In Berlin-Marienfelde hat sich in der Nacht zu Mittwoch ein besonders schlimmer Fall von häuslicher Gewalt ereignet. Das Opfer, eine 34-jährige Frau, musste schwer verletzt in ein Krankenhaus eingeliefert werden, der mutmaßliche Täter stellte sich wenige Stunden nach der Tat auf einem Polizeiabschnitt. Er wurde vorläufig festgenommen und soll am Donnerstag einem Ermittlungsrichter zum Erlass eines Haftbefehls vorgeführt werden.

Nach bisherigem Ermittlungsstand kam es am frühen Mittwochmorgen gegen 1.20 Uhr zu dem gewalttätigen Übergriff in der Wohnung des Opfers an der Marienfelder Allee. Kurze Zeit später ging bei der Polizei der Alarmruf ein. Als die ersten Beamten die Wohnung der 34-Jährigen betraten, bot sich ihnen ein erschreckendes Bild. Die Frau lag, durch mehrere Messerstiche verletzt, blutüberströmt am Boden. Ebenfalls im Raum befanden sich die beiden sechs und zehn Jahre alten Kinder des Opfers.

Nach ersten Erkenntnissen hätten die Kinder während der Tat glücklicherweise geschlafen und die brutale Tat somit nicht mitbekommen, sagte ein Polizeisprecher. Die beiden Kinder wurden auf Wunsch der Mutter einem Bekannten der Familie übergeben, bei dem sie zunächst bleiben.

Hintergründe der Tat derzeit noch unklar

Ebenfalls alarmierte Rettungskräfte der Feuerwehr brachten das Opfer nach einer Erstversorgung in der Wohnung in ein Krankenhaus. Dort wurde es sofort notoperiert. Entgegen ersten Meldungen habe bei dem Opfer zu keiner Zeit Lebensgefahr bestanden, sagte der Polizeisprecher weiter. Vor dem Abtransport konnte die trotz der zahlreichen Stichwunden ansprechbare Frau den Ermittlern der inzwischen eingetroffenen Kriminalpolizei noch einen Hinweis auf den Täter geben. Daraufhin wurde eine Fahndung nach dem 58 Jahre alten Ex-Lebensgefährten der Frau und Vater der beiden Kinder eingeleitet.

Am frühen Vormittag gegen 7 Uhr erschien der Mann auf einem Polizeiabschnitt in Schöneberg und stellte sich. Ein Fachkommissariat der Polizeidirektion 4 (Südwest) ermittelt jetzt gegen ihn wegen gefährlicher Körperverletzung.

Die Hintergründe der Tat sind derzeit noch unklar. Offenbar war der Messerattacke ein heftiger Streit zwischen Täter und Opfer vorausgegangen. Warum der Mann sich in der Wohnung seiner Ex-Freundin aufhielt, konnte die Polizei am Mittwoch noch nicht sagen.

Nach Angaben von Nachbarn hatten sich der 58-Jährige und die 34-Jährige bereits vor ihrer Trennung häufig lautstark gestritten. Nach anderen Aussagen von Nachbarn soll der Mann die Trennung nicht verkraftet haben und extrem eifersüchtig gewesen sein. Immer wieder sei er bei der 34-Jährigen aufgetaucht, um sie zur Wiederaufnahme der Beziehungen zu bewegen.

Die Polizei wollte diese Angaben am Mittwoch zunächst nicht bestätigen. „Die Ermittlungen stehen erst am Anfang, und es gibt viele Spekulationen, zu denen wir uns grundsätzlich nicht äußern“, sagte ein Beamter.