Insekten in Berlin

Hunderte Junikäfer torkeln übers Tempelhofer Feld

Mehr als 10.000 Exemplare des ungefährlichen Insekts sind derzeit unterwegs - auch in Berlin auf dem Tempelhofer Feld.

Keine Angst vorm Torkelkäfer: Der will nur spielen

Keine Angst vorm Torkelkäfer: Der will nur spielen

Foto: dpa Picture-Alliance / WILDLIFE/F.Teigler / picture alliance / WILDLIFE

Abends kann man auf dem Tempelhofer Feld ein besonders Phänomen erleben: Hunderte von großen, brummenden Käfern tauchen wie aus dem Nichts auf und fliegen scheinbar unkoordiniert umher. Wenn es dunkel, wird gehen die sogennanten Junikäfer auf Partnersuche.

Die Käfer sind Verwandte des Maikäfers. „Junikäfer haben eine braune Flügelabdeckung und Fühler, die aussehen wie kleine Bürsten“, sagt Anja Sorges, Sprecherin des Naturschutzbundes (Nabu) Berlin. Sie seien etwas kleiner als Maikäfer gehörten aber zur gleichen Gattung der Blatthornkäfer. Wegen ihres unkoordinierten Flugs würden sie auch Torkelkäfer genannt. Deshalb und wegen des brummenden Flügelschlags der behaarten Käfer entstünde bei manchem Menschen der Eindruck, er werde angegriffen. „Wir sind eine Millionenmetropole, da irritiert manchmal alles, was Natur ist“, sagt Derk Ehlert von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt. Aber keine Angst: Junikäfer sind völlig harmlos.

Auch auf der Facebook-Seite des „Flugfeld Berlin Tempelhof“ wird beschwichtigt: „Keine Panik die wollen nur spielen“, heißt es zu einem Video, das die Käfer zeigt.

Alle vier Jahre seien besonders viele Käfer unterwegs. Dieses Jahr seien es mehr als 10.000, sagt Nabu-Sprecherin Sorges. Von der Eiablage im Boden über verschiedene Larvenstadien bis zum Schlupf würden Jahre vergehen. Gerade auf Wiesen, in Parkanlagen und an Waldrändern kommen die Käfer momentan vermehrt vor. Sie ernähren sie sich von dem Gras. Ihre Fraßschäden halten sich aber in Grenzen. „Wer isst schon seine Lebensgrundlage auf? Das macht kein Käfer“, sagt Sorges. Die meiste Zeit aber würden Junikäfer als Larven leben – und dabei eine Delikatesse für Wildschweine sein. Als fertiger Käfer leben sie nur einige Monate. Ihre Aufgabe als Käfer ist es sich zu paaren und die Eier im Boden abzulegen, dann sterben sie.

Von Juni bis August sind die erwachsenen Käfer zu beobachten. In den ersten zwei bis drei Wochen sind es viele, dann werden es im Juli schlagartig weniger. Vögel ernähren sich im Sommer gern von den Käfern.

Auch ein anderes Krabbeltier wird jetzt wieder weniger in Berlin: Der Kampf gegen die giftigen Eichenprozessionsspinner habe erste Erfolge erzielt, sagt der Leiter des Pflanzenschutzamtes, Peter Boas. Die Raupen ud Falter würden nun in den Südosten nach Treptow-Köpenick abziehen. Die giftigen Brennhärchen der Tiere können Juckreizen, Entzündungen und allergische Schocks hervorrufen. Im April und Mai wurden biologische Mittel eingesetzt, um die Verbreitung zu stoppen. „Die Lage in diesem Jahr ist insgesamt nicht dramatisch“, sagte Boas. Derzeit würden vieler Orts noch Nester abgesaugt. Trotz der Entspannung müsse auch 2016 das Aufkommen weiter beobachtet und im Einzelfall bekämpft werden.