Als Carlo Carluccio die naheliegende Frage gestellt bekommt, was eigentlich ein gutes Filmplakat ausmacht, ist er zum ersten Mal für einen Moment sprachlos. „Das kann ich gar nicht so beantworten. Vielleicht entwickeln sich solche Motive erst im Laufe der Zeit. Ich glaube, das ist wie ein guter Wein, der auch erst reifen muss“, sagt er nach einigen Sekunden Bedenkzeit. Er selbst ist als Filmdisponent vom Kino Union in Friedrichshagen ein großer Filmfan und hatte zu Filmplakaten schon immer eine besondere Beziehung.

Nun lädt das Filmtheater in der Bölschestraße 69 an diesem Sonntag (23. November), dem Europäischen Kinotag, von 14 bis 18 Uhr zum ersten Plakate-Flohmarkt ein. Etwa 1000 Filmplakate (ab einem Euro), außerdem 30 Banner (fünf Euro) sowie 15 Pappaufsteller (zehn Euro) werden dabei angeboten. Bei dem Großteil handelt es sich um Plakate von Filmen der vergangenen zwei Jahre. Ältere entsorgt das Kino aus Platzgründen stets.

Kino Union: Das soll mit den Einnahmen des ersten Plakate-Flohmarkts geschehen

Vereinzelt sind aber auch Plakate von ein paar Klassikern darunter, die Carlo Carluccio ganz bewusst aufgehoben hat, zum Beispiel „Sieben“ oder „Das Boot“. Das Kino Union will mit dem Verkauf kein Geld verdienen, sondern einfach wieder den Schrank im Keller leeren, wo die Plakate lagern. Die Einnahmen werden gespendet an das Kinderhospiz Berliner Herz.

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Carlo Carluccio hatte die Idee zu dem Plakate-Flohmarkt, auch weil immer wieder Gäste danach fragen, ob sie vielleicht ein Plakat bekommen könnten. Sofern welche übrig bleiben, gebe das Personal diese auch gern kostenlos raus, erzählt er. Der 46-Jährige arbeitet seit 2017 im Kino Union. In den ersten zwei Jahren kümmerte er sich vor allem um den Auftritt des Kinos in den sozialen Medien und organisierte kleinere Veranstaltungen.

In Friedrichshagen beliebt: deutsche Komödien und Filme mit DDR-Bezug

Ab 2019 dann stellte er gemeinsam mit Inhaber Matthias Stütz das Programm zusammen. Seit der Corona-Pandemie ist der gelernte Veranstaltungskaufmann, der aus Detmold stammt und seit 2016 in Berlin lebt, dafür als Filmdisponent allein verantwortlich. Außerdem betreut er die Technik. „Wir können uns aussuchen, was wir spielen“, betont er. Die zehn bis 15 Kinofilme, die jede Woche in Deutschland herauskommen, kann das Kino Union nicht alle zeigen. Was gerade in Friedrichshagen gut ankommt, sind ihm zufolge deutsche Komödien und Filme, die die DDR thematisieren.

Filmplakate-Flohmarkt im Kino Union
Das Kino Union in der Bölschestraße in Friedrichshagen lädt zum ersten Plakate-Flohmarkt ein. Filmdisponent Carlo Carluccio war schon immer begeistert von Filmplakaten. „Zurück in die Zukunft“ ist einer seiner absoluten Lieblingsfilme.© FUNKE Foto Services | Reto Klar

„Wir spielen nicht nur reines Arthouse, sondern versuchen immer, einen Blockbuster im Programm zu haben.“ Regelmäßig nimmt das Kino Union auch mal einen Filmklassiker ins Programm auf, zum Beispiel „Das Schweigen der Lämmer“. „Da kommen auch junge Leute, die diese Filme noch nie gesehen haben“, so Carlo Carluccio. Oft sei der Saal dann sogar ausverkauft.

