Vorschlag

Karneval der Kulturen bald auf dem Tempelhofer Feld?

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Sabine Gundlach

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Ein Reggae-Veranstalter schlägt vor, den Karneval der Kulturen auf das Tempelhofer Feld zu verlagern. Der Vorschlag stößt allerdings nicht unbedingt auf Gegenliebe.

Der Karneval der Kulturen 2015 ist gerade mal gerettet, da beginnt schon die nächste Debatte um einen neuen Standort für das multikulturelle Megaevent. Und dabei gerät jetzt das Tempelhofer Feld in den Fokus. So plädiert Perry Ottmüller von der Gruppe „Reggaeinberlin“ dafür, den traditionellen Umzug am Pfingstwochenende künftig auf der riesigen Freifläche am ehemaligen Flughafen zu organisieren. „Die Gneisenaustraße hat nicht genug Ausweichflächen für diese Menschenmengen und ist für so eine Großveranstaltung, zu der sich der Karneval über die Jahre entwickelt hat, einfach nicht mehr geeignet“, sagte Ottmüller der Berliner Morgenpost. Das Tempelhofer Feld sei aufgrund seiner Weitläufigkeit allein schon unter Sicherheitsaspekten ein optimaler Standort für die Veranstaltung, die im vergangenen Jahr mehr als eine Million Besucher zählte, betonte Ottmüller.

Der Reggaeveranstalter, dessen Gruppe bereits seit 2000 mit einem Wagen an dem Umzug teilnimmt, hatte Anfang des Jahres eine Onlinepetition für den Erhalt des diesjährigen Karnevals gestartet. Wie berichtet, stand ausgerechnet der 20. Karneval der Kulturen 2015 zum Jahreswechsel auf der Kippe, nachdem es zu Unstimmigkeiten mit dem bisherigen Veranstalter gekommen war. Der Senat hatte daraufhin im Januar der Werkstatt für Kulturen die Verantwortung entzogen und im Februar der landeseigenen Kulturprojekte GmbH die Trägerschaft übertragen. Perry Ottmüller war maßgeblich an der Rettungsaktion des Karnevals und der Durchsetzung eines Forderungskatalogs der Umzugsteilnehmer beteiligt.

„Der Zauber geht verloren“

Bei der Tempelhof Projekt GmbH stößt Ottmüllers Vorschlag auf verhaltene Reaktionen. „Das Feld hat durch das Volksbegehren einen Sonderstatus. Veranstaltungen sind nach dem Tempelhofer Feld Gesetz geregelt. Sie dürfen nicht kommerzieller Art sein und bedürfen einer Zustimmung der für das Areal zuständigen Senatsverwaltung für Umwelt“, sagte Gerhard Steindorf, Geschäftsführer der Tempelhof Projekt GmbH. Die GmbH sei zudem nur noch für das Gebäude des ehemaligen Flughafens zuständig, so Steindorf. Persönlich sei er der Meinung, dass ein „so wunderbares Ereignis wie der Karneval der Kulturen die Urbanität der Stadt brauche. „Ich kann mir das auf dem großen Grün nicht vorstellen“, so Steindorf.

„Der Zauber des Karnevals geht auf der Weite des Feldes verloren“, glaubt auch Susanna Kalhlefeld. Die Sprecherin für Partizipation und Gleichbehandlung von Migrantinnen bei den Grünen hält das Tempelhofer Feld nicht für geeignet. „Alleine schon akustisch ginge dort sicher ganz viel verloren“, sagt die Grünen-Abgeordnete. Zwar hält auch Kahlefeld die Gneisenaustraße aufgrund mangelnder Ausweichflächen für nicht optimal, plädiert aber dafür, darüber nachzudenken, ob möglicherweise die Straße des 17. Juni eine Alternative wäre. „Das scheint mir durch die Begrenzung des Tiergartens praktikabler“, so Kahlefeld. Man solle jedoch grundsätzlich erst einmal das geplante Dialogverfahren abwarten, bei dem für den Karneval der kommenden Jahre ein neues Konzept erarbeitet werde.

Karneval braucht urbanes Umfeld

Nachdem sie vergangene Woche in einem Interview mit der „Berliner Zeitung“ gesagt hatte, dass der Karneval nicht an Kreuzberg klebe, äußerte sich Nadja Mau im Gespräch mit der Berliner Morgenpost etwas zurückhaltender: „Der Karneval wurde in Kreuzberg gegründet und verliert seinen Charakter, wenn er das urbane Umfeld verlässt.“ Dass man bezüglich des Standorts weiterdenken müsse, sei klar, so Mau. Doch die Gneisenaustraße sei deshalb noch nicht vom Tisch. „Wir müssen an diese Diskusion offen rangehen und werden unmittelbar nach dem Karneval bereits im Juni mit dem geplanten Dialogverfahren für ein neues Konzept beginnen“, kündigte Mau an. Jetzt habe man erst einmal genug mit der Organisation des Umzugs und Straßenfestes in diesem Jahr zu tun, so Mau. Die Jubiläumsveranstaltung 2015 fällt aufgrund der langen Ungewissheit, ob die Veranstaltung überhaupt steige, erwartungsgemäß eine Nummer kleiner aus. So wird in diesem Jahr keine Jury den besten Umzugswagen küren und es gibt keine Broschüre wie sonst, in der alle Teilnehmergruppen kurz vorgestellt werden.„Das schaffen wir alles nicht nicht mehr“, sagt Naja Mau.

Die offizielle Bewerbungsfrist für die Gruppen ist zwar bereits Anfang März abgelaufen, aber konkrete Zahlen gibt es erst nächste Woche. Vergangenes Jahr beteiligten sich etwa 80 Gruppen am Umzug, der auch in diesem Jahr wieder durch die Kreuzberger Gneisenaustraße führen wird. „Wir können derzeit noch nicht genau sagen, wie viele Gruppen am Straßenumzug teilnehmen, aber es werden natürlich sicher weniger sein“, sagte Mau. Nadja Mau war bereits von 2002 bis 2012 Leiterin des Karnevals der Kulturen. Was in diesem Jahr anders sei? „Wir müssen das Großereignis in einer viel kürzeren Zeitspanne stemmen, das ist schon sehr sportlich.“