Jugendzentrum

70 Menschen demonstrieren gegen Aus für „Drugstore“

Auch heute wurde gegen die Schließung des Jugendzentrums an der Potsdamer Straße demonstriert.

Protest gegen die Schließung des "Drugstore" in Schöneberg.

Protest gegen die Schließung des "Drugstore" in Schöneberg.

Foto: Paul Zinken/dpa

Berlin. Begleitet von Protesten hat das Jugendzentrum Drugstore nach mehr als 45 Jahren seinen bisherigen Standort in Schöneberg aufgegeben. Die Schlüssel für die Potsdamer Straße 180 seien freiwillig abgegeben worden, hieß es in einer Mitteilung vom Montag bei Facebook.

Das Kollektiv des Zentrums Potse - seit rund 40 Jahren im selben Gebäude - habe sich jedoch entschieden, in seinen Räumen zu bleiben. „Die angebotenen Ersatzräumlichkeiten stellen im besten Falle einen Witz dar“, hieß es in der Mitteilung.

Am Mittwoch versammelten sich laut Polizeiangaben rund 70 Menschen vor dem Gebäude in der Potsdamer Straße. Am Montag waren es, nach Veranstalterangaben, rund 150 Menschen.

Das Drugstore-Kollektiv habe sich mit Rücksicht auf andere Projekte seines Trägervereins Sozialpädagogische Maßnahmen Berlin (SSB) gegen eine Besetzung entschlossen, sagte eine Sprecherin. Die Jugendzentren würden jedoch weiterhin gemeinsam gegen Verdrängung und Ausgrenzung kämpfen.

Die Potsdamer Straße im Berliner Westen wird zunehmend von Bürogebäuden, Galerien, Boutiquen und Eigentumswohnungen mit steigenden Immobilienpreisen geprägt. Das autonome Jugendzentrum kämpft seit Jahren um seinen Erhalt.

Nachdem die Mietverträge mehrfach verlängert wurden, ist nun zum 3. Januar 2019 Schluss. Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg hat sich um Ausweichquartiere bemüht. Diese sind aus Sicht von Drugstore und Potse mit Blick auf das Veranstaltungskonzept wenig geeignet und existenzgefährdend.

Der Schöneberger Bezirksstadtrat für Jugend, Oliver Schworck (SPD), erklärte, die Mietverträge für die neuen Räume in einem Wohnhaus in der Potsdamer Straße 134 seien in Absprache mit Vertretern der Jugendzentren unterschrieben worden. Die wiederum behaupteten, bis Oktober sei man davon ausgegangen, ein weiteres Gebäude in der Potsdamer Straße 140 mit Räumen für Konzerte und Bandproben beziehen zu können. Für dieses habe der Senat in der Zwischenzeit aber Eigenbedarf angemeldet, erklärte Schworck. Jetzt verhandele man mit der Tempelhof Projekt GmbH über Veranstaltungsräume in dem ehemaligen Flughafengebäude.

Reinhard Frede (FDP) kommentierte: „Es ist für mich nicht nachvollziehbar, dass das Bezirksamt, namentlich Stadtrat Schworck, den Sachverhalt so lange verschleppt hat. Der Vermieter wäre zu einer Vertragsverlängerung bereit gewesen."

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