Zelte unter der Hochbahntrasse an der Schönhauser Allee, Campen hinter dem Zeiss-Großplanetarium, Behelfsbehausungen aus Müll vor dem Schwedter Steg: Wer in Prenzlauer Berg lebt, hat Obdachlosigkeit inzwischen ständig vor Augen. Und nicht jeder Nachbar hat für die Schattenseiten des Lebens auf der Straße Verständnis. Das Aufkommen an Anwohnerbeschwerden ist derart gewachsen, dass sich das Bezirksamt Pankow dieses Jahr zu Schwerpunktkontrollen gezwungen sah. Dabei geht es laut Stadträtin Manuela Anders-Granitzki (CDU) um einen schwierigen Spagat zwischen Hilfe für Menschen ohne Zuhause – und dem Wunsch nach geordneten Verhältnissen und sauberen Plätzen.

Donnerstag
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Das Ordnungsamt Pankow habe im Jahr 2024 bisher 40 Einsätze zur Räumung von Obdachlosenlagern durchgeführt, davon 30 im öffentlichen Straßenland und 10 in Grünanlagen, so lautet die bisherige Bilanz. Diese Einsätze beanspruchten insgesamt etwa 90 Stunden und laufen nach einem fest vereinbarten Muster ab: Zunächst bestimmen Mitarbeiter des Außendienstes betroffene Örtlichkeiten. Dann wird ein Meldeverfahren eingeleitet, bei dem alle zuständigen Dienststellen zu informieren sind.
Obdachlose in Berlin-Pankow: Müllaufkommen steigt rasant an
Sozialarbeiter der Berliner Help-Stiftung bieten daraufhin den Obdachlosen Beratung und Vermittlung in Unterkünfte an, die den Menschen ein festes Dach über dem Kopf garantieren. Erst wenn sie diese Hilfe ablehnen, kommt es in Zusammenarbeit mit der Berliner Stadtreinigung (BSR), der Polizei und der Help-Stiftung zur Räumung. Allerdings gibt es noch eine Warnung: Etwa fünf Tage vor dem Termin wird Camp-Bewohnern eine Aufforderung übergeben, den Ort freiwillig zu verlassen.

Bei der Räumung sind dann bis zu drei Mitarbeiter des Ordnungsamts anwesend. Bislang hat die BSR bei Räumungen 2024 etwa 25 Kubikmeter Sperrmüll und Unrat entfernt. Im gesamten Vorjahr wurden etwa 150 Einsatzstunden aufgewendet und rund 35 Kubikmeter Sperrmüll beseitigt. Als Obdachlosen-Hotspots erweisen sich vor allem Orte in Prenzlauer Berg, wie die Schönhauser Allee, der S-Bahnhof Greifswalder Straße und verschiedene Grünanlagen und Stadtplätze wie beispielsweise der Helmholtzplatz oder der Blankensteinpark am Alten Schlachthof.
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Obdachlose haben Chance, ihr Hab und Gut zu retten
Stadträtin Manuela Anders-Granitzki betont, dass Obdachlosigkeit ein schwerwiegendes Problem ist, das in Pankow besonders sichtbar wird. Die Einsätze zielen darauf ab, die zunehmende Müllkonzentration zu bekämpfen, die oft zu Beschwerden von Anwohnern führt. Sie unterstreicht, dass den Betroffenen vor jeder Räumung die Chance bekommen, das illegale Kampieren selbst zu beenden und stattdessen professionelle Hilfe und einen Platz in einer Unterkunft zu erhalten.
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„Selbstverständlich werden den von Obdachlosigkeit betroffenen Menschen Hilfsangebote durch die Berliner Help-Stiftung unterbreitet. Sollten sie diese nicht in Anspruch nehmen, wird vor der Räumung eine ausreichende Frist gesetzt zur Sicherung von persönlichem Hab und Gut“, erklärt Anders-Granitzki. „Auch weiterhin setzen wir uns im Bezirk Pankow sowie in Stadt und Land Berlin ein, um das Problem der Obdachlosigkeit zu lösen und Betroffenen Hilfe anzubieten“.




