Während die Tür noch mit einem großen Schleifenband verschlossen ist, können die Gäste schon die gut gefüllten Regale durch die Glasscheibe sehen und sich erste Werke aussuchen. Da steht zum Beispiel der Roman „Die Tyrannei des Schmetterlings“ von Frank Schätzing und gleich darüber von Sten Nadolny „Die Entdeckung der Langsamkeit“. Dicht an dicht füllt der Lesestoff die neue „Bücherboxx“, die jetzt auf dem am Eugen-Gerstenmaier-Platz am S-Bahnhof Botanischer Garten eröffnet wurde.

Die Neugestaltung des Platzes an der Moltkebrücke und die Anschaffung der Bücherboxx ist vor allem dem Verein Blumenkiez zu verdanken. Der Lichterfelder Verein hatte sich im Zuge des Brückenneubaus gegründet. Die Anwohner wollten die jahrelangen Bauarbeiten zum Anlass nehmen, um auch ihren Kiez, in dem die Straßen nach Tulpen, Hortensien und Lilien benannt sind, neu zu beleben. Das nachbarschaftliche Engagement ist groß. So wurde schon das erste Sommerfest an der neuen Brücke gefeiert, viele Ideen sind in Planung oder bereits umgesetzt.

Eröffnung Bücherboxx im Blumenviertel an der Moltkebrücke
Stadtrat Urban Aykal will noch weitere Bäume auf dem Platz pflanzen lassen.© Katrin Lange | Katrin Lange

Wie die Idee der Bücherboxx. Von dem ersten Termin im Rathaus Zehlendorf bis zur Eröffnung jetzt im April waren gerade zehn Monate vergangen. „Für die Verwaltung ist das Lichtgeschwindigkeit“, sagte Urban Aykal (Grüne), Bezirksstadtrat für Straßen und Grünflächen anlässlich der feierlichen Eröffnung. Er sieht in der umgebauten Telefonzelle, die zur kostenlosen Buchentnahme oder zum Buchtausch einlädt, eine schöne Verbindung zur Buchhandlung Schwericke auf der anderen Seite der Brücke.

Platz soll autofrei und ein Treffpunkt für alle sein

Aykal versprach den Anwohnern, dass der Platz bald komplett autofrei sein wird. Noch parken dort einige Fahrzeuge, die künftig entlang der Enzianstraße stehen können, wo Parkplätze geschaffen wurden. Neue Bänke sind schon aufgestellt, jetzt kommen weitere Bäume dazu. Noch sei alles im Prozess, so Aykal, aber mit dem Ziel, eines Tages auch wieder einen kleinen Wochenmarkt auf dem Platz zu veranstalten.

Die „Nachhaltige Bücherboxx Luftbrücke“ hat eine Geschichte von mehr als zehn Jahren. Sie wurde im Rahmen eines Ausbildungsprojekts der Berliner Stadtreinigung (BSR) in Kooperation mit dem Institut für Nachhaltigkeit in Bildung, Arbeit und Kultur (INBAK) und mehreren Berufsschulen entwickelt. „Mehr als 100 Auszubildende waren bislang bei der Gestaltung von etwa 30 Bücherboxen beteiligt“, erklärte Initiator Konrad Kutt vom Nachhaltigkeits-Institut. Er sieht in den „Gesamtkunstwerken“ einen Ort zum Teilen und Tauschen sowie Geben und Nehmen.

Der erste Standort war zunächst auf dem Tempelhofer Feld. Daher der Name „Luftbrücke“. Danach wanderte die Bücherboxx durch ganz Berlin, bis sie jetzt repariert und aufgearbeitet im Blumenkiez gelandet ist.