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Hallo, liebe Leserinnen und Leser, sind Sie noch da? Oder haben Sie zwischendrin, wie ich, innerlich gebrüllt: Bitte aufhören!

So ging es mir neulich auf der Suche nach einem Paket. Mitte Dezember hatte ich Weihnachtsgeschenke an meine Schwester geschickt. Beim Späti (eine Post gibt es nicht mehr) hatte man mir fürsorglich noch empfohlen, das Päckchen gegen Aufpreis als Paket zu verschicken, „dann ist es auch versichert“. Ich bekam allerlei Codes und Zahlen auf einer Quittung und dazu das schöne Gefühl, alles richtig gemacht zu haben.

Das Paket kam natürlich nicht an. Per Code konnte ich online herausfinden, dass es zwar ein Briefverteilzentrum erreicht hatte, danach: nichts mehr. Meine Schwester riet, erstmal abzuwarten. Eine Woche nach Weihnachten rief ich die Hotline von DHL an. Und verbrachte den halben Tag in einer Welt, die offenbar nur erfunden wurde, um mich zu ärgern.

Eine „6“, die ich gern vergeben hätte, war leider nicht vorgesehen

Die Hotline war einer dieser Ja-Nein Automaten, bei denen man Zahlen und Wörter eingeben muss, um weiterzukommen. Ich brauchte drei Versuche brauchte, um auf die Frage, ob ich Privat- oder Geschäftskunde sei, korrekt zu antworten. „Privat“ reichte nämlich als Antwort nicht, das Ding legte einfach auf. Erwartungsvoll (sprich: wütend) blieb ich jedes Mal in der Leitung, um meine Bewertung abzugeben. Aber eine „6“, die ich gern vergeben hätte, war leider nicht vorgesehen. Beim dritten Mal soufflierte mein Gegenüber am Küchentisch süffisant: „Du muss ‚Privatkunde‘ sagen.“ Was mich nur noch wütender machte.

Um es kurz zu machen: Das Onlineformular der Versicherung, das ich auf Anraten der Hotline ausfüllte, hatte einen „Fehler“ und ließ sich nicht senden. Und als ich in einer weiteren Hotline schließlich einen echten Menschen am Telefon hatte, konnte man mir dennoch nicht helfen. Ich tröstete mich schließlich damit, dass ich gern Sachen verschenke. Ich kaufte einfach alles noch mal neu, dankbar, dass ich mir das leisten kann, und verpackte es noch liebevoller als beim ersten Mal. Dieses Paket kam übrigens schon nach 24 Stunden an. Und nein, ich habe diese Leistung der Post danach nicht bewertet.

Anfangs fand ich Bewertungen ja noch sinnvoll. Restaurantbewertungen im Internet zum Beispiel finde ich verständlicher als das lyrische Geschwafel vieler Gastrokritiker. Inzwischen aber hat sich das Verhältnis umgekehrt. Ohne Bewertung kommt man kaum noch durchs Leben. Hotels, Lebensmittelgeschäfte, selbst Dachdecker und Reifenservice wollen bewertet werden. Da reicht kein „Danke“, es muss online sein.

Vielleicht wäre es Zeit für eine App zur Bewertungsbewertung

Besonders absurd wird es bei Anwendungen, bei denen man gar keine Wahl hat. Etwa das E-Mailprogramm des Arbeitgebers, das Buchungssystem für den Arzttermin oder die Apps von Verkehrsbetrieben. Was soll ich sagen? Mir reicht es, wenn ich die Apps verstehe und sie funktionieren.

Vielleicht wäre es Zeit für eine App zur Bewertungsbewertung. Wo werden besonders absurde Fragen gestellt? Von wem bekommt man x nervige Erinnerungsmails, wenn man keine Bewertung abgeben will? Wo kann man gar nicht eingeben, was man wirklich zu sagen hat? Und wo wurde man wieder mal an einen armen (echten) Menschen am Telefon weitergeleitet, an dem man all seinen Frust auslässt – den man gar nicht hätte, wenn man direkt zu ihm verbunden worden wäre?

Das ist das Einzige, was man nicht genug loben kann: Menschliche Empathie. Wenn ich jemanden finde, der intuitiv versteht, was mein Problem ist, ist es schon halb gelöst. Und wenn nicht, habe ich wenigstens des Gefühl, mit dem Problem nicht allein zu sein. Das kann keine App, kein Automat und auch keine KI ersetzen. Oder? Und nein, das war keine Frage, auf die Sie mit einer Zahl antworten müssen.

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