Es ist früher Abend und ein leichter Nebel zieht durch die kleine Straße in Lankwitz. Die Luft ist trocken und auch der Teltowkanal ein ganzes Stück entfernt. Doch immer wieder wabert eine neue Dunstwolke durch die Straßenflucht. Mit jedem Schritt verdichtet sich der Nebel, bis sich eine gespenstische Kulisse aus dem Halbdunkel abzeichnet. Skelette, Piraten, Spinnenweben und eine Leiche, die im Sack über der Hecke hängt, werden von einer Nebelmaschine eingehüllt. Der Vorgarten ist in grellgrünes Laserlicht getaucht. Willkommen im Horror-Haus und bei einer halloweenverrückten Familie, die gern von sich behauptet: „Das ist unsere Macke.“

Vor genau zehn Jahren, 2016, hat es angefangen. Es sei einfach eine spontane Idee gewesen, sagen alle. Alle, das ist eine ganze Familie, die gemeinsam in einem Reihenhaus in Lankwitz lebt und Spaß an Halloween hat. Da sind zuerst Sharon mit ihrem Partner Basti und den Töchtern Mya und Harley, ihr Vater Sascha und seine Schwester Steffi und ihr Cousin Rico mit Jessi. Sie sind im Handel, in der Pflege und im Gartenbau tätig, obwohl man meinen wollte, dass bei der Vorgartengestaltung Bühnenbildner und Dekorateure am Werk sind.

Beim ersten Mal fing es ganz bescheiden an, erinnert sich Sharon. Sie öffneten die Garage, fuhren das Auto raus, stellten eine Bierbank rein. Der Nachbar hatte eine Kiste mit Dekorationsmaterial vorbeigebracht, sie bauten auf und schminkten sich. Doch von da an waren sie mit dem Halloween-Fieber infiziert. Jedes Jahr wurde es ein bisschen mehr, die Deko füllt mittlerweile den Keller. Eines der ersten Highlights sei ein gruselig gestalteter Kleiderschrank im Vorgarten gewesen, mit roten „blutverschmierten“ Handabdrücken zwischen Spinnweben und Knochen, erzählt die 34‑Jährige. Später stand das Gestell eines Himmelbetts vor dem Haus, auf dem ihr Vater als Clown verkleidet thronte.

Dieses Jahr steht die Deko unter dem Motto: „Fluch der Karibik“
Die ersten Nachbarn blieben stehen, Freunde kamen. Als sie merkten, wie sie andere damit begeistern konnten, legten sie richtig los. Immer aufwendigere, thematisch gestaltete Kulissen wurden aufgebaut, jedes Halloween stand unter einem Motto. Im vergangenen Jahr war es das Thema Zirkus, dieses Jahr heißt es „Fluch der Karibik“.

Passend dazu wurde das Haus mit breiten Holzlatten in ein Piratenschiff verwandelt. Der Vorgarten ist mit Stroh ausgelegt und so hell und gelb, wie der Strand einer einsamen Insel. Basti ist extra nach Bad Saarow im Landkreis Oder-Spree gefahren, um die Strohballen von einem Bauern zu holen. Am Halloween-Tag können die Besucherinnen und Besucher auch darauf sitzen. „Und danach spenden wir das Stroh entweder einem Zirkus oder einem Ponyhof“, sagt der Landschaftsgärtner.
Wir versuchen, unseren Vorgarten jedes Jahr passend zum jeweiligen Halloween-Thema in eine Art Parcours zu verwandeln, durch den die Kinder hindurchlaufen können.
Sharon, Bewohnerin des Horrorhauses
Bei der Generalprobe Mitte dieser Woche war nur ein Teil aufgebaut, und auch der überforderte schon die Augen und die Sinne. Faszinierend zum Beispiel das grünes Wasser speiende „kotzende Skelett“, das mit einer Zinkwanne, Phosphorfarbe und Licht in Szene gesetzt wird.

Am Sonnabend sind mindestens zehn große Figuren aufgeblasen. Noch einmal so viele Schaufensterpuppen, Hexen, Clowns und Skelette werden den Vorgarten bevölkern. Dazu läuft die Filmmusik vom „Fluch der Karibik“ und ein Lied, das ein 85 Jahre alter Nachbar mit KI passend zum Thema komponiert hat. Ihre genaue Adresse wollen sie aufgrund der angekündigten Proteste am Sonnabend nicht verraten, aber echte Halloween-Fans wissen, wo es ist.
Kinder können durch einen gruseligen Parcours laufen
„Wir versuchen, unseren Vorgarten jedes Jahr passend zum jeweiligen Halloween-Thema in eine Art Parcours zu verwandeln, durch den die Kinder hindurchlaufen können“, sagt Sharon. Sie möchten ihnen ein kleines Gruselerlebnis bieten. Die Familienmitglieder werden dabei zu Darstellern, sie haben sich verkleidet und bevölkern den Vorgarten als lebendige Fabelwesen. Teenager, „wenn sie ankommen wie die Halbstarken“, werden von ihnen gern mal erschreckt. „Das klappt auch meistens bei den Coolen“, so die Lankwitzerin, die in dem Reihenhaus aufgewachsen ist. Am Ende des Parcours warten Überraschungen, wie zum Beispiel ein Glücksrad, bei dem die Kinder Popcorn vom eigenen Popcornstand gewinnen können.
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Das Horrorhaus hat sich herumgesprochen, mittlerweile kommen bis zu 500 Besucher aus der Nachbarschaft vorbei. Bis zu 1500 Euro lässt sich die Familie das Event jedes Jahr kosten, „aber das ist nun mal unser Hobby“, sagen sie. Jeder ist willkommen, es kostet nichts. Wer möchte, kann etwas in die Spendenbox werfen.
Die eigentlichen Aufbauarbeiten beginnen tatsächlich erst am Sonnabendmorgen. Alle packen an, wahrscheinlich kommen auch diesmal noch viele neue Ideen dazu. Bis etwa 16 Uhr steht die Halloween-Kulisse, bis nachts geht die Party. Dann heißt es wieder in der Familie: Nach Halloween ist vor Halloween. Schon am nächsten Tag wird über ein neues Thema nachgedacht. Bis es inszeniert wird, kommt aber erst Weihnachten. Wen wundert es, dass bei dieser Familie ein „Winter Wonderland“ im Vorgarten ersteht, mit Schlitten, Pinguinen, Eisbären, Rentieren und Schneemännern. Und natürlich dem Weihnachtsmann.



