Eine Traditionsfirma sieht grün. In den Späth’schen Baumschulen in Berlin stehen Tausende Gehölze, Sträucher, Kräuter und Frühjahrsblüher für Hobbygärtner und Gartenbetriebe bereit. Zum offiziellen Auftakt der Saison gibt es an diesem Sonnabend eine Schau mit 250 Tulpensorten aus aller Welt. Außerdem bitten original gekleidete Spreewälderinnen zum „Ostereiermalen in sorbischer Tradition“. Und gleich nebenan: eine Ausstellung des sorbischen Ostereiermuseums. Zum botanischen Malen und Zeichnen bittet die Malerin Cordula Kerlikowski und zeigt in den Späth’schen Baumschulen entstandene Werke.

Viele Besucher werden in der historischen Anlage erwartet, die sich vor 150 Jahren dort ansiedelte. „Wir punkten mit guter Beratung und bester Auswahl von Pflanzen“, sagt der rastlose Geschäftsführer Holger Zahn. Er ist froh, dass die wohl älteste produzierende Firma Berlins nach schwierigen Jahren wieder auf einen grünen Zweig gekommen ist: „Jetzt geht es aufwärts.“

1720 von Christoph Späth gegründet, stieg der mehrmals umgezogene Familienbetrieb Anfang des 20. Jahrhunderts zur europaweit größten Baumschule auf, wie Archivar Karl-Heinz Pohl erläutert. Die Firma war prägend: Stadtteil und S-Bahn-Station wurden Baumschulenweg genannt, der Standort Späthstraße.

Bismarck verewigte sich in Späth’schen Baumschulen

Die Baumschule galt als gute Adresse. Der 74-Jährige zeigt auf einen Eintrag im alten Besucherbuch: 1884 verewigte sich Reichskanzler Otto von Bismarck. Auch die historischen Referenzen lesen sich beeindruckend: Dazu zählen der Schlossgarten Sanssouci, der Dachgarten auf dem Berliner Warenhaus Karstadt, der Urnenfriedhof der Luisenstädtischen Kirchengemeinde Berlin oder der Sanatoriumsgarten auf der Margareteninsel (Budapest). Ein anderes Kapitel mahnt: Auf den Stufen zum Verwaltungsgebäude erinnert ein Stolperstein an den sechsten Firmeninhaber Hellmuth Späth, der im Konzentrationslager Sachsenhausen erschossen wurde.

Geschäftsführer Zahn hat mit derzeit 50 Mitarbeitern stets nach Wegen gesucht, das 1997 an eine Späth’sche Erbengemeinschaft reprivatisierte Unternehmen fit zu machen und großen Märkten Paroli zu bieten. Ursprünglich sollte der riesige DDR-Betrieb abgewickelt werden. Der Bund deutscher Baumschulen beziffert drei solcher produzierende Unternehmen in Berlin, in Brandenburg 14 und bundesweit um die 2000. In den letzten 15 Jahren verschwanden demnach mehr als 30 Prozent dieser Betriebe vom Markt. „Die Kombination verschiedener Projekte macht’s, wir wollen viel bieten“, sagt der gelernte Gartenbauingenieur Zahn. Rund vier Millionen Euro seien im letzten Jahr umgesetzt worden. Ein Teil werde gleich wieder investiert. Auch 500 Firmen zählten zu den Kunden.

100 Rosensorten werden in Späth’schen Baumschulen herangezogen

Nicht nur Bäume mit kräftigen Wurzeln, Pflanzen oder 100 Rosensorten werden herangezogen. Auf den 25 Hektar wurden Hofcafé und -laden, Kräutergarten, Natursteinhandel, Gartenplanung, Reisebüro und Künstler angesiedelt. In diesem Jahr wird auch ein Weingarten eingerichtet, wo Winzer ihre Tropfen präsentieren. „Wer einmal zu uns gefunden hat, kommt wieder“, ist sich der 52-Jährige sicher. Im vergangenen Jahr seien allein mehr als 100.000 Besucher zu Events und Saisonfesten angereist.

Der Baumschulen-Bund verweist auf den harten internationalen Wettbewerb. Die Niederlande und Italien seien starke Wettbewerber, sagt Hauptgeschäftsführer Markus Guhl. Deutsche Baumschulen würden sich aber mit „erstklassiger Pflanzenqualität“ behaupten. Bescheiden, aber stolz berichtet Geschäftsführer Zahn von seinen Referenzen.

Für den Park am Gästehaus der Bundesregierung in Meseberg kamen Gehölze und Weinstöcke aus der Späthstraße, ebenso die bepflanzten Riesentöpfe vor dem Bundesrat. Für Plantagen in China werden Sanddorn-Züchtungen geliefert. Und wer im Sommer eine Strandbar in der Hauptstadt besucht, sitzt bestimmt unter einer gemieteten Palme aus den Späth’schen Baumschulen.

dpa/BM