Covid-19, ich erinnere mich gut, oft gab es zu der Zeit Auseinandersetzungen. Wenn wir aber Mitmenschen gedankt haben, die in dieser Zeit wichtige Dienste für uns alle verrichteten, waren wir beieinander. Menschen, die in der Altenpflege arbeiten, bekommen nun neben der sozialen Anerkennung auch mehr Geld. Ich gönne ihnen mehr.
Dank bleibt dennoch wichtig, das Jahresende naht – eine gute Gelegenheit, um mich bei einigen Menschen zu bedanken, auch ohne Pandemie. Ich habe Freunde. Die stehen mir bei, tun mir gut, sind für mich da, selbst nachts um drei Uhr, wenn es nötig ist. Merci. Sie hinterfragen mich und binden um ihre Kritik sogar hübsche Schleifen. Ich hoffe, auch ihnen ein guter Freund zu sein.
Natürlich ist meine Familie mir wichtig, meine Partnerin ist es auch. Sie geben mir einen guten Platz. Ich fühle mich sehr verbunden. Jesus ist Begleiter, meine Gespräche mit Gott, abends am Küchentisch – ich möchte sie nicht missen.
Mein Kiez hier in Charlottenburg am Klausener Platz ist der schönste der Welt! Weil die Menschen freundlich sind, vielfältig, und weil sich hier Menschen in Bündnissen und Initiativen dafür einsetzen, dass das Miteinander lebenswert bleibt. Oft ist das Arbeit, und Geld gibt es meistens nicht dafür. Danke.
Die Geschichten der Alten sind existenziell wichtig
Meine Hausverwaltung ist fair, meine Wohnung ist behaglich. Dass das so ist und bleibt, auch dafür sorgen Menschen. War mal was kaputt, es wurde schnell für Abhilfe gesorgt. Auch bei allen anderen fleißigen Helferinnen und Helfern im Hintergrund möchte ich mich bedanken. Wasser, Strom, Gas, Müllentsorgung – sehr viele machen einen guten Job, damit es mir jeden Tag gut geht.
Bei den älteren Menschen möchte ich mich auch bedanken. Sie haben einen guten Job gemacht, haben sich Jahrzehnte um andere und mich gekümmert. Und nun dürfen sie Geschichten erzählen. Die sind existenziell wichtig – wie es mal war, woher wir kommen –, damit wir davon lernen können. Und eigentlich sollen sie sorgenfrei und unbeschwert leben. Gut wär’s, wenn es so wäre. Die Wirklichkeit ist eine andere.
Kinder sind mir wichtig. Seid ruhig laut, selbst wenn das manchmal nervt. Sicher war ich auch nicht immer leise. Schön, dass ihr da seid – ohne euch wäre es richtig langweilig. Armut: Eigentlich solltet Ihr nicht wissen, was das ist. Verzicht, das ist etwas anderes, das darf man ruhig lernen. Armut dagegen ist eklatanter Mangel.
Was nützt mir mein vermeintliches Wohlergehen, wenn ich doof bin?
Bei etlichen Demonstranten möchte ich mich auch bedanken: Wenn ihr auf den Straßen aneckt, tut ihr das häufig auch für mich. Und manchmal bin ich ja selbst dabei. Gegenüber Entscheidungen der Politik bin ich kritisch distanziert. Nicht alles, was entschieden wird, bekommt meinen Beifall. Deshalb sind die Auseinandersetzungen so wichtig. Politik-Bashing – darauf aber stehe ich nicht, meist ist mein Respekt hier viel zu groß. Danke – hier geben sich viele ein, oft eben auch ehrenamtlich, über Jahre und Jahrzehnte. Und wer etwas Einblick in die Arbeit der Parteien hat: Ein Zuckerschlecken ist das nicht. Gerechte Bezahlung für viel Arbeit und Zeiteinsatz – ein gutes Thema bei anderer Gelegenheit. Gegönnt aber. Der Kassiererin im Supermarkt aber auch.
Ich lese sehr gerne Zeitungen, höre Radio, mache gelegentlich den Fernseher an. Zeitungen, zumindest gedruckt, verschwinden gerade zunehmend. Für gute Recherchen fehlen Zeit und Geld, bei engagierten Berichterstattungen wächst gesellschaftlicher Gegenwind. „Journalist“ – manchmal ist das fast ein Schimpfwort geworden. Dabei sind mir Medien und Informationen so wichtig wie meine Schrippe am Morgen oder ein guter Kaffee. Es sind auf der Welt nämlich gerade viele Betrüger unterwegs. Was nützt mir mein vermeintliches Wohlergehen, wenn ich doof bin? Auch hier – herzlichen Dank.
Es darf ein Trinkgeld sein für meine Postzustellerin, können Süßigkeiten für die Verkäufer in meiner Schlachterei sein, und das kann, muss aber nicht, am Jahresende passieren. Dank aber ist auch eine charmante Währung, verbindet, macht den Alltag leichter. Auch im April – aber wem sage ich das?
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