Es ist ein kalter Wintertag in Berlin. Vor dem Eingang zum Rathaus Köpenick sollen Fotos von Romano mit der Skulptur des Hauptmanns von Köpenick gemacht werden. Der Sänger und Rapper ist gerade erst um die Ecke gebogen, ein kurzes Hallo, da kommt auch schon ein begeisterter Passant auf ihn zu. Romano begrüßt ihn wie einen alten Freund, auch wenn er ihn, wie er später sagt, nicht kennt. Es gibt eine freundliche Umarmung, einen kurzen Plausch und ein Selfie, dann ist der Mann auch schon wieder weg.
Keine Frage, Roman Geike, wie Romano bürgerlich heißt, hat es zu einer gewissen Bekanntheit gebracht – vor allem durch seinen Song „Köpenick“. Seit er 2015 diese Hymne über seinen Heimatbezirk veröffentlicht hat, kann er von seiner Musik leben und muss nicht mehr wie früher in Druckereien und Copyshops arbeiten. Dass ihn auch deshalb immer wieder Menschen auf der Straße ansprechen, findet er schön. „Daran sehe ich ja auch, dass die Kunst, die ich mache, bei den Menschen ankommt“, so der 48-Jährige.

„Ich komme immer wieder mit den Leuten nett ins Gespräch und habe das große Glück, dass die meisten Menschen sehr positiv mir gegenüber sind.“ Nur in den seltensten Fällen erlebe er mal „irgendwas Abfälliges oder Übergriffiges“, wenn zum Beispiel jemand vor ihm stehe und versuche, ein Foto von ihm zu machen. In diesen Momenten denke er sich: „Frag mich doch! Wir können doch zusammen aufs Foto.“ Er sei diesbezüglich sehr offen und locker.
Romano: Drittes Hip-Hop-Album nach längerer Pause und Konzerttour
Nach „Jenseits von Köpenick“ (2015) und „Copyshop“ (2017) hat Romano, der in Vergangenheit auch schon Techno-, Metal- und Schlagermusik gemacht hat, kürzlich sein drittes Hip-Hop-Album herausgebracht. Für ihn ist es nach „Vulkano Romano“ (2023), dessen Stil er als „Edel-Pop“ bezeichnet, eine Rückkehr zum Sprechgesang nach einer zwischenzeitlichen Phase, in der er „gar keinen Bock zu rappen“ hatte.
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Am 20. Februar veröffentlichte er das Album „Körper“, auf dem er sich in jedem einzelnen Song einem anderen Körperteil widmet, darunter Zunge, Ohren und Nase, aber auch Arsch und Penis. Ebenfalls mit auf dem Album: ein Lied mit dem Titel „Zöpfe“, passend zu Romanos Frisur aus langen, blonden Zöpfen, die zu seinem Markenzeichen geworden sind. Die Idee zu diesem ungewöhnlichen Album kam ihm im Gespräch mit seinem Produzenten „Siriusmo“.

