Schutz

Opfer von häuslicher Gewalt erhalten Hilfe in der Charité

In der neuen Gewaltschutzambulanz der Charité können Gewaltopfer jeden Alters und Geschlechts Verletzungen rechtsmedizinisch untersuchen und dokumentieren lassen. Die Untersuchung ist kostenlos.

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Frakturen, Hämatome, Verbrennungen und Stichwunden – wer Opfer von Gewalt geworden ist und Hilfe benötigt, dies jedoch nicht bei der Polizei anzeigen möchte, bekommt Hilfe in der Charité. Die neue Gewaltschutzambulanz soll eine Anlaufstelle für Betroffene unabhängig von Alter und Geschlecht sein, um erlittene Verletzungen rechtsmedizinisch untersuchen und gerichtsfest dokumentieren zu lassen.

„Ich freue mich sehr, dass wir mit der ersten Berliner Gewaltschutzambulanz den Opferschutz in der Stadt weiter stärken können“, sagte Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) bei der Vorstellung des Angebots am Montag im Roten Rathaus. Er hoffe, vor allem das Tabuthema häusliche Gewalt ein Stück weit aus dem Dunkelfeld heraus zu holen.

15.800 Fälle von häuslicher Gewalt

Opferschutz sei eine Aufgabe, die alle angehe und nie „erledigt“ sei, so Heilmann, der auch einige Zahlen präsentierte. 2012 gab es in Berlin knapp 500 Fälle von Misshandlung von Schutzbefohlenen Kindern, knapp 15.800 Fälle häuslicher Gewalt und 13.000 Ermittlungsverfahren. Finanziert wird die Gewaltschutzambulanz von der Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz mit 150.000 Euro.

Derzeit ist die Gewaltschutzambulanz am Institut für Rechtsmedizin der Charité in Moabit angegliedert. Ziel ist es jedoch, binnen der kommenden zwei Jahre in einen eigenen Bereich im Campus Virchow-Klinikum in Wedding zu ziehen. „Wir wollen uns dort etablieren, wo es die meisten Probleme mit Gewaltopfern gibt – das ist von unseren Standorten eindeutig das Virchow-Klinikum“, sagte Ulrich Frei, Ärztlicher Direktor der Charité. Die Baukosten dafür würden bei eineinhalb bis zwei Millionen Euro liegen, die Finanzierung ist noch unklar.

Untersuchung ist kostenlos

In der Gewaltschutzambulanz werden Opfer häuslicher Gewalt behandelt, Verletzungen nach Gewaltdelikten sowie Kindesmisshandlungen. „Gewalt zieht sich durch alle Schichten. Am häufigsten kommen zu uns jedoch Frauen, die von ihrem Mann geschlagen wurden und die Gewalt dokumentieren lassen möchten, ohne jedoch die Polizei sofort einzuschalten“, sagte Michael Tsokos, Ärztlicher Leiter der Gewaltschutzambulanz. Im Unterschied zur Behandlung eines Hausarztes könne die neue Opferhilfe Anzeichen von Gewalt wie beispielsweise Griffspuren oder Entkleidungsverletzungen besser erkennen.

Nach der rechtsmedizinischen Untersuchung wird abgeklärt, ob weiterer Beratungsbedarf besteht. Durch die Kooperation mit den Berliner Netzwerken gegen Gewalt können Betroffene und ihre Familien an Partner-Einrichtungen wie LARA, Weißer Ring oder die Initiative gegen Gewalt an Frauen (BIG) vermittelt werden.

Auch telefonische Beratung möglich

Die Betreiber der Gewaltschutzambulanz empfehlen, vorab einen Termin zu vereinbaren, die Untersuchung selbst ist kostenlos. Eine Beratung per Telefon ist ebenfalls möglich. Die telefonische Sprechstunde ist unter 450 570 270 wochentags von 8.30 bis 15 Uhr erreichbar, Untersuchungen vor Ort in der Birkenstraße 62 in Moabit sind Montag, Mittwoch und Freitag von 8 bis 12 Uhr sowie Dienstag und Donnerstag von 12 bis 16 Uhr möglich.

„Meist bekommen Hilfesuchende am gleichen oder am nächsten Tag einen Termin“, sagte Saskia Etzold, stellvertretende Leiterin der Gewaltschutzambulanz. Opfer von Gewalt sollten sich für eine Dokumentation nicht zu viel Zeit lassen, da viele Verletzungen nach ein bis zwei Wochen häufig nicht mehr sichtbar seien.