Der Berliner Senat hat heute den Weg für den Bau einer neuen Polizeiwache in der Götzstraße 36 in Tempelhof frei gemacht. Dem Entwurf des Bebauungsplans 7-82b wurde in der Senatssitzung am Dienstag zugestimmt. Somit kommt die Polizeidienststelle für den Abschnitt 44, die sich derzeit ganz in der Nähe, in der Götzstraße 6, befindet, an einen neuen Standort. Der Neubau erfolgt im Rahmen der städtebaulichen Neuordnung des Gebiets „Neue Mitte Tempelhof“.

Für die Verlagerung der Polizeiwache gebe es laut Senatsbeschluss mehrere Gründe: Weil das bestehende Gebäude seit seiner Errichtung im Jahr 1978 nicht gepflegt worden war, sei es nun dringend sanierungsbedürftig.

Für den geplanten Personalaufwuchs bei der Polizei sei die Dienststelle zudem zu klein geworden, weshalb ein Neubau für sinnvoll erachtet wird. „Mit der Verlagerung des Polizeistandortes wird zudem eine zentrale Fläche an der Götzstraße für die Schaffung eines neuen Wohnquartiers frei“, heißt es weiter zur Begründung.

Neue Mitte Tempelhof: Wohnungen, Stadtbad, Bibliothek

Das Großprojekt „Neue Mitte Tempelhof“ erstreckt sich über etwa zehn Hektar nördlich und östlich des Rathauses Tempelhof. Geplant sind neben neuen Wohnungen auch Neubauten öffentlicher Einrichtungen. So soll in einem neuen Kulturgebäude am Tempelhofer Damm die Bezirkszentralbibliothek untergebracht werden.

Das Eva-Maria-Buch-Haus, in dem sich die Bibliothek derzeit befindet, wird abgerissen. Im Kulturblock bekommen auch Volkshoch- und Musikschule Platz. Auch das Stadtbad Tempelhof soll abgerissen und als „Gesundheitsbad“ mit Schwimm- und Gesundheitskursen neu errichtet werden.

Im Beschluss des Senats wird außerdem erklärt: Aufgrund der „außergewöhnlichen stadtpolitischen Bedeutung“ des Großprojekts „Neue Mitte Tempelhof“ habe die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung die Zuständigkeit vom Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg übernommen.

Für neue Polizeiwache müssen Kleingärten weichen

Konkrete Planungen darüber, wie die neue Polizeiwache aussehen soll, würden nun erfolgen. Feststehe bisher die Höhe von vier bis fünf Stockwerken. Für den Neubau der Polizeidirektion muss die Kleingartenkolonie „Germania“ mit zehn Parzellen abgerissen werden. Den Kleingärtnern würden Entschädigungen gezahlt und Ersatzparzellen angeboten, heißt es in der Senatsentscheidung.

Im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens waren Bürger angehalten worden, zu dem Projekt Stellung zu beziehen. Gerade der Umzug der Polizeiwache war von direkten Anwohnern kritisiert worden. Sie befürchteten unter anderem ein erhöhtes Verkehrsaufkommen durch ein- und ausfahrende Polizeifahrzeuge. Anwohner Wolfgang Schulz ist einer dieser Kritiker. Er hatte mit anderen Anwohnern Stellungnahmen eingereicht, die den Standort in Frage stellten.

Dennoch fühle er sich übergangen, sagt er am Dienstag auf Nachfrage. „Nach Abgabe der Stellungnahmen haben wir nichts mehr gehört. Es gab keinerlei Informationen“, sagt Schulz. Er glaube auch nicht, dass die Meinung der Bürger wirklich zähle. „Eine echte Mitbestimmung hat aus meiner Sicht nicht stattgefunden. Wir werden vor vollendete Tatsachen gestellt.“