Über 20.000 Euro im Schultresor als „schwarze Kasse“. Manipulierte Schülerzahlen. Dazu noch Diskriminierung und Mobbing. Was zuletzt bei der Johanna-Eck-Sekundarschule im Bezirk Tempelhof-Schöneberg offenbar wurde, ist selbst für chaotische Berliner Schulverhältnisse erschreckend. Denn lange galt diese Schule wegen ihres erfolgreichen Konzeptes in den Flüchtlingsklassen als Vorzeigeschule. Jetzt dieser Skandal. Was ist hier nur passiert?
Es ist Montagfrüh, drei Lehrer stehen vor dem Nebeneingang der Schule und rauchen. „Wir dürfen nicht mit der Presse reden“, sagt einer. Auch die Direktorin Mengü Özhan-Erhardt, die jetzt wohl reinen Tisch machen will und die Verfehlungen der Vorgängerinnen ans Licht bringt, ist nicht zu sprechen. „Bitte haben Sie Verständnis dafür“, sagt die Sekretärin, man müsse sich jetzt um die Schüler kümmern. Die Stimmung könnte kaum schlechter sein nach diesem Wochenende, als verschiedene Medien über den vollen Tresor und ein weiteres geheimes Konto mit rund 13.000 Euro berichteten. Schüler sollen daraufhin ihren Lehrern schwere Vorwürfe gemacht haben: „Ihr habt unser Geld gestohlen.“
Niemand weiß, wann und wofür das Geld eingesammelt wurde
„Das Konto haben wir inzwischen aufgelöst“, sagt nun Beate Stoffers von der Senatsverwaltung für Bildung. Das Geld sei in der Obhut des Bezirkes, auch die über 20.000 Euro aus dem Tresor, der von einem Blumenbild verdeckt war. Wofür das Geld genau eingesammelt wurde, könne man nur mutmaßen – ein Teil war wohl für neue Bücher gedacht, die offenbar niemals angeschafft wurden. „Das sind Sachen, die wir aufklären müssen.“
„Richtig ist, dass die Schule tatsächlich betrogen hat“, bestätigt der zuständige Schulstadtrat Oliver Schworck (SPD) aus Tempelhof-Schöneberg. Betrogen auch durch die Manipulation von Schülerzahlen – auf dem Papier erfand man Hunderte Schüler, die angeblich am evangelischen Religionsunterricht teilnähmen, um so für die Schule weitere Lehrer zu erhalten. Mag das noch als Schildbürgerstreich einer Schulleitung durchgehen, die bei ständiger pädagogischer Unterversorgung einen kreativen, aber verbotenen Ausweg sucht, so scheint irgendjemand beim Geld völlig den Überblick verloren zu haben. Schworck berichtet von vielen weißen Umschlägen, auf denen teilweise noch die Namen der Schüler standen, aber kein Jahr – niemand weiß also genau, in welchen Schuljahren das Geld eingesammelt wurde oder wofür. „Wir haben das Geld jetzt gesichert, es geht der Schule nicht verloren“, so Schworck.
Schulleitung und Teile des Kollegiums schufen sich eine Art Sonderkosmos
Es deutet sich an, dass sich hier eine Schulleitung und Teile des Kollegiums eine Art Sonderkosmos geschaffen haben, in dem andere Regeln galten. Wohl grundsätzlich mit dem Ziel, in Sachen Integration Gutes zu tun. Allerdings ist das Konzept, Schüler aus Willkommensklassen möglichst spät in Regelklassen zu integrieren, damit sie erst richtig Deutsch können, umstritten. Im Kern geht es also auch um einen Richtungsstreit bei der Johanna-Eck-Schule. Die neue Schulleiterin Özhan-Erhardt wollte mit ihrem Antritt nun Standards durchsetzen, die berlinweit gelten. Allerdings agierte sie dabei nicht immer glücklich, sagt ein Lehrer der Schule.
Als dann noch die Antidiskriminierungsbeauftragte Saray Gomis im Auftrag der Senatsverwaltung für Bildung an der Schule über Fälle von Diskriminierung durch dortige Lehrer sprechen wollte, waren Teile des Kollegiums im Selbstbild erschüttert. Die Situation eskalierte. Jetzt gibt es Vorwürfe rassistischen Mobbings, auch gegenüber Gomis selbst. Ihr Vater stammt aus dem Senegal.


