Prozess

Messerattacke in Kita – Angeklagter gesteht vor Gericht

Frank P. hat seine Freundin im Beisein der gemeinsamen Tochter lebensgefährlich verletzt. Er habe „rotgesehen“, hieß es in einer von seinem Verteidiger verlesenen Erklärung.

Foto: S.Pletl

Im Prozess um einen Messerangriff auf eine 27-Jährige in einer Kita im Ortsteil Johannisthal hat der Angeklagte ein Geständnis abgelegt. Der 31-jährige Frank P. war mit der Trennung von seiner damaligen Lebensgefährtin Sandra K. nicht fertig geworden und hatte ihr schon Wochen vor der Tat nachgestellt. Am 19. März 2014 lauerte er Sandra K. in einem Park in Johannisthal auf, bedrohte sie und verfolgte sie bis in die Kita, wo sie die gemeinsame Tochter abgeben wollte. In der Kita begann er im Beisein der Tochter unvermittelt auf Sandra K. einzustechen.

„In mir kam alle angestaute Wut hoch. Ich habe rotgesehen“, hieß es in einer von seinem Verteidiger Mirko Röder verlesenen Erklärung. An Details könne er sich aber nicht mehr erinnern. „Ich weiß nur noch, dass ich meine Tochter gesehen habe und dann gegangen bin.“ Er wolle die ehemalige Lebensgefährtin „um Vergebung bitten“, hieß es. Er „verabscheue sich“ und sei gleichzeitig „absolut ratlos“.

Die junge Frau erlitt schwere Verletzungen am Kopf und im Gesicht. Die Anklage geht von versuchtem Totschlag aus. Zudem soll Frank P. seine ehemalige Partnerin im Oktober 2013 in seine Wohnung gelockt und vergewaltigt haben.

Sandra K. sagte vor Gericht, dass sie Frank P. im Jahr 2006 bei einem berufsvorbereitenden Lehrgang kennenlernte. Ein Jahr später waren sie ein Paar, 2008 wurde die Tochter geboren. Anfangs sei alles gut gelaufen und sogar von Heirat die Rede gewesen. Frank P. habe sich jedoch verändert, habe sie zunehmend vereinnahmt und behauptet, dass die gemeinsamen Freunde sie nicht mögen und „für dumm halten“, so die Zeugin.

In ehemaligen Schulkameraden verliebt

Die Situation habe sich dramatisch zugespitzt, als sie sich in einen ehemaligen Schulkameraden verliebte, mit dem sie jedoch nie eine sexuelle Beziehung eingegangen sei. Frank P. habe das nicht geglaubt und äußerst aggressiv reagiert. Er habe den Schulfreund zusammengeschlagen, gewürgt und mit dem Tode bedroht, falls er seine Familie nicht in Ruhe lasse.

Auch sie sei von ihm geschlagen und bedroht worden, sagte Sandra K. Zudem habe er sie „permanent unter Druck gesetzt“ und versucht, ihr „ein schlechtes Gewissen zu machen“. Sie habe die kleine Familie dennoch zunächst noch retten und vor allem die kleine Tochter schützen wollen, sagte die junge Frau. Deswegen habe sie auch Frank P.s sexuellen Wünschen immer wieder nachgegeben.

Als er von ihr forderte, fünf Tage sexuell tabulos zur Verfügung zu stehen, habe sie das erniedrigende Prozedere jedoch am dritten Tag abgebrochen und sich entnervt in eine stationäre Therapie begeben.

Das war der endgültige Bruch. Sandra K. war inzwischen auch in eine eigene Wohnung gezogen. Frank P. habe ihr aber weiterhin nachgestellt und sie zu Treffen aufgefordert, sagte sie. Und als sie auch seine SMS nicht beantwortete, habe er ihr im Park mit dem Messer aufgelauert.

Der Prozess wird fortgesetzt.