Eine Grundschule, eine Kneipe, ja sogar eine Polsterei in Treptow-Köpenick sind nach ihm benannt. Und auch sonst begegnet man der historischen Figur an verschiedenen Ecken im Bezirk – ob als Comic an einer Hauswand oder als Drehorgelspieler in der Altstadt. Sein offizielles Denkmal steht prominent vor dem Rathaus Köpenick, in dessen Innerem sich eine kostenlose Dauerausstellung befindet, die ihm gewidmet ist. Kein Weg führt an ihm vorbei: dem Hauptmann von Köpenick.

Diesen Freitag jährt sich die sogenannte Köpenickiade zum 120. Mal. Am 16. Oktober 1906 gelang dem kriminellen, arbeitslosen Schuster Friedrich Wilhelm Voigt ein Coup, der ihn über die Grenzen Berlins als „Hauptmann von Köpenick“ bekannt machte.
Hauptmann von Köpenick: eine „wunderbare“ und „erzählenswerte“ Geschichte
Auch heute noch ist dieser Hauptmann eine Identifikationsfigur sowie Touristenattraktion für den Bezirk Treptow-Köpenick. „Wir können dem Hauptmann von Köpenick unendlich dankbar sein“, sagt Mathis Richter, der Geschäftsführer des Tourismusvereins Treptow-Köpenick, mit einem Augenzwinkern. Rund um den Globus sei die Geschichte bekannt. Zahlreiche nationale wie internationale Touristinnen und Touristen würden genau wegen dieser historischen Figur den Bezirk besuchen.

Genauso sei der Hauptmann von Köpenick Bildungsthema in vielen Schulen, eine „wunderbare“ und „erzählenswerte“ Geschichte, so Richter. Von ihr könne man auch Parallelen in die heutige Zeit ziehen: „Wir erleben den Kassenraub nahezu täglich, nur auf anderen Bühnen. Dass Kassen unter falschem Mantel geplündert werden, ist auch ein Thema in der Neuzeit.“
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Die Geschichte kurz umrissen: Zusammen mit zehn nichts ahnenden Soldaten ließ Friedrich Wilhelm Voigt am 16. Oktober 1906 den Bürgermeister Georg Langerhans gefangen nehmen und sich den Inhalt der Stadtkasse aushändigen – und verschwand mit den 4000 Mark. Einige Tage später wurde er gefasst und zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Allerdings wurde er bereits 1908 von Kaiser Wilhelm II. begnadigt und kam frei.

Auch die Berliner Morgenpost feierte Schuster Friedrich Wilhelm Voigt für seinen Coup
Schon seine Zeitgenossen feierten Voigt für diesen Streich. Es gab ein riesiges Medienecho auf diesen Raub. Auch die Berliner Morgenpost berichtete damals wohlwollend über den Antihelden. So hieß es in einem Leitartikel: „Dem Gauner darf man die Anerkennung nicht versagen, dass er in seiner Art ein Genie ist.“ Voigt selbst nutzte diese Aufmerksamkeit und verdiente von da an durch seine Auftritte als Hauptmann von Köpenick sein Geld, bis er 1922 verstarb.

Die Geschichte wurde unzählige Male rezipiert: Am bekanntesten ist wohl das Theaterstück „Der Hauptmann von Köpenick. Ein deutsches Märchen in drei Akten“ von Carl Zuckmayer , welches seine Uraufführung im März 1931 am Deutschen Theater hatte, sowie der gleichnamige Film aus dem Jahr 1956, in welchem Heinz Rühmann die Hauptrolle spielte und der auf dem Theaterstück basiert.
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Dass nun durch das 120. Jubiläum der Hauptmann von Köpenick noch mal extra Aufmerksamkeit bekommt, freut Richter. Am Freitag um 19.30 Uhr wird das Musical „Der Hauptmann von Köpenick“ im Altstadttheater Köpenick aufgeführt. Tickets gibt es für 28 Euro beim Altstadttheater, in der Touristinfo am Schlossplatz sowie online bei Eventim. Außerdem wird im Wartesaal des Bürgeramtes im Rathaus ebenfalls am Freitag um 17.45 Uhr der Film „Der Hauptmann von Köpenick“ gezeigt. Es ist der erste Tonfilm über den Hauptmann aus dem Jahr 1931.