Wie Carlo Carluccio selbst zum Sammler von Filmplakaten wurde

Bereits während seiner Schulzeit in den 90er-Jahren hat der begeisterte Cineast drei Jahre lang in einem Kino gejobbt. Damals, in seiner Jugend, fing er an, selbst Filmplakate zu sammeln. Durch seinen Job hatte er direkten Zugang. Außerdem las er die Zeitschrift „Bravo“, die auch immer wieder Plakate zum Aufhängen enthielt. 300 bis 400 Plakate, so schätzt er, habe er zwischenzeitlich besessen. „Mein ganzes Kinderzimmer war voll.“ Die Poster klebte er mit Tesafilm an die Wände.

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Sein Lieblingsplakat damals war das zum Actionfilm „Speed“ mit Keanu Reeves, Dennis Hopper und Sandra Bullock. Als der Film 1994 rauskam, war er noch keine 16 Jahre alt und durfte diesen deshalb nicht im Kino sehen. Das Filmplakat wollte er aber unbedingt haben, weil er, wie er sagt, damals in die Schauspielerin Sandra Bullock verliebt war. Fünf Mark wollte er dafür ausgeben. Am Ende musste er aber sogar 20 Mark hinblättern. „Das war das einzige Filmplakat, für das ich je Geld ausgegeben habe“, berichtet er. Den Job im Kino hatte er zu dem Zeitpunkt noch nicht.

Als er zu Hause auszog, trennte er sich schließlich von sämtlichen Filmplakaten. Allesamt landeten sie in der Tonne. Die Leidenschaft dafür ist bei Carlo Carluccio jedoch nie ganz verschwunden. Auch in seiner heutigen Wohnung hängen drei Filmplakate fein säuberlich eingerahmt als Dekoration: von „Lola rennt“, „Heat“ und „Zurück in die Zukunft“. Letzterer ist einer seiner absoluten Lieblingsfilme.

Eine Ikone unter den Filmplakaten: „Der weiße Hai“ von Steven Spielberg

Das für ihn „ikonischste“ Filmplakat ist allerdings das von „Der weiße Hai“ aus dem Jahr 1975. Das Motiv, das eine Frau beim Schwimmen im Meer zeigt, während sich von unten ein riesiger Hai mit aufgerissenem Maul nähert, dürfte jeder kennen, der sich auch nur ansatzweise für Filme interessiert. Eigentlich aber, so erzählt Carlo Carluccio, ist dieses Motiv ein Buchcover gewesen. Regisseur Steven Spielberg habe es bei der Verfilmung des gleichnamigen Romans einfach übernommen.

Kinderwagenkino - Kino für Eltern mit Kinderwagen
Das große Banner an der Fassade des Kinos Union in der Bölschestraße wird jede Woche ausgetauscht.© FUNKE Foto Services | Jörg Carstensen

Auch heute seien Filmplakate noch immer von Bedeutung. Selbst jeder Netflix- oder Amazon-Prime-Film verfüge mittlerweile über ein „gewisses Artwork“. Einer der Gründe: Die Streaming-Anbieter müssen ihre Eigenproduktionen zumindest für kurze Zeit im Kino laufen lassen, damit sie bei den großen Filmpreisen Berücksichtigung finden.

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Drei bis fünf Plakate im DIN-A1-Format erhält das Kino Union jede Woche pro Film von den jeweiligen Verleihern. Diese sind dann beispielsweise eingerahmt im Foyer zu sehen. Hinzu kommen einzelne Exemplare in DIN-A0-Format sowie zwei Außenbanner. Eines ist fünf Meter breit und drei Meter lang und wird an der Fassade angebracht. Dieses besonders große Sonderformat wird von den Verleihern extra produziert – entweder auf Anfrage des Kinos oder weil der Verleiher beim Kino selbst den Bedarf dafür erfragt. Manchmal kommt es laut Carlo Carluccio auch vor, dass zu älteren Filmen noch einmal neue Plakate von den Verleihern produziert werden, zum Beispiel anlässlich besonderer Filmreihen oder bei Jubiläen.