Jugendzentrum

Polizeieinsatz bei Potse und Drugstore sorgt für Kritik

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Gudrun Mallwitz
Die Jugendzentren Potse und Drugstore an der Potsdamer Straße

Die Jugendzentren Potse und Drugstore an der Potsdamer Straße

Foto: Foto: Anja Meyer

Das Polizeigroßaufgebot nach dem Punkkonzert bei Potse und Drugstore ist umstritten. Jugendstadtrat Oliver Schworck fordert Aufklärung.

Berlin. Das Polizei-Großangebot bei den selbst verwalteten Jugendzentren Potse und Drugstore sorgt für heftige Kritik. In der Nacht zum Sonntag rückte wegen des lauten Punkkonzerts zum 46. Geburtstag der legendären Jugendclubs eine Einsatzhundertschaft der Polizei an. Es kam zu zwei Festnahmen wegen Sachbeschädigung und Widerstandes gegen Vollzugsbeamte. Die Kollektive beider Jugendzentren beklagen, das Gebäude sei gestürmt worden, die Einsatzkräfte hätten massive Gewalt angewendet. Die Betreiber, aber auch Politiker fordern nun eine Untersuchung.

Jugendstadtrat: Vorgehen nicht nachvollziehbar

Der zuständige Jugendstadtrat von Tempelhof-Schöneberg, Oliver Schworck (SPD), kritisiert nach einem Besuch bei Potse und Drugstore das Vorgehen der Polizei scharf: "Es scheint mir derzeit nicht nachvollziehbar, inwieweit den polizeilichen Maßnahmen objektivierbare Tatsachen zu Grunde lagen und die Verhältnismäßigkeit gewahrt wurde", betonte Schworck. Für ihn steht fest: "Ein solcher Eingriff in das Hausrecht wäre nur zur Abwehr gegenwärtiger Gefahren für Leib, Leben oder Freiheit einer Person zu rechtfertigen." Die Konzerte waren schon vor dem Polizeieinsatz beendet.

Vertreter der Kollektive der beiden Jugendzentren, aber auch Besucher schildern, wie kurz nach 3 Uhr sechs Mannschaftswagen, sechs Streifenwagen und eine Einsatzleitwagen der Polizei eintrafen und noch während des Gesprächs mit den ehrenamtlichen Jugendlichen Einsatzkräfte das Gebäude stürmten. Dabei sei massiv Gewalt angewendet worden. Ein Besucher berichtet: "Auf einmal kam die Polizei rein und hat meinem Kumpel ohne Grund in der Unterleib geschlagen." Die Polizei habe damit bedroht, die Feuerschutztür, die Jugendliche aus Angst zugezogen hätten, mit Rammbock und Brecheisen aufzubrechen.

Polizei: "Wir haben uns nichts vorzuwerfen"

Die Polizei hingegen verteidigt das Vorgehen. Konzertbesucher seien der Aufforderung nicht nachgekommen, die Räume zu verlassen und blockierten den Zugang. "Wir haben uns nichts vorzuwerfen", sagte Polizeisprecher Martin Halweg am Montag auf Anfrage der Berliner Morgenpost. Der Veranstalter sei mehrfach darauf hingewiesen worden, dass die Ruhestörung zu beenden sei. Ihm sei vor dem Einsatz angedroht worden, dass die Polizei eingreift, sollte er nicht in der Lage sein, selbst für Nachtruhe zu sorgen.

Das Eindringen der Polizisten und die Durchsuchung der Räume habe zu einer erheblichen Verunsicherung und zu einem Vertrauensverlust auf Seiten der Jugendlichen geführt, bedauert Jugendstadtrat Schworck. Er fordert, das Vorgehen der Polizei müsse umfassend aufgeklärt werden. Gleichzeitig bot Schworck an, dass das Jugendamt zwischen beiden Seiten vermittelt, damit wieder eine Vertrauensbasis zwischen Polizeiabschnitt und Jugendinitiativen entstehen kann. "Nur so kann vermieden werden, dass aus dem Schock, der vielen Besuchern und Verantwortlichen noch in den Knochen steckt, Unverständnis und Wut entstehen", sagte er. Und fügte hinzu: "Wir werden dazu beitragen, eine weitere Eskalation zu vermeiden."

Umzug in die Nachbarschaft?

Auch die Linke-Fraktionschefin von Tempelhof-Schöneberg, Elisabeth Wissel, nennt den Einsatz völlig unverhältnismäßig. "Wir solidarisieren uns mit den Jugendlichen", sagte sie der Berliner Morgenpost. Zwischen Potse und Drugstore und den Nachbarn kommt es wegen der lauten Konzerte immer wieder zu Konflikten. Die Zukunft von Potse und Drugstore ist seit langem offen. In etwa vier Monaten endet der Mietvertrag des Kulturzentrums. Baustadtrat Jörn Oltmann (Grüne) zufolge laufen die Verhandlungen mit der BIM, einer Tochtergesellschaft des Landes Berlin und mit der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Gewobag. Noch aber steht nicht fest, ob der Umzug von der Potsdamer Straße 180 in zwei Gebäude in der Potsdamer Straße 134 und 140 klappt.

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