Tempelhofer Feld

Radfahrer nach Unfall mit Kitesurfer in Lebensgefahr

Ein schwerer Unfall eines Kitesurfers mit einem Radler hat die Debatte über eine Kite-Zone auf dem Tempelhofer Feld neu entfacht.

Ein Kitesurfer im Februar auf dem Tempelhofer Feld

Ein Kitesurfer im Februar auf dem Tempelhofer Feld

Foto: Felix Zahn / picture alliance / dpa

Bei einem Unfall auf dem Tempelhofer Feld ist am Sonnabendnachmittag ein 64 Jahre alter Radfahrer lebensgefährlich verletzt, wie am Sonntag bekannt wurde.

Zeitgleich mit einem 26 Jahre alten Kitesurfer, der sich auf seinem Skateboard von einem Lenkdrachen ziehen ließ, fuhr der Radler auf einer der Startbahnen des alten Flughafens. Bei dem Versuch den Radfahrer zu überholen, sackte der Drachen des Kitefahrers plötzlich in sich zusammen, traf den 64jährigen auf seinem Fahrrad und riss ihn zu Boden.

Dabei erlitt der Fahrradfahrer lebensgefährliche Verletzungen am Kopf. Rettungssanitäter brachten ihn in ein Krankenhaus, wo er umgehend operiert wurde. Der Verletzte schwebt nach wie vor in Lebensgefahr.

Wo und wann das Kitesurfen erlaubt ist, ist nicht definiert

In den vergangenen Jahren kam es auf der Tempelhofer Freiheit immer wieder zu schweren Unfällen. 2013 starb ein Radfahrer sogar, nachdem er mit einem Jogger zusammengestoßen war.

Die Hausordnung des Parks, die von dem Betreiber der Flächen, der Grün Berlin GmbH, aufgestellt wurde, gestattet „das Befahren des Feldes mit Fahrrädern und Skates auf den befestigten Flächen.“ Wo und wann das Kitesurfen erlaubt ist, ist dort nicht genau definiert.

„Wer es beherrscht, baut keine Unfälle“

Auch einen Tag nach dem Unfall auf dem Feld sieht man dort am Sonntag die großen Lenkdrachen der Kitefahrer aufsteigen. Manche von ihnen haben sogenannte Buggys dabei, leichte Wagen, in denen man sich vom Wind ziehen lässt, andere stehen auf Skateboards mit dicken, gummierten Offroad-Reifen und rollen langsam über den Rasen.

„Beim Kitefahren ist es wie bei anderen Sportarten auch“, sagt Stefan Nadobny, während sein roter Drache an der Leine zerrt. „Wer es beherrscht, baut keine Unfälle.“ Deswegen rate er den unerfahrenen Kitern auch, erst einmal nur auf den Grünflächen des Feldes zu fahren. „Dort sind weniger Fußgänger und keine Fahrradfahrer oder Skater unterwegs.“

Flughafen einziger Trainigsort für Kitesurfer

Fahrradfahrer kollidieren mit Fußgängern, Skater rasen in Fahrräder – wo viel Betrieb herrscht, geschehen eben manchmal Unfälle. So sehen das zumindest die Kitesurfer, die ein paar Meter weiter ihre Schirme auslegen.

„Vielleicht sind wir sogar weniger gefährlich“, mutmaßt einer von ihnen. Zum Kiten brauche man Wissen, Ausrüstung, es handele sich um einen Extremsport. Deswegen seien ihnen die Gefahren ihres Hobbys bewusster als dem durchschnittlichem Skateboard- oder Fahrradfahrer.

„Ich verbringe 90 Prozent meiner Zeit damit nach Passanten Ausschau zu halten“, sagt auch Nadobny. „Natürlich wäre es trotzdem besser, gäbe es auf dem Tempelhofer Feld einen gekennzeichneten Kite-Bereich.“ Vor allem, da der alte Flughafen der einzige Ort in Berlin sei, an dem man diesem Sport nachgehen könne.