Johanna-Eck-Schule

Ex-Schulleiterin zahlte Honorare an Mitarbeiterkinder

Untersuchungsbericht nach Fund von Geheimtresor: Die Missstände an der Tempelhofer Johanna-Eck-Schule sind größer als bisher bekannt.

Die Johanna-Eck-Schule in Tempelhof kommt nicht zur Ruhe.

Die Johanna-Eck-Schule in Tempelhof kommt nicht zur Ruhe.

Foto: Gudrun Mallwitz

Zu den Missständen an der Johanna-Eck-Sekundarschule in Tempelhof, bei der hinter einem Bilderrahmen ein Tresor mit Geld entdeckt worden war, sind weitere Details bekannt geworden. Nach Informationen der Berliner Morgenpost wurden unter der früheren Schulleitung über Jahre hinweg auch Honorare an Kinder von Beschäftigten in insgesamt vierstelliger Höhe ausbezahlt. Um zusätzliche Lehrerstellen finanziert zu bekommen, gab die Schule zudem gegenüber der Bildungsverwaltung mehr Kinder für den Religions- und Weltanschauungsunterricht an, als die Einrichtung überhaupt Schüler hatte. Tatsächlich aber fand keine einzige Stunde eigenständiger Unterricht in diesen Fächern statt.

„Bemerkenswerte Bewirtschaftungskultur“

Diese gravierenden Unregelmäßigkeiten liefert der Zwischenbericht einer Untersuchungsgruppe, die der Staatssekretär in der Senatsbildungsverwaltung, Mark Rackles (SPD), im Oktober 2018 nach Bekanntwerden der „schwarzen Kasse“ im Tresor eingesetzt hatte. Die Rede ist von einer „bemerkenswerten Bewirtschaftungskultur“, allerdings sollen keine Gelder veruntreut worden sein.

So meldete die Schule bei der Bildungsverwaltung, dass für das Unterrichtsjahr 2017/18 insgesamt 385 Kinder am Religions- und Weltanschauungsunterricht teilnähmen. Zu Schuljahresbeginn besuchten aber nur 361 Mädchen und Jungen die Einrichtung. Da kein Unterricht stattfand, gab es auch in keinem Schülerzeugnis einen Eintrag über die Teilnahme am Religionsunterricht.

Land und Kirchen finanzierten Schulstunden, die nie stattfanden

Das Land Berlin und die Kirchen finanzierten also 24 Unterrichtsstunden für einen Lehrer, der angeblich evangelische Religion unterrichtete, acht Stunden für einen nicht vorhandenen Lehrer für katholische Religion und vier Stunden Lebenskundeunterricht für einen staatlichen Lehrer. Statt evangelische Religion lehrte der eine Pädagoge in der 7. Klasse Mathematik.

Bis Oktober 2017 war laut bisherigen Erkenntnissen die damalige stellvertretende Direktorin für alle statistischen Einträge verantwortlich. Gegen sie laufen disziplinarische Ermittlungen. Sie ist nicht mehr an der Schule. Die statistischen Angaben sollen auf Veranlassung der neuen Schulleiterin Mengü Özhan-Erhardt – sie kam 2016 – dann im November 2017 geändert worden sein. Falsche Angaben wurden offenbar auch bei den Willkommensklassen gemacht. Tatsächlich wurden drei dieser besonderen Klassen für Flüchtlingskinder eingerichtet, angegeben wurden für das Schuljahr 2017/18 aber fünf. Auch damit erhielt die Schule mehr Lehrerstellen.

Gelder flossen ohne jegliche Kontrolle

Außerdem wurden zwischen 2008 und 2011 für Beschäftigte der Schule knapp 7000 Euro aus Honorarmitteln bezahlt, das meiste Geld an eine Erzieherin. Auch Schüler erhielten Honorare in Höhe von insgesamt rund 4100 Euro. Die Untersuchung förderte zutage, dass auch an Kinder von Beschäftigten, darunter der damaligen Schulleiterin und einer Sekretärin, von 2009 bis 2014 Honorare in Höhe von 4918 Euro gezahlt wurden. Wofür das Geld verwendet wurde, ist in dem Bericht nicht aufgeführt. Alle Honorarverträge sollen von der damaligen Schulleiterin unterzeichnet worden sein.

Von einem Konto, das ohne Wissen des staatlichen Schulträgers eingerichtet wurde, ist außerdem ab 2013 Geld an den damaligen Förderverein geflossen, der nicht der Fachaufsicht unterliegt. Somit konnte keine Kontrolle stattfinden. Der Förderverein war am 1. Oktober vorigen Jahres aufgelöst worden.

Konsequenzen sind noch unklar

Neben Bargeld im Tresor – es handelte sich wohl um Elternbeiträge für Schulbücher – gab es über Jahre ein illegales Projektkonto, das ohne Wissen und ohne Zustimmung des Schulträgers eingerichtet wurde. Wie Staatssekretär Rackles vor dem Kollegium der Schule jüngst erläuterte, sei weniger Bargeld im Tresor gefunden worden, als es zunächst hieß. Es soll sich um mehrere Tausend Euro gehandelt haben, allerdings nicht um 20.000 Euro, wie zuerst kolportiert worden war. Die genaue Summe nennt auch der Bericht nicht.

Warum eine Schule solche Wege geht, dafür fanden die Experten in der Untersuchungsgruppe bislang keine Erklärung. Die Schule, so attestieren sie, befand sich keineswegs in einer finanziellen Notsituation. Im Gegenteil: Die Budgetmittel wurden in dieser Zeit nicht alle ausgeschöpft. Unklar sind noch die Konsequenzen für die Beteiligten.

Lehrer haben Anträge auf Versetzung gestellt

Der einstigen Tempelhofer Vorzeigeschule, die wegen ihres erfolgreichen Konzepts in den Flüchtlingsklassen hoch angesehen war und dafür auch ausgezeichnet wurde, haben die Negativschlagzeilen, aber auch Konflikte zwischen dem Lehrerkollegium und der neuen Schulleiterin Özhan-Erhardt offensichtlich schwer geschadet. Streit gibt es vor allem wegen des von der Rektorin umgestellten Integrationskonzeptes. Mehrere Lehrer haben inzwischen Umsetzungsanträge gestellt.

Für das Schuljahr 2019/20 haben sich für die Johanna-Eck-Schule bis zum Meldeschluss im Februar nur 44 Schüler angemeldet – bei 96 Plätzen. Zum Vergleich: In der Friedrich-Bergius-Schule in Friedenau unter Schulleiter Michael Rudolph, die ebenfalls eine Sekundarschule ohne Oberstufe ist, gingen bei 100 Plätzen 134 Anmeldungen ein.

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