Karsten Roland steht kopfschüttelnd vor der abgesperrten Rolltreppe der U-Bahn-Linie 4. Der Berliner Familienvater aus Schöneberg hat einen Kreuzbandriss, er stützt sich auf Krücken. Er humpelt die hohe Treppe zur U-Bahn-Linie 7 hinauf, eine herbeieilende Passantin stützt ihn.
„Es wird Zeit, dass hier endlich was passiert“, sagt er. Schon seit Monaten ärgern ihn die Bauarbeiten der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) am Bayerischen Platz. Was als Sanierungsarbeiten begann, entwickelt sich für die Anwohner zu einer echten Bewährungsprobe.
Schöneberg ist Berlins einziger Bezirk mit eigener U-Bahn-Linie, die nur durch ihn hindurchführt. Doch im U-Bahnhof am Bayerischen Platz fehlen nicht nur die Aufzüge. Momentan fehlt auch das Eingangsgebäude. An den 1971 erbauten weißen Pavillon ohne Fenster erinnert hier nichts mehr, der Platz im Zentrum des Bezirks ist eine Baustelle.
Weißer Kachelbau mit Rundbögen Teil der Kiezgeschichte
Nun erhält der Eingang zum U-Bahnhof ein neues Gesicht. Ein zweigeschossiges Eingangsgebäude mit viel Glas wird entstehen, erklärt Uwe Kutscher am Dienstag. Den Bau-Abteilungsleiter der BVG erinnert das alte, inzwischen abgerissene Gebäude an eine Mischung aus Bunkereingang und Aral-Tankstelle. Während der Eingang und die Treppenhäuser zur U-Bahn bestehen bleiben, entsteht oben ein neuer Bereich. Die drei Einzelgebäude des heutigen Einganges werden nun zu einem Komplex mit Dachterrasse vereint, erklärte er Passanten am Mittwoch in der U-Bahn-Halle am Bayerischen Platz.
Lothar Romünder besänftigen die vorgestellten Pläne. Seit mehr als sechs Jahren wohnt er am Bayerischen Platz. „Ich hatte den weißen Kachelbau mit den Rundbögen lieb gewonnen“, sagt der Anwohner. Ursprünglich hatte der Frührentner für den Erhalt des Gebäudes als Teil seiner Kiezgeschichte demonstriert. Am meisten gestört habe ihn jedoch der Geruch der „stinkenden Imbissbude, deren Geruch bis in den Park zog“. Den Imbiss wird es auch zukünftig geben, allerdings mit neuer Lüftungsanlage.
Rund 2,2 Millionen Euro lässt sich die BVG das Projekt kosten, Zuschüsse von der BVG-Tochtergesellschaft Urbanis und vom Senat kommen hinzu. Insgesamt fallen mindestens 2,4 Millionen Euro Kosten an. Dabei war nur eine Grundinstandsetzung geplant. Doch schon bei den ersten Arbeiten habe sich gezeigt, dass die Wände nicht stabil genug seien. „Fliesen bröckelten, Lampen funktionierten nicht mehr“, sagt Kutscher. Es blieb nur der Abriss.
Dauerausstellung zum jüdischen Leben am Bayerischen Platz
Nun entsteht der lang ersehnte Wiederaufbau. Durch einen gläsernen Aufbau wird ein Café mit grüner Terrasse entstehen. Auch ein Pächter wurde schon gefunden. Der Gastronom Sven Schröder wird künftiger Betreiber des Cafés.
Zugleich soll dort eine Dauerausstellung zum jüdischen Leben am Bayerischen Platz integriert werden. Seit Entstehung des Viertels um 1900, lebten hier vor dem Zweiten Weltkrieg mehr als 16.000 Juden. Ihnen wurde im April 1942 verboten, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen. Ein düsteres Kapitel in der Geschichte der BVG, wie auch deren Vorstandsvorsitzende Sigrid Nikutta eingestand.
Auch der Anwohnerverein „Quartier Bayerischer Platz“ hat an den Plänen zum Neubau mitgewirkt. Die Bezirksbürgermeisterin von Tempelhof-Schöneberg, Angelika Schöttler (SPD), bedankt sich bei dem Engagement der Bürgerinitiative und spricht von einem praktischen Bau, der aufgehübscht und historisch aufgewertet werde. „Endlich wird eine Begegnungsstätte umgesetzt, die den Kiez erlebbar macht“, sagt sie.
Die Arbeiten sollen bis zum Sommer 2014 beendet sein. Allerdings ohne die so dringend benötigten Aufzüge. Die werden erst in zwei Jahren gebaut.





