Ein neues Jahr steht vor der Tür – und in Tempelhof-Schöneberg sind einige Meilensteine zu erwarten. Während im Bereich Verkehr neue Radwege vorbereitet werden, laufen parallel Planungen für die großen Wohnungsbauprojekte des Bezirks. Wie es an der „Neuen Mitte Tempelhof“ weitergeht und welche Herausforderungen bei der Schaffung von Schulplätzen oder der Vorbereitung der Wiederholungswahl warten, zeigt dieser Ausblick.
Verkehr und Grünflächen:
Tempelhof-Schöneberg und allen voran seine grüne Stadträtin Saskia Ellenbeck wollen im Radwegbau schneller vorankommen. Gleich mehrere große Straßen sollen im kommenden Jahr mit Radspuren ausgestattet werden: Da wäre der Mariendorfer Damm, der als Verlängerung des Tempelhofer Damms, einen geschützten Weg bekommen soll.
In der Gartenstadt Neu-Tempelhof wird in der Boelckestraße eine Radspur angelegt. Bis zum Sommer sollen dafür entsprechende Markierungsarbeiten erfolgen. Die Gartenstadt wird zudem durch gezielte Eingriffe verkehrsberuhigt. „Mit der Verlängerung der Radverkehrsanlage des Tempelhofer Damms nach Süden bis nach Alt-Mariendorf und mit der Schaffung von geschützten Radstreifen auf der bisher sehr gefährlichen Haupt- und Boelckestraße werden wir dem Ziel der Vision Zero – also der Verkehrssicherheit für alle – ein Stück näher kommen“, ist sich Verkehrsstadträtin Saskia Ellenbeck sicher.
Einen Radweg bekommt auch die Hauptstraße in Schöneberg zwischen Dominicusstraße und Kleistpark. In Tempelhof werden Park- und Blumenthalstraße zwischen Bosestraße und Friedensplatz fahrradfreundlicher umgebaut.

Ein großes, wenn auch umstrittenes Projekt, ist die Einrichtung einer Fahrradstraße in der Handjerystraße in Friedenau. Dort soll der Umbau des nördlichen Teils im ersten Halbjahr beginnen. Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) hatte bei den Planungen zuletzt Nachbesserung gefordert.
Große Einschnitte bedeuten auch die acht neuen Parkzonen, die der Bezirk im nächsten Jahr einrichten will. Damit wird der gesamte Bereich innerhalb des S-Bahn-Rings in einen Raum mit bezahlten Parkplätze umgewandelt.
Beim Umbau der Lichtenrader Bahnhofstraße möchte der Bezirk 2023 ein gutes Stück vorankommen. Im Herbst hat dort der erste Bauabschnitt ganz im Osten der Straße begonnen. Die Hauptverkehrs- und Einkaufsmeile soll mit dem Umbau zu mehr Aufenthaltsqualität sowie einer Fahrradspur kommen.
Als erste von 30 wurde Brücke Nummer 5 im Jahr 2012 nach denkmalgerechter Sanierung wieder an ihren Platz gebracht. Bislang hat sie aber noch keine Wegeverbindung. Die soll im kommenden Jahr folgen und so eine Verbindung zwischen Natur Park Südgelände und dem Park am Gleisdreieck bilden.
Stadtentwicklung:
Für den Bereich der Stadtentwicklung kennt auch das neue Jahr vor allem ein Ziel: Wohnungsbau. Im Falle des Projekts „Marienhöfe“ an der Attila- und Röblingstraße in Tempelhof wird im kommenden Jahr die Baugenehmigung erwartet. Dann fällt nicht nur der Startschuss für den Bau von 800 Wohnungen. Auch ein Gewerbegebiet entsteht, hinzu kommen Kitas und ein Pflegeheim.
Für eines der größten Projekte des Bezirks wird im nächsten Jahr der Architekturwettbewerb für das Kultur- und Bildungsgebäude am Tempelhofer Damm starten. Die „Neue Mitte Tempelhof“ ist nicht nur ein Wohnungsbauvorhaben. Auch zentrale Gebäude wie Schwimmbad, Polizeidienststelle und Bibliothek werden neu gebaut.

