Gerettet

Veranstalter für Karneval der Kulturen gefunden

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Sabine Gundlach

Foto: pa/dpa

Lange war das Schicksal des Karnevals der Kulturen ungewiss. Doch nach einem Treffen zwischen Senat und Karnevalsgruppen hat sich nun ein Veranstalter gefunden. Auch das Sicherheitskonzept steht.

Der Druck der Teilnehmer am traditionellen Straßenumzug des Karnevals der Kulturen auf den Senat hat gewirkt. Das bunte Event in Kreuzberg ist gerettet. Es wird in diesem Jahr von der gemeinnützigen Landesgesellschaft Kulturprojekte Berlin organisiert. Das gab Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD) am Donnerstag nach einem Treffen am Vorabend mit den Karnevalsgruppen im Roten Rathaus bekannt. Wie Kolat mitteilte, sichert der Senat die Finanzierung der Forderungen der Karnevalsgruppen – insbesondere für das dringend erforderliche neue Sicherheitskonzept.

Als „schnelle Hilfe“ für die ehrenamtlich aktiven Gruppen stellt der Senat 2015 einen Fonds in Höhe von 70.000 Euro zur Verfügung. Auch dies war eine Forderung der Gruppen zur Rettung des Karnevals, die sie mit Ultimatum gestellt hatten. Ohne definitive Zusagen des Senats bis Mittwoch hätten die Gruppen nicht am Karneval teilgenommen. Das hätte das Ende dieser weit über Berlin hinaus bekannten und imageträchtigen Veranstaltung bedeutet, von der die Hauptstadt auch wirtschaftlich profitiert. Laut Investitionsbank Berlin bringt jeder in den Karneval investierte Euro das Fünffache an Einnahmen.

„Hervorragende Besetzung“

Die Leitung des neuen Karnevalsbüros übernimmt Nadja Mau. Mau, bislang Mitarbeiterin des Jüdischen Museums, war bereits 2006 bis 2012 in dieser Funktion für den bisherigen Veranstalter des Karnevals der Kulturen tätig. Mit der neuen Leiterin und dem neuen Veranstalter „haben wir eine hervorragende Besetzung und professionalisieren die Organisation“, sagte Kolat. Die Landesgesellschaft habe zuletzt mit großem Erfolg das Projekt „25 Jahre Mauerfall“ umgesetzt.

Mehr als 42.000 Unterstützer

Da der Karneval trotz seiner Dimensionen und seines großen Erfolgs konzeptionell noch immer in den Kinderschuhen stecke, werde man nach Pfingsten mit den Gruppen einen Konzeptdialog starten, so Kolat. Ziel sei, die Zukunft des Karnevals langfristig zu sichern. „Wir müssen 20 Jahre nach dem Start dieses Events jetzt auch mal einige Punkte auf den Prüfstand stellen“, befürwortet auch Perry Ottmüller von der Gruppe ReggaeInBerlin den längst überfälligen Kurswechsel. Ottmüller war maßgeblich an der Rettungsaktion beteiligt und hatte unter anderem mit einer Onlinepetition zur Rettung des Karnevals aufgerufen, die von mehr als 42.000 Unterstützern unterschrieben worden war.

Dem bisherigen Veranstalter Werkstatt der Kulturen war Anfang des Jahres von Berlins Integrationsbeauftragter Monika Lüke die Verantwortung für das Multikulti-Event in Kreuzberg entzogen wurden. Die Werkstatt der Kulturen wird jährlich mit einer Million Euro bezuschusst, von denen etwa 270.000 Euro als Grundfinanzierung für den Karneval genutzt wurden. „Diese 270.000 Euro werden der Werkstatt der Kulturen jetzt entzogen, weshalb wir auch direkt handeln können“, sagte Kolat der Berliner Morgenpost. Weitere Konsequenzen gegenüber der Werkstatt seien nicht geplant, so Kolat.