglicherweise auch in der Hochbahn, wo sich U1 und U3 tatsächlich streckenweise einen Bahnsteig teilen. Als ich ihr zu erklären versuchte, dass manche Bahnsteige eben nur von einer Linie angefahren werden, andere von mehreren, schüttelte sie ungläubig den Kopf. „Wirklich? So ein Chaos, das kann doch nicht sein!“ Für sie war klar: Berlin war schuld.
Inzwischen passiert es mir häufiger, dass Menschen Informationen über Berlin einfach nicht glauben. Nicht nur, dass es in Sachen Nahverkehr wirklich noch viel kompliziertere Großstädte gibt als Berlin. Oder dass eine Stunde Fahrtzeit in Berlin ziemlich normal ist. Wie, für eine Strecke? Egal, ob per Auto oder Bahn? Nur, um ins Konzert zu gehen oder shoppen? Tja, Berlin ist eben auch räumlich eine große Stadt. Ich erinnere ich mich gut, wie ich das zunächst auch nicht glauben wollte . Und x-mal zu spät kam, bis ich es akzeptierte.
Auf einen Kaffee „in die Stadt“?!
Dass man umgekehrt mit Bussen und Bahnen praktisch überall hin kommt, selbst an Badeseen oder in den Wald, glaubt einem der Besuch meist auch nicht. Schon gar nicht, dass zum normalen Nahverkehr auch Fähren gehören. „Berlin ist noch nicht Hamburg!“, habe ich neulich gehört. Nö. Unsere Häfen sind zwar, nun ja, etwas kleiner. Aber es sind immerhin mehr als 20!
Schön finde ich auch, wenn Besucher vorschlagen, man könne sich ja auf einen Kaffee „in der Stadt“ treffen. Meist übergehe ich dieses Missverständnis höflich, frag also nicht nach: „in welcher Stadt?“, sondern schlage einfach eine konkrete Adresse vor. Man will ja niemanden nerven. Vielleicht bietet sich beim Kaffee die Gelegenheit zur Aufklärung, dass in Berlin sich niemand „in der Stadt“ verabredet – außer den Spandauern, die mit „Stadt“ aber wiederum die Altstadt Spandau meinen. Geht es um den Kudamm oder den Alex, fahren Spandauer nach „Berlin“, die anderen fahren nach Charlottenburg oder Mitte. Apropos: Der Fernsehturm kostet tatsächlich 26,50 Eintritt – pro Person und nur fürs Runtergucken. Und nein, das Fehlen einer offiziellen Hauptstadt-Innenstadt hat nicht, wie viele vermuten, mit der deutschen Teilung zu tun. Sondern mit dem Zusammenwachsen aus mehreren Städten und dem Zusammenschluss zu Groß-Berlin 1920. Aber dieses historische Kapitel ist vielen dann auch schon wieder zu kompliziert.
Wie, die Berliner Mauer ist bis auf winzige Reste weg?
Eine der meistgestellten Fragen ist, wo sich Ost- und West-Berlin heute noch unterscheiden. Leider machen auch diese Antworten viele unzufrieden. Wie, die Berliner Mauer ist bis auf winzige Reste weg? Echt, wieso das denn? Wenn man dann rät, sich zum Beispiel das Berliner Tramnetz anzuschauen, wird es wiederum schwierig. Wo heute Straßenbahnen fahren, war damals „Osten“, mit einer Ausnahme in Moabit – soll man das glauben? Kann es wirklich sein, dass es ausgerechnet der reichen Westen seine gesamten Straßenbahnen bis 1967 stilllegte? Und warum hat sich bis heute daran kaum was geändert? Schwierige Frage.
Gern genommen werden immer praktische Tipps für den Berlin-Besuch. Fernzüge halten oft an mehreren Stationen. Manche Supermärkte sind bis Mitternacht geöffnet, manche sogar sonntags, die Spätis ebenfalls – die aber nicht sonntags. Echt jetzt? Warum? Weil sie laut einem Gericht „nicht spezifischen Bedarf von Touristen ausgerichtet“ sind? Kann doch nicht sein, so a Schmarrn!



