Besen, Rechen und Harken stehen bereit, auch Kaffee, Kräutertee und Muffins. Langsam füllt sich der Paulinenplatz in Lichterfelde West an diesem Sonnabendvormittag. Reichen die Gerätschaften? „Nichts ist schlimmer, als wenn einer extra kommt und dann nichts tun kann“, sagt Elisabeth Schroeren von der Nachbarschaftsinitiative Paulinenplatz, die mittlerweile ein eingetragener Verein ist. Sie hat für ausreichend Gartengeräte gesorgt und auch für die Verpflegung. Der Paulinenplatz ist gerade in die Saison gestartet. Laub harken, trockene Äste herausschneiden, Bänke abwaschen – das alles stand an diesem Tag auf dem Plan, den die Nachbarn gemeinsam mit viel Spaß und beim Austausch von Neuigkeiten aus dem Kiez abgearbeitet haben.
Die Bänke auf dem Paulinenplatz sind immer belegt
Vor mehr als sechs Jahren haben Anwohner die Initiative zur Neugestaltung des kleinen Dreiecks zwischen Paulinenstraße und Kadettenweg gestartet. Zu der Zeit war es ein verwilderter, namenloser Ort. Jetzt ist es wieder ein Schmuckplatz, der jederzeit so gut besucht ist, „dass man den Platz auf den Bänken am besten bald online bucht“, scherzt Vereins-Kassenwartin Anja Weiß. Zu jeder Tageszeit, auch schon ganz frühmorgens, seien sie besetzt.

Die Lichterfelder sind nicht die Einzigen im Bezirk, die sich freiwillig und ehrenamtlich für bestimmte Orte in Steglitz-Zehlendorf engagieren. Mehr als 15 Initiativen haben sich kürzlich an der Freien Universität getroffen. Zu dem ersten Vernetzungstreffen hatte die bezirkliche Koordinierungsstelle Natur-, Umwelt- und Nachhaltigkeitsbildung (NUN) eingeladen.
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Es ging darum, sich kennenzulernen, gemeinsame Aktivitäten zu planen, Themen zu bündeln, aber auch um neue Mitglieder und finanzielle Unterstützung zu werben. Denn es gibt viele Überschneidungen bei Anliegen und Problemen. So kümmern sich mehrere Initiativen um Plätze und Grünflächen im Bezirk, andere kämpfen für Tempo 30 in ihren Straßen. Mobilität, Klima, Verkehrslärm, Igel und Einsamkeit waren die Themen weiterer Gruppen. Warum nicht zusammenarbeiten, einander unterstützen? „Gemeinsam sichtbar werden“ – das war das Ziel der beiden Projektkoordinatorinnen Judith Hübner und Karola Braun-Wanke.
Jeden Sonntag wird im Piko Park Steglitz gegärtnert
In der Runde saß zum Beispiel Sebastian Singer von der Bürgerinitiative „Park an der Feuerbachstraße“. Die Aktiven kümmern sich um einen Piko Park in Steglitz – eine kleine naturnahe Grünfläche im Wohnquartier an der Feuerbachstraße, Ecke Körnerstraße. Jeden Sonntag ab 16 Uhr trifft sich das Team, um gemeinsam die Wiese zu pflegen und mit verschiedenen Wildpflanzen zu verschönern. 2025 hat die Initiative eine Saatgutbibliothek für den Bezirk Steglitz-Zehlendorf aufgebaut. Ziel ist es, regionales Saatgut für Naturinseln zur Verfügung zu stellen, um Käfer und Bienen in die Stadt zu holen.

„Im Angebot haben wir mittlerweile 80 verschiedene Wildblumen und einige Gemüsesorten“, berichtet Singer bei einem Treffen Anfang der Woche. Auf dem Universitätsgelände an der Fabeckstraße wurde von freiwilligen Helfern aus der Nachbarschaft und vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Saatgut verpackt. Die Samen von Sorten wie Blaue Himmelsleiter, Schmuckkörbchen und Färber-Resede, aber auch Erbsen und Buschbohnen verschwanden in Tütchen.
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Etwa 2000 Päckchen gehen in der Saison von März bis Ende August an die sieben Verteilstellen, zu denen unter anderem die Gottfried-Benn-Bibliothek in Zehlendorf, die Blätterlaube Dahlem und der Kieztreff Lichterfelde Süd gehören. Im besten Fall bringen die Anwohner, die sich das Saatgut kostenlos abholen können, nach dem Blühen und der Ernte wieder Samen in den Kreislauf zurück. Das funktioniere schon relativ gut, sagt Sebastian Singer.
Einige Initiativen arbeiten bereits zusammen
Die Initiative „Park an der Feuerbachstraße“ arbeitet bereits mit der „Blätterlaube“ zusammen, einem Gemeinschaftsgarten neben dem Kino Capitol an der Thielallee, der auch beim Vernetzungstreffen dabei war. Die bunte Oase mit Vogel-, Wildbienen- und Fledermausnisthilfen sowie Gemüse, Kräutern und Färberpflanzen ist auch ein sogenannter Draußenlernort, wo Workshops, Arbeitstreffen und Seminare abgehalten werden.

Weitere Synergien könnten mit den Akteuren von „Zukunftslust“, „Blumenkiez“ und „Klimafreundliches Stadtparkviertel Steglitz“ entstehen. Anfang 2025 hat Annette Eni die Initiative „Zukunftslust“ ins Leben gerufen. Sie wollte nicht warten, bis sich die Politik im Klimawandel bewegt, und fing an, die Gehwegstreifen in Lichterfelde zu bepflanzen – für mehr Biodiversität am Straßenrand. Mobilität, Wasser, Ernährung und Gesellschaft sind weitere Handlungsfelder des Vereins. Im Blumenkiez rund um den Botanischen Garten gestalten die Anwohner gemeinsam ihr Viertel rund um den Eugen-Gerstenmaier-Platz, genau wie die Stadtparkviertel-Initiative sich um den Markusplatz mit dem Markusgarten kümmert.
Für Tempo 30 kämpfen gleich mehrere Initiativen, so am Hindenburgdamm, in der Seehofstraße, Sundgauer Straße und in der Tautenburger Straße. Sie alle waren in der Runde vertreten und traten auch sofort in den Austausch über Demonstrationen, ihre Erfahrungen mit der Senatsverkehrsverwaltung und Anwälten. „Es war erfrischend zu erfahren, wofür sich alle einsetzen“, sagte Jens Milbach von der Initiative Anwohnerschutz Verkehrslärm Hindenburgdamm (AVH-Tempo 30).
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Ein Alleinstellungsmerkmal hat der „Plaudertresen“ beim Vernetzungstreffen, eine Aktion für gute Gespräche und gegen Einsamkeit, die in Kleinmachnow startete und jetzt jeden Freitag zum Kulturkiosk gegenüber vom Heimatmuseum nach Zehlendorf kommt. Der nächste Termin ist am 10. April, ab 16 Uhr, vor dem Taxistand. Dann kann ausgiebig geplaudert werden.
Am Ende ging der Plan auf: Alle kamen ins Gespräch, tauschten sich aus. Und kämpfen jetzt gut vernetzt und mit mehr Rückhalt weiter für ihre Sache. Das nächste Treffen ist schon in Planung.





