Jugendzentrum

Potse &Drugstore - ein Brief an den Finanzsenator

Der Quartiersrat Schöneberg-Nord fordert neue Räume für Potse&Drugstore. Die landeseigene BIM will aber die Finanzschule einrichten.

Das Jugendzentrum Potse & Drugstore in der Potsdamer Straße 180 muss Anfang Januar schließen.

Das Jugendzentrum Potse & Drugstore in der Potsdamer Straße 180 muss Anfang Januar schließen.

Foto: Gudrun Mallwiitz / Gudrun Mallwitz

Berlin. In einem Brief an Berlins Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) und die Geschäftsleitung der Berliner Immobilienmanagement-Gesellschaft BIM verlangt der Quartiersrat Schöneberger Norden eine möglichst schnelle Lösung für Berlins älteste selbstverwaltete Jugendeinrichtung Potse & Drugstore an der Pallasstraße. In knapp vier Wochen muss das Jugendzentrum ausziehen. Nach 46 Jahren. Doch die BIM sieht keinen Verhandlungsspielraum mehr. Eine Sprecherin bestätigte am Dienstag auf Anfrage der Berliner Morgenpost, die vom Bezirk gewünschten Räume in der ehemaligen Deutschen Bank in der Potsdamer Straße 140 stünden nicht zur Verfügung.

Quartiersrat appelliert an BIM

Der Quartiersrat drängt darauf, dass den Jugendlichen in diesem Gebäude Räume für Konzerte zur Verfügung gestellt werden. Dafür hatte sich auch die Bezirksverordnetenversammlung eingesetzt. Der Quartiersrat ist ein Bürgergremium aus Anwohnern des Schöneberger Nordens und Vertretern von Einrichtungen, Initiativen und Gewerbetreibenden. Unterstützt wird die Forderung von der Interessensgemeinschaft IG Potsdamer Straße.

Der Vermieter hat die bisher von Potse&Drugstore genutzten Räumlichkeiten in der Potsdamer Straße 180 zum Ende dieses Jahres gekündigt, nachdem der Bezirk nicht bereit war, die geforderte Mieterhöhung für die Jugendeinrichtung zu bezahlen.

"Wichtige und gut integrierte Institution"

"Der Drugstore ist das älteste selbstverwaltete Jugendzentrum Berlins und damit eine wichtige und gut integrierte Institution im Schöneberger Norden" heißt es in dem Brief an den Finanzsenator und die BIM-Geschäftsführung. " Eröffnet wurde es im September 1972 und ermöglicht seitdem Jugendlichen Konzerte, Filmvorführungen, Ausstellungen, Sportgruppen und Diskussionsrunden selbst durchzuführen. Allerdings gibt es immer wieder Ärger mit den direkten Nachbarn wegen des Lärms.

Die Räume werden gemeinsam vom Jugendzentrum Drugstore und dem Jugendclub „Potse“ genutzt, die Miete zahlt das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg. Unter dem Motto „Kultur zum Nulltarif“ gilt seit vielen Jahren bei Veranstaltungen und Konzerten freier Eintritt. "Damit sind Drugstore und Potse ein wichtiger Ort der Freizeitgestaltung für Jung und Alt", betonen die Unterzeichner.

Mietvertrag mit Gewobag, aber ohne Konzerte

Die Suche nach einem Ausweichquartier gestaltet sich bislang schwieriger als gedacht: Die landeseigene Immobiliengesellschaft Gewobag hat Räume in der ehemaligen Postfiliale auf der Potsdamer Straße 134/136 angeboten. Die Mietvertragsverhandlungen sind positiv gelaufen Bezirksstadtrat Oliver Schworck hat am Freitag den Mietvertrag unterschrieben. Damit sind die sogenannten „leisen“ Nutzungen, z. B. Workshopangebote, Lesungen oder Besprechungen für die selbstverwalteten Jugendeinrichtungen Potse und Drugstore gesichert.

Die erforderlichen Umbaumaßnahmen können nun in Angriff genommen werden. Bereits während der Bauzeit sollen nach und nach Räume für die Kollektive zur Verfügung gestellt werden, damit der Betrieb der Einrichtungen mit ersten Angeboten ohne längere Unterbrechung weiterlaufen kann.

Letzte Option für das Jugendzentrum verloren?

Die Räume dort eignen sich aber nicht für lärmintensive Veranstaltungen wie die Punkkonzerte. Deshalb verhandelte der Bezirk noch über eine weitere Anmietung. Geeignet erschien das Gebäude, in dem früher die Deutsche Bank untergebracht war - an der Potsdamer Straße 140/Ecke Bülowstraße. Es wird von der landeseigenen Immobilienmanagementgt verwaltet. Doch daraus wird nun nichts. "Die BIM scheint eine Vermietung für Drugstore und Potse zu blockieren", schreibt der Quartiersrat. "Geht damit eine letzte Option für das Jugendzentrum verloren?"

BIM begründet Absage

Eine Sprecherin der BIM sagte der Berliner Morgenpost am Dienstag auf Anfrage: "Nachdem der Bezirk im März auf uns zugekommen ist, haben wir uns mit den Jugendklubs Potse und Drugstore getroffen, um geeignete Flächen zu suchen. So wurde vereinbart, unsere Fläche in der Potsdamer Straße 140 in diesem Zusammenhang planungsrechtlich zu untersuchen. Wir haben dafür Architekten beauftragt und die Flächen geprüft." Der Wunsch diese Flächen schnell zur Verfügung zu stellen, habe aber aufgrund von Brandschutzanforderungen nicht ermöglicht werden. Der Umbau hätte längere Zeit – eventuell bis zu einem Jahr inklusive Zeit für die Vergabe - in Anspruch genommen und es wäre danach nur eine reduzierte Form von Veranstaltungen möglich gewesen.

"Darüber hinaus haben wir in einer wachsenden Stadt wie Berlin auch immer wieder steigende Bedarfe der Berliner Verwaltung zu bedienen", verteidigte die Sprecherin der BIM die Entscheidung weiter. "Inzwischen ist die Notwendigkeit entstanden, die Finanzschule in der Potsdamer Straße 140 unterzubringen, für die sich die Fläche sehr gut eignet. Sie fügte hinzu: "Wir haben dem Bezirk aber angeboten, die Suche für Potse und Drugstore ganz aktiv zu unterstützen."

Harte Vorwürfe aus IG Potsdamer Straße

Die Vorsitzende der Interessensgemeinschaft IG Potsdamer Straße, Regine Wosnitza, wirft der BIM nun vor, "die Verdrängung dieses einzigartigen Players billigend in Kauf zu nehmen". Dabei formuliere die landeseigene Gesellschaft doch in ihrem Leitbild das Ziel, die wachsende Metropole Berlin mit zu gestalten, indem der Wohnungsbau erforderliche Flächen bekommt, Gewerbeansiedlungen möglich werden - und die soziale Infrastruktur berücksichtigt wird, so Wosnitza.

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