Die Angst vor dem Tod ist auch eine vor dem Kondolieren. Man sitzt vor einem weißen Blatt und will auf keinen Fall etwas Dummes, Gedankenloses oder Verletzendes schreiben. Man will sein Herz sprechen lassen, ist sich dabei aber unsicher, ob das eigene Herz dieser Ausnahmesituation sprachlich gewachsen ist. 

Ich verstehe, dass viele unter diesem Druck zu einer Trauerkarte aus dem Schreibwarenhandel greifen. Die signalisiert schon auf den ersten Blick, worum es geht. Etablierte Formulierungen wie „Herzliches Beileid“ oder „In stiller Trauer“ transportieren die Kernbotschaft. Die wird von in diesem Zusammenhang oft verwendeten optischen Elementen wie Dürers „Betenden Händen“, Engeln, einem Palmwedel oder dem christlichen Kreuz unterstützt. Der weitverbreiteten Sprachlosigkeit im Zusammenhang mit dem Tod kommt entgegen, dass der Platz für persönliche Botschaften, den so eine Karte bietet, begrenzt ist.

Persönliche Anteilnahme zeigt: Handschrift und Worte verbinden

Diese Trauerkarten, besonders die dezent gehaltenen, sind in vielen Fällen als Zeichen der Anteilnahme absolut angemessen. Wer dem Empfänger der Botschaft besonders eng verbunden ist, sollte einen handgeschriebenen Brief vorziehen. Leider ist nicht jedem eine ansehnliche oder auch nur lesbare Handschrift gegeben. Diese Kulturtechnik verschwindet seit dem Wechsel zur elektronischen Kommunikation aus unserem Leben. In Dänemark wurden Ende 2025 die letzten Briefkästen der Staatspost demontiert. Wer die Botschaft der Kondolenz nicht durch seine unleserliche Schrift verschlüsseln will, der behilft sich mit der Mischform: Eine ausführliche Anrede und der Schlusssatz samt Grußformel werden dem ansonsten in einer sachlichen Schrift wie Times, Optima oder Arial ausgedruckten Brief handschriftlich hinzugefügt.

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Aber halten wir uns nicht bei Äußerlichkeiten auf. Die wichtigste Botschaft eines Kondolenzbriefs oder einer Karte richtet sich an die Witwe, den Partner, das Kind. Sie lautet: „Ich bin für Dich da. Zögere nicht, mich wissen zu lassen, wie ich Dir in dieser schwierigen Zeit helfen kann.“

Persönliche Erinnerungen machen Kondolenzschreiben besonders wertvoll

So eine Kondolenz, die über eine Trauerbekundung hinausgehen soll, darf gern auch eine besondere Erinnerung an den Verstorbenen enthalten. Eine Geschichte, die sein Wesen spiegelt und an die man sich auch in zehn Jahren noch erinnern wird. Eine Geschichte, die der Trauerredner dann auch in seine Ansprache aufnehmen kann.

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Die verbreitete Formel „Mein Beileid“ hat ihren Ursprung vermutlich im mittelhochdeutschen „bileit“, das Geleit meint. Das war also zunächst nicht als Ausdruck der Anteilnahme gedacht, sondern als Versicherung der Anwesenheit. Immer wieder hört man von Hinterbliebenen, dass Freunde des Verstorbenen auf Abstand gehen, weil sie sich wohl fürchten, etwas Falsches zu sagen oder zu tun. Dabei ist gerade dieser Abstand das Falsche. Und eine Rückbesinnung auf die alte Bedeutung von Beileid würde helfen. 

Kondolenz: Wie sich Trauer mit Whatsapp und Formularen verändert

Wenn wir heute beklagen, dass sich Trauer und Kondolenz in eine unpersönliche, formalisierte Richtung entwickelt haben, liegen wir sicher nicht falsch. Sollten uns allerdings hüten, das der Moderne anzulasten. Im Museum für Sepulkralkultur in Kassel liegt eine gedruckte Kondolenzkarte aus dem 19. Jahrhundert, die wir heute staunend betrachten: Anteilnahme und Trostvers waren bereits vorformuliert, nur Name und Ort mussten handschriftlich ergänzt werden. Dazu passt ein Formular für eine Kondolenzrede aus einer Bündner Dorfschule aus dem Jahr 1843. Offenbar diente das als Grundlage für eine Schulstunde, in der eine Grabrede geübt wurde. So manche Grabrednerin, so mancher Grabredner arbeitet heute noch in dieser unseligen Tradition.

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Wahrscheinlich ließe sich in einem Raum voller Menschen schnell Einigkeit darüber erzielen, dass man niemals per Whatsapp kondolieren sollte. Ich würde dem widersprechen. Wenn ich mit einer Freundin oder einem Freund seit Jahren auf diesem Weg kommuniziere, wenn wöchentliche oder sogar tägliche Nachrichten zur gelebten und geliebten Routine geworden sind, kann sich die Kondolenznachricht auf dem Mobiltelefon richtig anfühlen. Der besonderen Situation kann man mit einem schönen Gedicht Rechnung tragen. Beim Messenger, das mag man als Vorteil sehen, entfällt die Postlaufzeit. Ich erreiche den Empfänger mit meinem Trost und meiner Liebe also sofort nach dem großen Verlust.

Missverständliche Emojis: Symbole können unerwartete Bedeutungen haben

Eine Einschränkung: Das pure Herzchensymbol finde ich hier akzeptabel, ansonsten würde ich aber auf alle Emojis verzichten. Weil ein Text ohne die besser aussieht. Aber auch, weil wir oft gar nicht die Bedeutung der einzelnen Symbole überblicken. Ich erinnere mich an eine unschuldig aussehende Nachricht, die ein Haus mit Herz enthielt. Als ich mir die vom Telefon vorlesen ließ, wurde klar, dass dieses Symbol eine ganz spezielle Bedeutung hat und wirklich nicht passte. Das Telefon las vor: „Freudenhaus“.

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