Es ist eine legendäre Geschichte, tausendfach erzählt. Bis heute ist Köpenick dadurch weit über Berlin und sogar über Deutschland hinaus bekannt. Es hat Verfilmungen, Theaterstücke, Musicals und Bücher gegeben. Das Laienensemble Köpenicker Hauptmanngarde spielt die Ereignisse regelmäßig vor Publikum in der Altstadt nach. Der Künstler Achim Purwin brachte ein Comic-Heft für Kinder heraus. Nach seinem Entwurf wurde zudem ein großes Karikatur-Wandbild produziert, das eine Hausfassade an der Wendenschloßstraße schmückt. Die Rede ist vom Hauptmann von Köpenick.
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An diesem Wochenende wird nun das 120. Jubiläum der sogenannten Köpenickiade gefeiert. Und das alles nur, weil ein armer Schuhmacher am 16. Oktober 1906 eine pfiffige Idee und viel Mut hatte. An jenem Tag zog sich der aus Ostpreußen stammende, arbeitslose und kleinkriminelle Friedrich Wilhelm Voigt eine Hauptmann-Uniform vom Trödel an. Zur damaligen Zeit wurde Cöpenick noch mit „C“ geschrieben und war eine eigenständige Stadt. Erst 1920 wurde Cöpenick Teil des damaligen Groß-Berlins.
Der Hauptmann von Köpenick: So ging Schuster Wilhelm Voigt vor
Mit seiner Hauptmann-Uniform gelang es dem Schuster, eine Truppe gutgläubiger Soldaten um sich zu versammeln. So marschierte Friedrich Wilhelm Voigt in das Rathaus, ließ den Bürgermeister Georg Langerhans gefangen nehmen und sich den Inhalt der Stadtkasse aushändigen. Anschließend verschwand er mit den erbeuteten 4000 Mark. Nur zehn Tage später wurde er jedoch verhaftet und später zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Ein ehemaliger Zellengenosse hatte der Polizei einen Tipp gegeben und ihn verraten. Allerdings wurde Voigt bereits 1908 von Kaiser Wilhelm II. begnadigt und kam somit wieder frei.

Die Welt lachte über seinen Streich. Mit seiner durch diesen Coup erlangten weltweiten Bekanntheit und seiner geschickten Selbstvermarktung wurde Voigt zu einem regelrechten Medienstar seiner Zeit. Sein Geld verdiente er, der zuvor bereits 27 Jahre seines Lebens im Gefängnis verbracht hatte, fortan auf legale Weise durch Auftritte als Hauptmann von Köpenick. Später suchte er sich im Ausland eine neue Heimat. 1922 starb er schließlich in Luxemburg im Alter von 72 Jahren. Da war er bereits schwer gezeichnet von einer Lungenerkrankung und infolge von Krieg und Inflation völlig verarmt.
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Kostenlose Dauerausstellung im Rathaus Köpenick über die Ereignisse
Wer heute noch einmal etwas mehr in die Historie eintauchen will, hat dazu im Rathaus Köpenick die Möglichkeit. Im Erdgeschoss ist dort die beliebte, kostenlose Dauerausstellung „Der Hauptmann von Köpenick – Vom Sträfling zur Legende“ zu sehen. Sie zeichnet den Verlauf der Köpenickiade nach. Außerdem zeigt sie, welche Bedeutung militärische Normen und Werte zu jener Zeit hatten. Thematisiert wird auch die sofort nach der Besetzung des Rathauses einsetzende Legendenbildung sowie die Tragikomik der Person Wilhelm Voigt. Geöffnet ist die Ausstellung täglich von 9 bis 20 Uhr.

Anlässlich des 120. Jahrestags der Köpenickiade findet diesen Freitag, 16. Oktober, um 16 Uhr eine Sonderaufführung der Hauptmanngarde im Rathaushof statt – wie immer kostenlos. Im Anschluss wird um 17 Uhr im Rathaus die Ausstellung „Das Rathaus Köpenick – Wahrzeichen in Backstein“ eröffnet. Diese ergänzt die bestehende Ausstellung über den Hauptmann um die Bau- und Nutzungsgeschichte des Köpenicker Rathauses.
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Jubiläum mit Filmvortrag und Musical
Außerdem steht um 17.45 Uhr mit „Der Hauptmann von Köpenick“ von 1931 ein Stück Filmgeschichte auf dem Programm. Es ist der erste Tonfilm über den Hauptmann von Köpenick. Er entstand in den Johannisthaler Ateliers (Jofa). Die Filmwissenschaftlerin Irina Vogt führt in die historische und filmische Bedeutung des Klassikers mit Max Adalbert in der Hauptrolle ein. Die Filmvorführung findet im Wartesaal des Bürgeramts im Rathaus statt.

Zum festlichen Abschluss am Freitag ist um 19.30 Uhr das Musical „Der Hauptmann von Köpenick“ im Altstadttheater Köpenick zu sehen. Die Inszenierung von Regisseur Heiko Stang, der den Hauptmann von Köpenick selbst regelmäßig auf Volksfesten darstellt, erzählt die Geschichte von Wilhelm Voigt mit Musik und historischen Bildern neu. In der Hauptrolle ist Maximilian Nowka zu sehen. Tickets dafür kosten 28 Euro und sind beim Altstadttheater, in der Touristinfo am Schlossplatz sowie online bei Eventim erhältlich.
Wasserschaden im Rathaus Köpenick als Spielverderber für Jubiläumsball
Eigentlich war geplant, dass die Uraufführung des Kammermusicals frei nach der Autobiografie von Wilhelm Voigt zum 120. Jubiläum im historischen Ratssaal stattfindet. Durch einen Wasserschaden im Rathaus Köpenick, zu dem es Mitte August infolge eines Montagefehlers an der Sprinkleranlage kam, steht dieser jedoch für längere Zeit nicht mehr für Veranstaltungen zur Verfügung.
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Das ist auch der Grund, warum der für Samstag geplante „Cöpenicker Jubiläumball“ nicht stattfinden kann. Der Tourismusverein Treptow-Köpenick und das Altstadtcafé Cöpenick wollten zu einem Tanzabend mit historisch-adaptierter Ballkleidung einladen. Dazu sollte das Köpenicker Pickelhauben-Orchester spielen. Der bereits begonnene Kartenverkauf musste infolge des Wasserschadens jedoch gestoppt werden. Das Event fällt ersatzlos aus.
In Zukunft ist die Hauptmann-Skulptur mit einer Audiodatei verknüpft
Dafür gibt es am Samstag allerdings die Möglichkeit, um 11 Uhr noch einmal die Hauptmanngarde bei einer Aufführung im Rathaushof zu sehen. Zum Abschluss des Jubiläumswochenendes wird das Musical von Heiko Stang am Sonntag, 18. Oktober, um 18 Uhr noch einmal im Altstadttheater aufgeführt. Dieser Termin ist aber bereits ausverkauft.

Darüber hinaus wird die Geschichte des Hauptmanns von Köpenick pünktlich zum Jubiläum auch zum Anhören angeboten. An der vom armenischen Bildhauer Spartak Babajan geschaffenen Hauptmann-Skulptur vor dem Rathaus können Besucher in Zukunft eine rund dreiminütige Audiodatei per QR-Code abrufen. Die Geschichte steht auf Deutsch und Englisch zur Verfügung und vermittelt kurz und anschaulich die Hintergründe der berühmten Köpenickiade.






