Tierschutz

Einwohnerversammlung zum Damwild im Franckepark geplant

Am 31. Januar wird im Rathaus Schöneberg diskutiert. Doch schon jetzt stellt Stadträtin Heiß klar: Die Tiere können nicht bleiben.

Ein Mädchen füttert das Damwild.

Ein Mädchen füttert das Damwild.

Foto: imago stock / imago/Olaf Selchow

Berlin. Knapp drei Wochen vor der Einwohnerversammlung im Rathaus Schöneberg hat die zuständige Bezirksstadträtin Christiane Heiß (Grüne) deutlich gemacht, dass sie das Damwild aus dem Tempelhofer Franckepark möglichst rasch nach Brandenburg umzusiedeln möchte. Das Gehege umzugestalten oder innerhalb des Parks zu verlegen, wie Anwohner und mehrere Fraktionen in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) fordern, scheint für Heiß keine vertretbare Lösung zu sein. Dies geht aus einem der Berliner Morgenpost vorliegenden Schreiben ganz klar hervor.

„Neben der qualitativen Schaffung von ausreichend Äsungsflächen und Rückzugsgebieten müsste das Tiergehege quantitativ deutlich vergrößert werden“, antwortete Heiß jetzt auf eine Anfrage des SPD-Bezirksverordneten und SPD-Kreisvorsitzenden von Tempelhof-Schöneberg, Lars Rauchfuß. „Dies wurde aus Denkmal- und Naturschutzgründen vom Landesdenkmalamt und der Unteren Naturschutzbehörde abgelehnt.“ Einen finanziellen Aufwand für die Erweiterung des Geheges zu beziffern, wie es der Abgeordnete erbeten hatte, ist ihrer Ansicht nach „daher entbehrlich“.

Monatelanger Streit um das Gehege

Seit Monaten wird heftig über die Zukunft des Traditions-Damwildgeheges gestritten. Die Familie Francke hatte den Park 1924 an die Gemeinde Tempelhof verschenkt. Im gleichen Zeitraum wurde Bezirksangaben zufolge das Gehege angelegt. Experten wie die Landestierschutzbeauftragte Diana Plange bestätigen die Auffassung der Stadträtin, wonach die Tiere umziehen sollten. Im Park bestünden für sie keine Rückzugsräume und sie könnten dort auch nicht vor unkontrollierter Fütterung geschützt werden. Doch Anwohner kämpfen für einen Erhalt des Geheges.

Auf Anfrage der Berliner Morgenpost sagte Heiß am Montag, die derzeit vorgeschlagenen Maßnahmen wie die Vergrößerung oder die Verlegung des Geheges, um die Tiere im Bezirk zu halten, seien nicht möglich. „Der Franckepark ist ein Gartendenkmal. Eine Vergrößerung des Geheges wurde dort untersagt", so Heiß. Ein Ausweichgrundstück in der geforderten Größe und Beschaffenheit stehe dem Bezirk nicht zur Verfügung. Sie gibt zu bedenken: Für jedes erwachsene Damwild müsste eine Fläche von 1000 Quadratmetern bei einer Mindestgröße von 10.000 Quadratmeter des Gehege zur Verfügung stehen. „Wir haben elf Tiere und das Gehege umfasst nur etwa 8135 Quadratmeter“, so Heiß.

Mehr Platz zu schaffen, wäre für die Stadträtin ohnehin keine Lösung. Ohne Betreuung durch fachkundiges Personal auch am Wochenende, sowie eine Abschottung des Geheges sei keine artgerechte Haltung möglich. Nach dem Tod eines Hirsches waren in dessen Magen Reste einer Plastiktüte gefunden worden. Damit nicht noch mehr Tiere zu Schaden kommen, müsste sicher gestellt werden, dass kein Plastik und kein Unrat mehr über den Zaun geworfen wird. Zwischen 2011 und 2016 wurden laut Heiß 12 Tiere aus dem Gehege nach Schönwalde umgesetzt. Verkauft wurden keine Tiere.

„Die Tiere werden auf Anordnung des Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsamtes umgesiedelt“, kündigte Heiß an. Zugrunde lägen Bestimmungen des Tierschutzgesetzes und des Bundesnaturschutzgesetzes. Der SPD-Abgeordnete Rauchfuß hatte die rechtliche Grundlage für den geplanten Transport in das Wildgehege Glauer Tal im brandenburgischen Kreis Teltow-Fläming erfragt. Er wollte auch wissen, wem das Wild eigentlich gehört. Für Heiß ist das ganz klar der Bezirk. „Wilde Tiere in Tiergärten sind nicht herrenlos. Das Damwild gehört dem Fachbereich Grünflächen. Er ist Tierhalter des Damwilds.“

SPD-Bezirksverordner Lars Rauchfuß: Alle Infos auf den Tisch

„Die Antworten auf meine Anfrage sind ein erster Schritt in die richtige Richtung“, sagte der SPD-Bezirksverordnete Rauchfuß am Montag. „Denn alle Informationen müssen auf den Tisch.“ Dargelegt werden müsse auch, wie die Tiere ohne Gefährdung für ihr Wohlergehen weiter in Tempelhof gehalten werden können. „Das Bezirksamt muss all diese Punkte bei der Einwohnerversammlung transparent machen. Danach kann entschieden werden, was das Beste für die Tiere ist“, so Rauchfuß.

Die Initiatorin der Einwohnerversammlung, Christine Rabe, ist sich bereits sicher: Die Verlegung in das Wildgehege Glauer Tal ist nicht das Beste für die Tiere. Sie fürchtet, dass das Wild dort geschossen wird. Schon der Transport sei problematisch: Die Umsetzung von Damwild dürfe nur unter Vollnarkose erfolgen und bedeute für jedes Tier eine körperliche Belastung. Rabe hat ein Konzept erstellt mit konkreten Vorschlägen, wie der Park, das Gehege und die Tiere künftig nachhaltig betrieben und gepflegt werden können. „Diese Damwildtiere begleite ich eigeninitiativ seit 2014, und sie liegen mir und anderen großen und vor allem auch vielen kleinen Menschen sehr am Herzen“, sagt sie.

Die Einwohnerversammlung, bei der die Bürger mit der Bezirksstadträtin Heiß diskutieren können, findet am 31. Januar von 17.30 bis 19.30 Uhr im Rathaus Schöneberg statt.

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