Schmetterlinge mögen alle, nur die gefräßigen Raupen nicht. Doch das eine geht ohne das andere nicht. Wer sich an Schmetterlingen erfreut, muss die Raupen füttern. Aus diesem Grund haben Mitglieder des NABU und Kinder einer fünften Klasse der Athene-Grundschule in Lichterfelde gemeinsam Berlins ersten Raupengarten angelegt. Es ist ein wahres Paradies für die kleinen Larven, das nicht das einzige bleiben soll. Insgesamt sind acht weitere Raupengärten geplant, darunter in Treptow-Köpenick, Pankow, Tempelhof-Schöneberg und Charlottenburg-Wilmersdorf.

Auf der neu entstandenen Fläche vor der Schule an der Curtiusstraße finden Raupen künftig alles, was sie besonders gern mögen. „Während sich Tag- und Nachtfalter von nektarreichen Blüten oder Fallobst ernähren, lieben Raupen Grünzeug wie Blätter, Gras oder auch Holz“, erklärt Lars Sund, Artenschutzreferent beim NABU Berlin. Viele Raupen seien aber sehr wählerisch. Fänden sie ihre Futterpflanze nicht, würden erst die Raupen und dann die Falter aus der Stadt verschwinden. Mit dem Anlegen der Raupengärten soll diesem Negativtrend entgegengewirkt werden.

Futterpflanzen für spezialisierte Raupen

Insgesamt 295 Pflanzen wurden bei der ersten Aktion auf der Fläche verteilt. Dazu gehörten verschiedene Futterpflanzen für spezialisierte Raupen, zum Beispiel die Schwarze Königskerze für den Königskerzenmönch oder den Gewöhnlichen Hornklee für das Klee-Widderchen. Diese Stauden werden durch Sträucher wie den Blutroten Hartriegel ergänzt. In die Erde kamen aber auch Kreuzdorn, Weißdorn und Apfel sowie Wilde Möhre, Wiesensalbei. Außerdem bietet eine frisch eingesäte Wildblumenwiese weiteren Schmetterlingsarten Unterschlupf und Nahrung. 

Nabu pflanzt vor der Athene Grundschule Berlins ersten Raupengarten in Lichterfelde, Lars Sund, Artenschutzreferent beim Nabu
Mitglieder des NABU bei der Vorbereitung der Pflanzaktion in Lichterfelde.© Katrin Lange | Katrin Lange

Die Schülerinnen und Schüler hatten sich bereits im Sachunterricht in der vierten Klasse mit Raupen und Schmetterlingen beschäftigt. „Wir haben Raupen in einem Korb gehabt und zugesehen, wie sie groß geworden sind“, erzählen Anastasia und Hellena. Eine habe sogar den Namen „Hedwig“ bekommen. Als aus ihnen dann Schmetterlinge geworden sind, haben sie sie freigelassen. Jetzt sind die Kinder froh, die Raupen mit einem eigenen Garten unterstützen zu können.

Frische Humuserde bedeckt den neuen Garten

Bevor die Pflanzaktion startete, sah die Fläche aus, wie von übergroßen Maulwurfshügeln übersät. Das war Humuserde, die zunächst über den gesamten Garten verteilt wurde. Dann konnten die Kinder loslegen. Sie hatten Schildchen gebastelt, die sie am Schluss an die jeweiligen Pflanzen verteilen konnten.

Die Aktion sei mit dem Grünflächenamt abgestimmt, erklärt Lars Sund. Denn auf der Fläche dürfe auf gar keinen Fall gemäht werden. Eine minimale Pflege sei hingegen notwendig, aber darum könnten sich auch die Schüler kümmern. So müssten zum Beispiel Unkraut und invasive Arten, die die heimischen Pflanzen bedrängen und ihnen die Nährstoffe wegnehmen, entfernt werden.

Dass der erste Raupengarten gerade vor der Athene-Grundschule angelegt wurde, hat seine Bewandtnis. Eine Lehrerin der Schule sei bei einer Führung des NABU zur Artenvielfalt an Bäumen dabei gewesen, sagt Lars Sund. Dabei sei man ins Gespräch gekommen. Als er ihr von der Idee erzählte, Raupengärten in Berlin anzulegen, sei sie sofort begeistert gewesen. Auf der Fläche, auf der sich künftig die Raupen wie im Paradies fühlen werden, war vorher nur Rasen. Der wurde für die neuen Pflanzen entfernt.