Die Tat hatte für Aufregung gesorgt: Am 19. März dieses Jahres stach der 31-jährige Frank P. seine ehemalige Lebensgefährtin im Ortsteil Johannisthal im Berliner Bezirk Treptow-Köpenick im Treppenhaus einer Kita nieder. Ihre gemeinsame, erst fünf Jahre alte Tochter stand entsetzt daneben.

Ein Moabiter Schwurgericht verurteilte den Angeklagten am Dienstag zu viereinhalb Jahren Haft. Richter Thomas Heymann sagte, dass die Gegenwart der kleinen Tochter den Angeklagten wohl noch von Schlimmerem abgehalten habe. Mehrere Zeugen, darunter Väter anderer Kita-Kinder, hätten die Attacke auf die 25-jährige Sandra K. beobachtet. Aber keiner habe gewagt, Frank P. konsequent aufzuhalten. Der Beschluss, die Frau nicht zu töten, sei von ihm selbst gekommen, sagte der Richter: „Er hat plötzlich das Kind gesehen und aufgehört.“

In der Konsequenz habe das Schwurgericht den Angeklagten nur wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilen können, so Heymann. Die Staatsanwaltschaft hatte Frank P. wegen versuchten Totschlags angeklagt. In das Urteil eingeschlossen wurde eine besonders schwere Vergewaltigung, die Sandra K. im Oktober 2013 erleiden musste. Der Angeklagte hatte sich vor Gericht zu beiden Taten bekannt und bereit erklärt, Sandra K. ein Schmerzensgeld von 8000 Euro zu zahlen. Verteidiger Mirko Röder sprach von „einem blauen Auge“, mit dem sein Mandant davongekommen sei. Er gehe davon aus, dass Frank P. den Richterspruch annehmen wird.

Anlass für das doch recht milde Urteil war die Einschätzung eines Psychiaters, der Frank P. für beide Taten eine verminderte Schuldfähigkeit attestierte. Frank P. und Sandra K. hatten sich 2006 bei einem berufsvorbereitenden Lehrgang kennenlernte. 2008 wurde ihre Tochter geboren. Anfangs sei alles gut gelaufen und sogar von Heirat die Rede gewesen, hatte Sandra K. vor Gericht ausgesagt.

Ein dubioser Pakt

Der Lebensgefährte habe sich jedoch verändert, habe sie zunehmend vereinnahmt und von Freunden fern gehalten, so die Frau. Die Situation habe sich dramatisch zugespitzt, als sie sich in einen ehemaligen Schulkameraden verliebte. Sie sei mit diesem Mann jedoch nie eine sexuelle Beziehung eingegangen. Frank P. habe das nicht geglaubt und äußerst aggressiv reagiert. Er habe den Schulfreund zusammengeschlagen, gewürgt und mit dem Tode bedroht, falls er seine Familie nicht in Ruhe lasse. Auch sie sei von ihm geschlagen und bedroht worden, sagte Sandra K. Das habe schließlich auch dazu geführt, dass Frank P. im August 2013 die gemeinsame Wohnung verlassen habe.

Der psychiatrische Gutachter ging davon aus, dass der in schwierigen Verhältnissen aufgewachsene Frank P. durch den Verlust der von ihm ersehnten Familie in ein „Gefühlschaos“ geraten sei. Dazu gehöre auch ein dubioser Pakt, den das eigentlich schon getrennt lebende Paar abschloss: Frank P. forderte von Sandra K., ihm als Wiedergutmachung für die zerstörte Beziehung fünf Tage lang sexuell tabulos zur Verfügung zu stehen. Die Frau ging darauf ein. Der Psychiater wertete das „als Versuch einer ritualisierten Lösung einen Konflikts“ durch zwei „schwache, unreife, überforderte Personen“.

Sandra K. hielt diesen Pakt nur drei Tage aus und begab sich anschließend entnervt in therapeutische Behandlung. Als Frank P. die restlichen beide Tage einfordern wollte und ihr drohte, zeigt sie ihn an. Das führte zum endgültigen Bruch und schließlich zu der blutigen Attacke in der Kita.