Zwei weitere Bauvorhaben durchlaufen 2023 wesentliche Verfahrensschritte. Im Lichterfelder Ring in Marienfelde will das kommunale Wohnungsbauunternehmen Degewo 360 Wohnungen bauen. Dafür muss noch der bisher dort ansässige Ponyhof „Zu den flotten Hufen“ an sein neues Domizil im Schichauweg umziehen. Der Bezirk unterstützt den Umzug finanziell – eigentlich sollte er bereits in diesem Jahr abgeschlossen sein. Eine Waldfläche in der Nähe müsse zudem noch gesichert werden, wie es aus dem Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg heißt. Auch das private Wohnungsbauprojekt „Campus Schätzelberge“ in der Eisenacher Straße in Mariendorf will der Bezirk im kommenden Jahr zügig voranbringen.
„Natürlich bleibt die Aufgabe, sozialverträgliche Nachbarschaften zu erhalten“, sagt Stadtentwicklungsstadträtin Angelika Schöttler (SPD). Das bedeutet, zwei weitere Wohngebiete sollen dahingehend überprüft werden, ob sie unter den Milieuschutz fallen könnten und die Mieterinnen und Mieter dort somit besser gegen Verdrängung geschützt sind.
Daneben befinden sich acht Schulen in der Planung, bei denen es schnellstmöglich vorangehen soll. Der Bezirk muss außerdem seine Pläne für den „Campus der Generationen“ neu beginnen. Die mit der Realisierung beauftragte Gewobag zieht sich aus dem Projekt zurück, sodass der Bezirk es nun in reduzierter Form selbst umsetzen will.

Schule:
Das Jahr 2022 brachte Tempelhof-Schöneberg so viele neue Schülerinnen und Schüler wie noch nie. Und auch die Prognose für das kommende Jahr zeigt: Dieser Trend hält an. „Die größte Aufgabe für den Fachbereich Schule besteht auch 2023 darin, allen Kindern einen Schulplatz zur Verfügung zu stellen“, sagt Schulstadtrat Tobias Dollase (parteilos, für CDU). Aber nicht nur an den Grundschulen, auch an den weiterführenden Schulen bleibt es eng.
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Fliegende Klassenzimmer und Container sollen den großen Platzbedarf abdecken. „Wichtig ist, dass die erforderlichen Gelder dafür durch den Berliner Senat bereitgestellt werden“, so Dollase. Eine Herausforderung stellen auch die vielen geflüchteten Jungen und Mädchen dar, die einen angemessenen Platz in einer Willkommensklasse brauchen. Auch hier seien die Kapazitäten ausgeschöpft. Hier muss laut Dollase über eine Doppelbelegung der Schulen nachgedacht werden.
Die Volkshochschule Tempelhof-Schöneberg spielt bei der Betreuung Geflüchteter ebenfalls ein wichtige Rolle. „Für die vielen Geflüchteten steht die VHS mit Sprachkursen bereit“, so Dollase. Auch hier wartet der Bezirk jedoch noch auf die Finanzierungszusage.
Gesundheit:
Im Gesundheitsamt des Bezirks ist man laut Stadtrat Oliver Schworck (SPD) noch immer im Krisenmodus. „Nicht nur die Pandemie und die Unterbringung von Geflüchteten werden uns weiterhin fordern“, sagt Schworck. Auch die jeweils damit verbundenen psychischen Folgewirkungen, insbesondere bei den Kindern und Jugendlichen, würden die Arbeit von Gesundheits- und Jugendamt noch viele Jahre begleiten.
Parallel dazu hofft Schworck die frisch eingerichteten Familienservicebüros in jeder Region sichtbarer zu machen und als Anlaufpunkt für Familien zu etablieren. „Im Gesundheitsamt wollen wir prüfen, wie Angebote weiter verbessert werden können. Insbesondere die Einrichtung einer Impfstelle bleibt ein wichtiges Ziel“, so der Stadtrat.
„Und nicht zuletzt: Es braucht weitere Bemühungen, um die Kinderrechte, insbesondere die Beteiligung im Sinne der UN-Kinderrechtskonvention auszubauen.“
Soziales:
Im Fachbereich Bürgerdienste, Soziales und Senioren – zuständig ist Stadtrat Matthias Steuckardt (CDU) – fokussiert man sich im neuen Jahr zunächst auf einen reibungslosen Ablauf bei der Wiederholungswahl. Das Dilemma der verpatzten Berlin-Wahl im Herbst 2021 habe gezeigt, dass die Digitalisierung in der Berliner Verwaltung „endlich einen höheren Stellenwert bekommen und zur Chefsache werden“ muss, so Steuckardt. „Ein Staatssekretär mit dem Titel Chief Digital Officer ist dafür leider nicht ausreichend.“
Mit dem ab dem 1. Januar 2023 geltenden Wohngeld-Plus-Gesetz haben in Berlin deutlich mehr Menschen ein Anrecht auf Wohngeld. Das belastet auch die Bezirke, die nun versuchen, mit neuem Personal der zu erwartenden Antragsflut Herr zu werden. Zehn neue Mitarbeitende sucht allein Tempelhof-Schöneberg. Bereits angekündigt worden war, dass die derzeitige Bearbeitungsdauer der der Wohngeld-Anträge von sechs Wochen nicht zu halten sein werde.
Auf die Anfrage der Berliner Morgenpost noch nicht geantwortet, hat Bezirksbürgermeister Jörn Oltmann (Grüne). Sein Ausblick auf das kommende Jahr wird ergänzt.



