Nach Vorfall in Friedenau

Muslimverbände bieten Gespräche über Antisemitismus an

Die Attacken auf einen jüdischen Schüler in Friedenau sorgten für Empörung. In einem offenen Brief distanzieren sich Berliner Muslime.

Kundgebung gegen Antisemitismus in Berlin

Kundgebung gegen Antisemitismus in Berlin

Foto: Maja Hitij / dpa

In einem offenen Brief haben Berliner Muslimverbände Antisemitismus verurteilt und angekündigt, stärker gegen antisemitische Tendenzen vorzugehen. Zudem boten die Unterzeichner an, mit Rabbinern an die Friedenauer Gemeinschaftsschule zu gehen und im Rahmen des Projekts „Meet2respect“ mit Jugendlichen zu diskutieren.

Den offenen Brief, der auch auf der Facebook-Seite der Neuköllner Begegnungsstätte (NBS) veröffentlicht wurde, haben zwölf muslimische Vereine aus Berlin und sechs Imame unterzeichnet, darunter der Zentralrat der Muslime in Deutschland, die Islamische Föderation sowie der bekannte Imam Feriod Heider. Die Unterzeichner zitieren in dem Brief eine Sure aus dem Koran, in der es heißt: „„Oh, Ihr Menschen! Ich erschuf euch als Mann und Frau und machte euch zu Völkern und Stämmen, damit ihr einander kennen lernt.“

In dem Brief nehmen die Verbände konkret Stellung zu dem Vorfall in Friedenau. „Mit Entsetzen haben wir den Medien entnehmen müsssen, dass Schüler*innen jüdischen Glaubens aufgrund ihrer Religion von muslimischen Mitschüler*innen gehänselt, beschimpft und bedroht wurden und werden. Wir verurteilen dies sehr und appellieren an alle, die sich als muslimisch betrachten, sich auch unserem Glauben würdig zu verhalten.“ Die Diskriminierung Andersgläubiger sei nicht mit dem Islam vereinbar, heißt es weiter.

Die in Neukölln gegründete Initiative Salaam-Schalom bezeichnete Antisemitismus in Schulen als ein bundesweites Phänomen. So würden viele Kinder und Jugendliche „Jude“ als Schimpfwort einsetzen, ohne Juden oder das Judentum selbst zu kennen, sagte der Koordinator der interkulturellen Initiative, Armin Langer. In dem Fall in Friedenau war der jüdische Schüler offenbar über längere Zeit drangsaliert und auch körperlich attackiert worden. Er hat die Schule mittlerweile verlassen. Für ein besseres Verständnis von Juden und Muslimen setzt sich auch das 2012 gegründete Projekt „Meet2respect“ ein, etwa durch Veranstaltungen an Berliner Schulen. Seit 2016 gibt es auch eine „Grundsatzerklärung zum friedlichen Zusammenleben“.

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