Im März geht Romano mit „Körper“ direkt auf Konzerttour durch Deutschland, die am 23. März im „SO36“ in Berlin endet. Ihm ist es wichtig, mit dem neuen Album den Leuten etwas zu bieten. Deshalb will er sie mit einer komplett neuen Show für zwei Stunden in seine Fantasiewelt entführen. „Ich bin sehr gespannt, wie das wird. Es ist immer auch eine Herausforderung, wenn du mit neuen Sachen auf die Bühne gehst“, meint er. Natürlich wird er aber auch seine bekanntesten Songs wie „Klaps auf den Po“, „Metalkutte“ und „Köpenick“ performen.
In Köpenick aufgewachsen und bis heute hier geblieben
Seiner Heimat Köpenick ist Romano immer treu geblieben. Aufgewachsen in Spindlersfeld, lebte er als Kind mit seinen Eltern zunächst in der Glienicker Straße, wo er auch zur Schule ging. Seit damals ist er etliche Male innerhalb des Bezirks umgezogen – und wohnt heute in Hirschgarten. Was er an Köpenick schätzt, ist, dass es hier in vielen Kiezen noch einen guten Querschnitt der Gesellschaft gibt. „Ich hoffe, dass uns das noch lange erhalten bleibt.“
Ich habe ein Herz für historische Bauten und überhaupt Geschichte.
Romano, Rapper und Sänger
Die Altstadt ist dabei sein Lieblingsort. Hier fühlt er sich zu Hause. „Weil du hier alles gebündelt hast“, wie er erklärt. „Ich hätte auch sagen können: Die Bölschestraße ist wunderschön. Die hat sich über all die Jahrzehnte erhalten als ein ganz tolles Idyll, was es so eigentlich fast gar nicht mehr gibt, mit kleinen Geschäften und so weiter. Das hast du in der Altstadt auch noch. Und in der Altstadt hast du auch das Schloss.“
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Auf einen Erdbeerkuchen mit Kaffee und Sekt ins Altstadtcafé Cöpenick
Den Schlossgarten und die gesamte Atmosphäre auf der Schlossinsel mag Romano sehr. „Ich bin gerne am Schloss. Das ist toll, dass wir überhaupt ein Schloss haben.“ Doch Köpenick habe noch viel mehr historische Geschichten zu bieten. „Das Rathaus ist ja auch, allein schon durch den Hauptmann, legendär geworden“, so Romano. „Ich habe ein Herz für historische Bauten und überhaupt Geschichte“, erzählt er, als wir nach einem kurzen Abstecher auf die Schlossinsel im Altstadtcafé Cöpenick an einem Tisch am Fenster Platz nehmen.

„Irgendwann bin ich hier mal so auf gut Glück rein. Ich wusste von gar nichts“, erinnert er sich an den Tag, als er das Café für sich entdeckte. Was er in dem Moment dachte, als er das erste Mal durch die Tür kam? „Ist ja krass. Das sieht ja eigentlich aus wie so eine Zeitreise.“ Durch die Häubchen, die das Personal im Altstadtcafé trägt, und den „ganzen Look der Innenausstattung“ fühlte er sich direkt ins Jahr 1900 zurückversetzt. „Ich mag ja das Nostalgische“, betont Romano – und nennt als weiteres Beispiel dafür das nahegelegene Restaurant „Zur Alten Laterne“.
„Ich finde das ganz toll, wenn man sich einfach mal kurz aus dem Alltag rausgezogen fühlt.“ Das sei im Altstadtcafé der Fall. „Und das macht’s so magisch.“ Wenn dann im Hintergrund vielleicht noch eine alte Schellackplatte laufe, könne er sich so richtig „wegtragen“ lassen. „Das mag ich sehr, und deswegen bin ich immer wieder gern hier, so alle zwei Monate“, berichtet er. „Und dann gibt’s einen Erdbeerkuchen, wenn der da ist, mit Schlagsahne, dann vielleicht auch noch einen Filterkaffee oder Cappuccino und ganz gerne auch manchmal einen Sekt. Der soll ja als Mischung mit einem Kaffee zusammen magisch wirken“, erklärt Romano. „Ja, das schießt einen doppelt hoch.“
Jugendweihe im Ratskeller im Rathaus Köpenick gefeiert
Daneben schwärmt er auch für andere Locations in der Gegend. So sei er ab und zu auch im „Milchkaffee“ und immer wieder gern im „Ratskeller“. Dieser habe „etwas Rustikales“. „Ich habe da auch meine Jugendweihe damals gefeiert. Für mich ist das sozusagen ein Bezugspunkt. Die machen auch gutes Essen dort.“

Der Luisenhain hat es Romano ebenfalls angetan. „Im Frühjahr, Sommer und Herbst erstrahlt das ja auch zu einer totalen Schönheit“, sagt er – und meint damit die Dampferanlegestelle, das Spazierengehen an der Promenade mit Wasserblick und die Möglichkeit, auf der Terrasse eines der Cafés und Restaurants zu sitzen. Bereits als Kind habe er dort Pückler-Eis gegessen. „Das ist schon echt toll.“
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Mit seinem Köpenick-Song hat Romano erreicht, dass viele Berliner Köpenick überhaupt erst so richtig wahrgenommen haben, inzwischen sogar hier wohnen und auch nicht mehr wegwollen. „Das ist echt faszinierend“, so Romano. „Diese Schönheit wird erst realisiert, wenn man dann wirklich mal vor Ort war.“





