Sanierungsarbeiten

Die City West wird bis 2020 zur Großbaustelle

Die Sanierung der U-Bahntunnel zwischen Wittenbergplatz und Urania hat begonnen – die Straße wird zum Engpass.

An der Kleiststraße wird bereits der Mittelstreifen aufgerissen, um an die Tunneldecke zu gelangen

An der Kleiststraße wird bereits der Mittelstreifen aufgerissen, um an die Tunneldecke zu gelangen

Foto: Reto Klar

Zwischen Wittenbergplatz und Urania wird es eng – oder zumindest enger. Wegen der Sanierung der U-Bahntunnel unter diesem Abschnitt der Kleist­straße wird die Zahl der Fahrstreifen während der Zeit der Bauarbeiten bis 2020 auf je zwei reduziert.

Bauarbeiter sind auf einem nächsten Abschnitt in der westlichen Innenstadt angerückt und erneuern für die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) die Abdichtung der Tunnelröhren für die Linien U1, U2 und U3 unter der Kleist­straße. Gearbeitet wird zwischen Wittenbergplatz und Kreuzung An der Urania. Die Fertigstellung ist für das erste Quartal 2020 geplant. Die Kosten für die Arbeiten belaufen sich nach Angaben von BVG-Sprecher Markus Falkner auf rund 6,5 Millionen Euro.

Der U-Bahnbetrieb soll durch die Sanierung nicht beeinträchtigt werden. Da die Tunneldecke von außen freigelegt werden muss, gibt es aber Auswirkungen an der Oberfläche. Auf der Kleiststraße wird die jeweils linke Fahrspur zum Mittelstreifen hin in beiden Fahrtrichtungen gesperrt. "Wir bauen also innen, weil darunter ja auch unser Tunnel liegt", sagt Falkner. Für den Verkehr blieben zwei Fahrspuren pro Richtung erhalten. "Wir verzichten für die Bauzeit auf die gesonderte Busspur", so der BVG-Sprecher.

"Wir teilen die Maßnahme in mehrere Bauphasen auf", erklärt BVG-Bauchef Uwe Kutscher. "Der Grund ist einfach: Wenn die Tunneldecke freigelegt und die alte Dichtung entfernt ist, sind unsere Tunnel kurzfristig ungeschützt. Bis die neue Dichtung fachmännisch aufgebracht ist, könnte also beispielsweise Regenwasser eindringen und das Bauwerk schädigen. Um das zu vermeiden, werden schrittweise immer nur Abschnitte bearbeitet, freigelegt und möglichst sofort wieder abgedichtet", so Kutscher weiter. Vieles davon sei buchstäblich Handarbeit, weil auf den Tunneldecken keine schweren Maschinen eingesetzt werden könnten.

Anlagen der U2 gehören zu den ältesten in Deutschland

Die Arbeiten haben in Phase eins für etwa zwei Wochen im östlichen Randbereich des Wittenbergplatzes begonnen. Parallel läuft dann bereits die Einrichtung der Baustelle an der Kleiststraße, wo es Anfang März losgehen soll. Die Parkplätze auf der Kleist­straße bleiben Falkner zufolge erhalten. An der Bayreuther Straße fielen für die Baustelleneinrichtung sieben Parkplätze weg, weil dort Container für die Baulogistik aufgestellt werden müssten. Der begrünte Mittelstreifen in der Mitte der Kleiststraße werde nach Abschluss aller Arbeiten "selbstverständlich wiederhergestellt", versichert die BVG.

"Wir können dichthalten" nennt die BVG das Programm, mit dem sie ihre Infrastruktur fit für die Zukunft machen möchte. Ein besonders großes Problem stellen dabei die Sanierungen der zum Teil weit mehr als 100 Jahre alten Tunnel dar. Die Anlagen der U2 in der City West gehören dabei zu den ältesten in Deutschland. An vielen Stellen sickert Wasser durch Decken und Wände, der Putz bröckelt und Risse bilden sich, durch die dann noch mehr Wasser eindringt. Ein Problem, das dem schlechten Straßenzustand, aber auch dem stetig steigenden Grundwasserspiegel in Berlin geschuldet ist.

Schrittweise erneuert die BVG daher die Außendichtungen der Tunnel. Nicht immer geht das ohne Behinderungen des Schienen- oder darüberliegenden Straßenverkehrs ab, nicht immer bleiben die Bauarbeiten zudem im zeitlichen Rahmen. So ist die BVG schon seit 2013 dabei, die U2-Tunnel zwischen Bahnhof Zoo und Schillerstraße sowie Ernst-Reuter-Platz und Bismarckstraße zu sanieren. Ursprünglich sollte das Projekt 2016 abgeschlossen sein. Auch der Sanierungsbeginn des Abschnitts östlich des U-Bahnhofs Wittenbergplatz war noch 2013 für das Jahr 2015 angekündigt worden.

Doch nicht immer liegen die Gründe für Verzögerungen bei den Verkehrsbetrieben. So ruhten die Bauarbeiten zwischenzeitlich bis zu zwei Monate, weil die Verkehrslenkungsbehörde des Senat mit notwendigen Anordnungen nicht hinterher kam. Zudem wurde bei den Tunnelsanierungsarbeiten im Bereich der U2 zwischen Zoo und Ernst-Reuter-Platz Asbest gefunden, für dessen Beseitigung eine Spezialfirma gefunden werden musste.

Wenigstens bei den Kosten soll es keine große Abweichung geben. Das 2013 veranschlagte Budget von rund zwölf Millionen Euro für das Gesamtprojekt werde nach aktuellem Stand eingehalten, so der BVG-Sprecher. Mit der Fertigstellung der Sanierungsmaßnahme am Ernst-Reuter-Platz rechnet er bis Ende Mai. Dann fehlt in diesem Bereich nur noch das kurze Stück der Hardenbergstraße zwischen Jebens­straße und Joachimsthaler Straße, wo die BVG wegen der Dichte von Baustellen in diesem Quartier mit ihren Maßnahmen gewartet hat. "Das wollen wir aber jetzt im Frühjahr in Angriff nehmen", sagt der BVG-Sprecher.

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