„Jeder, der mich besucht, muss erst mal mit aufs Feld“

Berlin ohne das Tempelhofer Feld – das kann Lena Weuster sich gar nicht mehr vorstellen. „Ich komme mindestens zwei- bis dreimal die Woche hierher“ sagt die Produktmanagerin. „Jeder, der mich in Berlin besucht, muss erst mal mit aufs Feld.“ Denn sie will ihre Begeisterung teilen. Für die junge Frau, die in Schöneberg wohnt, steht dieser ungewöhnliche Ort inmitten der Metropole für Ruhe und Freiheit. „Ich nehme mit dem Rad auf dem Weg zur Arbeit in Kreuzberg gerne den Umweg über das Feld in Kauf“, betont sie. Lena Weuster ist der Meinung: „Eine Stadt wie Berlin, die so überladen ist und so viel Spannung produziert, sollte auch Freiraum bieten.“ Ob sie sich dann vorstellen könnte, dass das Tempelhofer Feld doch noch bebaut wird? „An den Rändern ja“, sagt sie. „Es dürften aber nicht nur teure Wohnungen entstehen.“ Wohnungsbau für Studenten oder Familien mit Kindern wäre für sie okay.
„Raus aus dem lärmenden Großstadt-Dschungel“

Jannis Ludwig kommt aus dem Allgäu und wohnt in Kreuzberg. Der 22-Jährige studiert in der Hauptstadt Business Management. „Hier auf dem Tempelhofer Feld kann ich abschalten und den Großstadt-Dschungel hinter mir lassen“, sagt Ludwig. Was ihm, der mit viel Natur groß geworden ist, sehr gefällt, ist der weite Blick – und dass hier jeder machen kann, wozu er Lust hat. „Ich jogge gerne, komme oft mit einem Buch her oder hänge mit Freunden ab“, erzählt Jannis Ludwig. „Man kann hier auch super-coolen Social-Media-Content produzieren, also tolle Videos drehen.“ Schwierig werde es mitunter nur, wenn man sich auf der riesigen Fläche verabreden möchte. Der Wahl-Berliner hätte nichts dagegen, wenn die Ränder des Tempelhofer Feldes bebaut würden: „Es wäre doch cool, wenn direkt dran eine Kita gebaut würde oder Sportplätze entstehen.“
„Wo sonst können sich Kinder so ungestört austoben?“

Till Spieß fährt von Treptow aus mit dem Fahrrad über das Tempelhofer Feld, so oft es geht. „Das ist ein super Ausgleich für meine Arbeit als Taxifahrer“, sagt er. „Nirgendwo sonst fühlst du dich so frei wie hier“, schwärmt der 62-Jährige. „Am Teufelsberg vielleicht noch.“ Als Kind war der gebürtige Charlottenburger beim Tag der offenen Tür auf dem Flughafen. Zudem erinnert er sich an ein weiteres Ereignis. „Ich flog mit meiner Oma vom Tempelhofer Flughafen nach Hannover, und Willy Brandt saß mit in der Maschine.“ Die Ränder des Tempelhofer Feldes zu bebauen, davon hält Till Spieß nichts. „Ich möchte, dass die Freifläche bleibt, wie sie ist“, sagt er. „Wenn sie anfangen, sie zuzubauen, wäre das sicher nur der Anfang.“ Das Feld ist für ihn ein durch nichts zu ersetzender Spielplatz: „Wo können sich Kinder sonst so ungestört austoben?“
gma


