Wildtiere

Damwild aus Franckepark lebt jetzt in Brandenburg

Das Bezirksamt ließ die Tiere im Wildgehege umsiedeln - gegen den Protest der Anwohner.

Vor allem bei Kindern ist das Damwildgehege im Franckepark beliebt. Elf Tiere leben dort.

Vor allem bei Kindern ist das Damwildgehege im Franckepark beliebt. Elf Tiere leben dort.

Foto: imago stock / imago/Olaf Selchow

Tempelhof. Das Damwild-Gehege im Franckepark in Tempelhof ist leer. Der Hirsch und die zehn weiblichen Tiere sind am Donnerstagvormittag betäubt und nach Brandenburg transportiert worden. Für die meisten Anwohner und Bezirkspolitiker kam die Aktion völlig überraschend. Sie sei wütend und entsetzt und stehe unter Schock, sagte Christine Rabe, die sich seit Jahren für das Damwild engagiert. Sie hatte gemeinsam mit anderen Tempelhofern die Betäubung und den Abtransport beobachtet.

„Ein Stück Tempelhofer Identität geht heute unter“, so Matthias Steuckardt, Vorsitzender der CDU-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung, am Donnerstag. Die CDU-Fraktion sei verärgert und enttäuscht darüber, dass lediglich eine Woche nach der Versammlung zum Damwild-Gehege Fakten geschaffen wurden, „obwohl sich die Einwohner mit großer Mehrheit für den Verbleib der Tiere ausgesprochen haben. Bürgernahe Politik sieht anders aus“.

Der Fraktionsvorsitzende der AfD-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung von Tempelhof-Schöneberg, Karsten Franck, warf der Bezirksstadträtin vor, gegen den Bürgerwillen selbstherrlich zu handeln. „Ich bin entsetzt über diese arrogante Missachtung des Bürgerwillens, da bei der genannten Einwohnerversammlung Frau Heiß mit ihren Plänen auf massiven Widerstand gestoßen ist, den sie nun einfach ignoriert hat“, sagte Franck. Als Vorsitzender des BVV-Ausschusses für „Straßen, Verkehr, Grün und Umwelt“ wolle er den „unglaublichen Vorgang“ zum Thema der nächsten Ausschusssitzung machen.

Die Situation sei tierschutzrechtlich nicht länger haltbar gewesen, teilte Stadträtin Christiane Heiß (Grüne), zuständig für das Straßen- und Grünflächenamt, mit. Sie beruft sich auf eine Weisung des Amtstierarztes. Das Gehege sei deutlich zu klein und könne am Standort nicht erweitert werden, so Heiß. Eine andere Fläche stehe dem Bezirk nicht zur Verfügung.

Zur unerwartet schnellen Umsiedlung nach Brandenburg dürften auch die jüngsten Ereignisse beigetragen haben. Der Damhirsch hatte sich Ende Januar in einem Seil verfangen. Anwohner und Polizei versuchten, ihn davon zu befreien. Doch das letzte Stück des Seiles konnte erst am gestrigen Donnerstag aus dem Geweih entfernt werden. Nun leben die Tiere im Wildpark Glauer Tal in Brandenburg. „Sie sind zunächst in einem kleinen Gehege untergebracht“, sagte Maik Marsch vom Landschafts-Förderverein Nuthe-Nieplitz-Niederung auf Anfrage der Berliner Morgenpost. „Dort können sie sich eingewöhnen und werden dann voraussichtlich nächste Woche in unser 160 Hektar großes Gehege gelassen.“ Der Verein betreut das Areal. Maik Marsch, Manager des Wildgeheges, rechnet damit, dass das Damwild aus Berlin zusammenbleibt, auch wenn es sich frei auf dem riesigen Gelände bewegen kann. Der Hirsch und die zehn weiblichen Tiere sollen zunächst Winterfutter bekommen, da sie nicht gewohnt sind, sich ihre Nahrung allein zu suchen.

Im Wildpark, einem ehemaligen Truppenübungsplatz, leben rund 180 Wildtiere. Um den Bestand zu regulieren, werden im Herbst auch Tiere erlegt. Das Wild aus Berlin soll jedoch gekennzeichnet und nicht geschossen werden. „Sie erhalten eine Ohrmarke, und es gilt die Vereinbarung, dass ihnen nichts passiert“, so Maik Marsch.

Gehege in Berlin war ein beliebtes Ausflugsziel

Mit dem Auszug der Tiere im Franckepark geht eine lange Tradition zu Ende. Etwa 90 Jahre lang lebte dort Damwild im Gehege. Es war ein beliebtes Ausflugsziel für Familien. „Wir verstehen, dass einige Anwohner die Tiere gern in ihrer Nähe behalten hätten“, so Stadträtin Heiß. Doch man habe im Sinne des Tierwohles handeln müssen. „Gut, dass die Tiere umgesiedelt wurden“, sagte auch Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) am Donnerstag. Dass sich der Hirsch in einem Seil verfangen konnte, habe gezeigt, wie schwierig es sei, die Tiere im Tempelhofer Gehege zu halten. Man müsse nun nach vorne schauen und überlegen, wie das Gelände in dem Park künftig genutzt werden kann.

Die SPD-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung will sich dafür einsetzen, dort auch künftig Tiere zu halten. Angesichts der kleinen Fläche sei zu prüfen, ob etwa Schafe oder Ziegen infrage kämen, sagte der SPD-Verordnete Lars Rauchfuß. Seine Partei fordert das Bezirksamt auch dazu auf, jährlich eine Ausflugsfahrt ins Glauer Tal zu organisieren, damit sich die Anwohner vom Wohlergehen der Tiere überzeugen können.

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