Als Journalist sorgt man gelegentlich für Zerstreuung, Aufklärung, Unruhe, Unterhaltung. Eher selten stiftet man Ehen. Letzteres gelang mir – zumindest behaupteten das die beiden Hauptpersonen wenigstens im Spaß – bei Renate Krößner und Bernd Stegemann. Immer, wenn ich die beiden Schauspieler in meiner früheren Kolumne als „Renate Krößner und ihr Mann Bernd Stegemann“ oder „Bernd Stegemann und seine Frau Renate Krößner“ erwähnt hatte, meldeten sich irritierte Freunde bei den Dauerverlobten und gratulierten zur Vermählung. Wobei – wegen der Nichteinladung – wohl auch ein wenig Verstimmung mitschwang. Irgendwann heirateten Renate und ihr Bernd, die immer so eine rührende Dauerverliebtheit ausstrahlten, dann wirklich. Und ließen mich charmanterweise im Glauben, sie hätten das meinetwegen getan.
Heirat in Weimar: Renate Krößner erfüllt sich Goethe-Traum
Weil Renate Krößner, Gewinnerin des Silbernen Bären der Berlinale 1980 als Beste Darstellerin in „Solo Sunny“, so eine große Verehrerin und Kennerin des Werks des Dichterfürsten war, wurde 2005 an Goethes Geburtstag in Weimar geheiratet. Braut und Bräutigam wohnten im Hotel Elephant, der Bürgermeister traute sie. Dann ging es per Kutsche zum Picknick. Bernd freut sich heute noch über seine Idee, dieses Fest dort zu feiern: „Renate war glücklich.“
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Am Tag danach kauften sich die Frischvermählten eine verkleinerte Version vom „Stein des guten Glücks“, eines Denkmals, das Goethe in der Nähe seines Gartenhauses errichten ließ. Diese Kugel, die auf einem Kubus ruht, stand seitdem im Haus der Schauspieler südlich von Berlin.
Bernd Stegemann kämpft auch Jahre nach Tod mit Trauer
Inzwischen ist sie in Renate Krößners Grabstein auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof eingearbeitet. Sie starb wenige Tage nach ihrem 75. Geburtstag im Mai des Jahres 2020. Auf die Schleife, die an seinen Blumen für das Begräbnis hing, ließ der Witwer drucken: „Bis nachher, Puppe!“ Das klingt lässig, aber Bernd Stegemann wurde durch den Tod seiner Frau in eine tiefe Verzweiflung gestürzt. Freunde machten sich damals Sorgen um ihn. Die Verzweiflung ist inzwischen einer Trauer gewichen, die nicht nachlässt. Warum sollte sie auch?! „Das Wichtigste in meinem Leben ist weg.“ Statt zu beklagen, dass ihm seine Frau vom Krebs genommen wurde, ist der Witwer dem Professor, der sie bei ihrer ersten Erkrankung operiert hatte, dankbar: „Er hat uns 15 weitere schöne gemeinsame Jahre geschenkt.“

Seinem eigenen Ende war Bernd Stegemann einmal auf dem Weg zu Dreharbeiten besonders nah. Die tschechische Tatra-Limousine, in der er abgeholt wurde, war ein wirklich schöner und luxuriöser Reisewagen, allerdings funktionierten die Bremsen nicht. Der Wagen überschlug sich auf einem sächsischen Acker mehrfach. Der Schauspieler wunderte sich selbst am meisten, dass er da ohne sichtbare Blessuren rausgezogen werden konnte. Als seine Renate von einem Defa-Mitarbeiter mit der Unfallnachricht angerufen wurde, lautete ihre spontane Frage übrigens: „Ist noch alles dran?“
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Bernd Stegemann hat immer wieder bewiesen, dass er aus jeder Rolle, völlig unabhängig von ihrer Größe im Drehbuch, eine Hauptrolle machen kann. Und aus jeder Szene ein Kabinettstück. Wer den Beweis dafür sehen will, der schaue sich die „Stasikomödie“ von Leander Haußmann an, in der er Stasi-Chef Erich Mielke als ebenso lächerlichen wie gefährlichen Typen darstellt. Große Kunst! In den ersten sechs Staffeln der „Soko Potsdam“ spielte Bernd Stegemann den Rechtsmediziner. Die Beschäftigung damit war für ihn eine interessante Arbeit, aber sein Verhältnis zum Tod veränderte sich damit nicht. „Das geschah eher durch den Tod meiner Renate. Und zwei Jahre danach dann dem meiner Tochter Susanne.“ Es ist immer besonders traurig, wenn ein Kind vor den Eltern gehen muss. „Sie hatte gerade so einen tollen Mann kennengelernt. Und wir wollten alle glauben, dass sie durch die Liebe ihre Krankheit vielleicht doch noch überwindet. Aber das ist leider nicht passiert.“
Bernd Stegemann weiß nicht, wie viel irdische Zeit ihm noch bleibt. Die Grabstelle neben der seiner Frau ist reserviert. „Und wenn es so weit ist, erweist sich ja vielleicht jemand als so nett und sägt in unsere Kisten kleine Öffnungen, damit wir da unten einander die Hand halten können.“




